Autofahren in der Zukunft: Ohne Fahrer?

Die Digitalisierung unserer Lebenswelt wird immer mehr Bereiche erfassen. Fast die Hälfte aller Bundesbürger ist bereits im online-Handel tätig: Sie kauft Möbel, Hemden, Kosmetika und was auch immer per Handy oder PC, zahlt bargeldlos mit einer Kreditkarte. Die Wachstumsraten der letzten Zeit sind geradezu atemberaubend.

Schöne neue Technologie-Welt

Selbst Lebensmittelfirmen steigen mit Lieferangeboten von Frischware, Obst und Gemüse hier ein. Ausgeliefert wird binnen kürzester Zeit nach der Kundenbestellung. Demnächst -im Internet der Dinge- werden die Bestellsignale direkt vom Kühlschrank ausgehen.

Die Möglichkeiten der neuen Technologiewelt sind noch längst nicht ausgereizt. Vor allem im Bereich Mobilität stehen nahezu revolutionäre Fortschritte an. Die Entwicklungen zum automatisierten Fahren sind bereits voll im Gange. Moderne Fahrzeuge sind mit Sensoren, Fahrassistenz-Systemen, Tempomaten und viel Elektronik ausgestattet. Schon werden auch Fahrzeuge getestet, die sogar völlig autonom über die Straßen rollen.

Hightech für Autos

Diskutiert wird bereits, ob die großen Hersteller wie Daimler, BMW oder Audi die Autos der Zukunft noch bauen werden oder ob Tesla, Apple und andere Hightech-Firmen in einigen Jahren auch den Automarkt erobern werden. Die deutschen Unternehmen steuern inzwischen intensiv um: VW ist mehr als Diesel, so verkündete es jüngst der VW-Chef Müller. Noch bis vor Kurzem hatte der Oberlobbyist der Autoindustrie, Mathias Wissmann, die Diesel-Technologie als „non plus ultra“ gepriesen und die Betrugsmanöver seiner Mitgliedsfirmen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit schönzureden versucht.

Nachholbedarf bei deutschen Firmen

Mit Blick auf die Zukunft wird es höchste Zeit, sich auf Elektro-Autos, auf die Batterie-Produktion und vor allem auch auf die IT-Technologie zu konzentrieren. Die neuen Wettbewerber heißen Google, Uber und Apple. Einige deutsche Firmen suchen bereits deren Partnerschaft, um nicht den Anschluss an die neue Zeit zu verlieren. Falls dies nicht gelingen sollte, könnte nach der Montanindustrie und den Banken die deutsche Autoindustrie die nächste Krisenbranche werden.

Bereits heute spielt das automatisierte Fahren im Straßenverkehr eine bedeutende Rolle. Viele Fahrassistenz-Systeme erhöhen nachweislich die Verkehrssicherheit, so lautet die aktuelle Diagnose des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), der eine Weiterentwicklung und Verbreitung dieser Systeme fördert. Denn Fahrzeuge mit hochautomatisierten Fahrfunktionen können im Vergleich zu den heutigen Modellen ein höheres Sicherheitsniveau für alle Verkehrsteilnehmer dauerhaft erreichen. Allerdings bleibt dabei auch der Fahrer gefordert: Er muss auch beim hochautomatisierten Fahren stets in der Lage sein, Fahraufgaben zu übernehmen und fortzuführen. Der DVR weist insbesondere auch darauf hin, dass die Autofahrer wirksam über die Funktionsweise der neuen Systeme informiert werden müssen; das beginnt bei der Führerscheinprüfung und setzt sich fort beim Kauf eines hochautomatisierten Wagens.

Roboter ohne Ethik

Die Weiterentwicklung der automatisierten Fahrfunktionen hin zum autonomen Fahren ist bereits im Gange. Erste Tests mit Autos, bei denen der Fahrer weitgehend passiv bleibt, fanden schon auf Autobahnstrecken statt. Allerdings wird das autonome Fahren, bei dem nur noch das Auto programmiert und die Ziele selbstfahrend angesteuert werden, vorerst eine Zukunftsvision bleiben. Vor allem im innerstädtischen Verkehr und auf Landstraßen, auf Strecken mit Kreuzungen und anderen Hindernissen ist es außerordentlich schwierig, wenn das System das Fahrzeug vollständig vom Start bis zum Ziel übernimmt und alle im Auto befindlichen Personen nur noch Passagiere sein können, die sich völlig anderen Aktivitäten widmen.

Schließlich kommen Fragen der Ethik ins Spiel. Roboter werden wohl kaum beim Fahren Hindernisse unterscheiden können: Wenn ein Hund plötzlich auf eine zweispurige Straße laufen sollte, wird der Roboter nicht spontan ausweichen und möglicherweise auf die Gegenfahrbahn rollen, um den Schaden zu minimieren. Sollte jedoch ein Kind plötzlich auf die Straße laufen, wird in der Regel nur ein Mensch am Steuer adäquat reagieren können und quasi über eine „Unfall-Optimierung“ entscheiden.

 

Bildquelle: Von Michael Shick – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44405988

 

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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