Satellitenschüsseln des britischen Nachrichtendienstes in Cornwall. Sie gehören zu einem Spionagenetzwerk mit der NSA und werden zum Abhören von Telefongesprächen eingesetzt.

Abhöraffäre hat vieles verspielt: Vertrauen und Respekt

Der amerikanische Auslands-Geheimdienst NSA hat im Grunde alle wichtigen Politiker in Deutschland abgehört. Warum wundert uns das nicht mehr? Wie naiv musste man sein, um davon auszugehen, dass die NSA „nur“ die Kanzlerin quasi telefonisch überwacht hat, um ja alles mitzubekommen, was die wichtigste Frau in Europa so denkt und wie sie Politik macht? Und da sollte sich auch in anderen Ländern niemand täuschen. Wen die Amerikaner als wichtig eingestuft haben, dessen Gespräche übers Handy wurden abgehört. Das wird nicht nur für Politiker gelten, sondern gewiss auch für die Spitzenvertreter der Wirtschaft. Industrie-Spionage lohnt sich, das schafft Einblicke in die Pläne großer Firmen, die man dann unterlaufen, denen man zuvorkommen kann.

Partner in Leadership. Zum Lachen klingt das heute, was der frühere US-Präsident George Bush zum deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl im Mai 1989 einst gesagt, was er ihm angeboten hat: Partnerschaft in der Führung der westlichen Welt. Damals fühlte man sich von der Weltmacht geehrt, mit der man befreundet war, seit sie uns von der Nazi-Diktatur befreit hatte. Dafür sind wir auf ewig dankbar. Und jetzt das!

Abhören von Freunden, das geht gar nicht, hat Angela Merkel vor Monaten betont, als herausgekommen war, dass man sie angezapft hatte. Helle Empörung machte sich breit, US-Präsident Obama hat dann betont, das werde abgestellt. Wirklich? Wird wirklich niemand mehr abgehört? Ich kann das nicht glauben, weil die NSA- und sie dürfte ja nicht eigenmächtig gehandelt haben, sondern auf Auftrag von ganz oben- das Vertrauen in die politische Partnerschaft zwischen Deutschland, Europa und Amerika zerstört hat. Wenn das Vertrauen verspielt ist, ist die Glaubwürdigkeit des Partners erstmal dahin. Beides wieder zu gewinnen, braucht eine lange Zeit.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Wer kennt diesen Spruch nicht! Es ist ein Trauerspiel, was die Amerikaner abgeliefert haben. Sich aufzuspielen als eine Weltmacht, die sich alles erlauben kann, die sich eigene Regeln gibt ohne Rücksicht auf die anderen. Die USA waren mal ein Vorbild, sie haben Begriffe wie Freiheit und Unabhängigkeit entscheidend mitgeprägt, weil sie sie gelebt haben.

Mit der Abhöraffäre ist vieles verspielt worden, Vertrauen und Respekt.

Bild: Nilfanion

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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