Amerika zündelt gegen Russland

Amerika will weiter an der Sanktionsschraube gegenüber Russland drehen. Dies hat US-Präsident Barack Obama angekündigt. Man muss befürchten, dass die Europäer ihm folgen werden. Was bezweckt er damit? Will er Russland in die Knie zwingen, das Land so schwächen, dass es implodiert, will er seinen Gegenspieler im Kreml, Wladimir Putin, stürzen? Und selbst wenn Putin abgelöst würde, was hätte Obama dann erreicht? Die Russen sind Leiden und Bescheidenheit im Konsum gewöhnt,  die halten das aus. Es könnte sogar sein, dass die Sanktionen die Menschen im Riesenreich erst recht zusammenschweißen.

Die bisherigen Sanktionen, verhängt wegen der Annexion der Krim durch Russland, zeigen ihre Wirkung, der Rubel ist im freien Fall. Der Westen spielt mit den Muskeln und demonstriert seine Stärke. Wem hilft das? Russland nicht, das ist ja auch der Zweck. Aber hilft eine solche Politik Europa, profitiert etwa Deutschland davon? Man frage mal deutsche Firmen, die mit Russland seit vielen Jahren  erfolgreich und verlässlich Geschäfte machen. Dass diese ausbleiben, wirkt sich auch hier bei uns in den Bilanzen aus.

Was haben wir davon, wenn Russland am Boden liegt? Nichts. Und es ist zu bedenken, dass das größte Land der Welt immer noch eine militärische Macht darstellt, die nicht zu unterschätzen ist. Sie als Regionalmacht hinzustellen, um sie bewusst zu treffen, das stolze Volk zu beleidigen, war ein ebenso großer Fehler Obamas, wie Putin aus dem Kreis der Mächtigen zu streichen. Wir müssen mit Putin im Gespräch bleiben, er muss zurück an den Verhandlungstisch. Nur so erfährt man, was er wirklich vorhat. Und noch ist er der Chef im Kreml.

Die Vereinigten Staaten treten viel zu laut auf. Gerade sie hätten gute Gründe, etwas behutsamer vorzugehen, Demut zu zeigen.  Dass der einstige amerikanische Präsident George W. Bush eingeweiht war in die Folterpraktiken des Geheimdienstes CIA, ist schlimm, es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und Bush hat diese unmenschlichen Dinge genehmigt. Wir können heute noch froh sein, dass der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Nein zum Irak-Krieg gesagt hat. Ein Krieg, den Bush vom Zaun gebrochen und der das Land verwüstet hat. Obama wäre klug beraten, wenn er den Mund nicht so voll nähme. Das Gefängnis Guantanamo, in dem des Terrorismus Verdächtige seit Jahren festgehalten werden, ohne dass ihnen der Prozess gemacht wird, ist immer noch nicht aufgelöst worden. Die Rolle des Anklägers steht Amerika nicht.

Glaubt jemand im Westen, dass Putin nachgibt? Dass er die Krim wieder hergibt, jetzt? Der Westen, allen voran die USA, aber auch die EU haben durch ihre Ukraine-Politik das Misstrauen in Moskau geschürt, sie haben den Eindruck erweckt, als sollte die Ukraine möglichst schnell Teil der EU und der Nato werden. So würde nämlich der Einflussbereich der Nato Richtung Osten ausgebaut, um 1000 Kilometer verschoben bis an die russische Grenze. Warum glaubt jemand im Westen, dass eine solche Politik Putin keine Sorgen machen müsse? Naiv wäre das. Schon vergessen, was damals in Kuba war, als die Sowjets aus der Insel eine Raketenbasis der UdSSR machen wollten? Quasi vor der Tür der USA, nur 90 Meilen entfernt. Fast wäre es zu einem Weltkrieg gekommen.

In den Medien wird mehr und mehr vor einem Pulverfass Russland gewarnt. Wenn das hochgeht, würde das nicht ohne Folgen für das übrige Europa bleiben. Russland ist Teil von Europa, der größte Teil. Das darf die europäische Politik nicht aus den Augen verlieren. Wir müssen das Problem lösen, die Europäer.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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