Trauer

Barcelona trauert und trotzt dem Terror

Zur Schweigeminute im Herzen von Barcelona sind Tausende gekommen, der spanische König Felipe, Regierungschef Mariano Rajoy, Minister, Parteipolitiker und einfache Bürger. Sie waren es, die nach dem stillen Gedenken an die Opfer der Anschläge „Wir haben keine Angst“ skandierten. Aus immer mehr Mündern erklang der Satz, der die Trauer nicht in Verzweiflung enden lässt und den Terroristen eine entschlossene Antwort gibt. „Wir haben keine Angst!“

Nicht einmal 24 Stunden vorher war die katalonische Hauptstadt von Panik ergriffen, als erneut ein Fahrzeug zur tödlichen Waffe wurde. Wie in Nizza, Berlin, London oder Stockholm verbreiteten Attentäter mit ihrer Wahnsinnstat mitten in der Metropole furchtbare Schrecken, töteten und verletzten harmlose Passanten, rissen sie aus der sommerlichen Unbeschwertheit, viele Touristen auf den beliebten Las Ramblas, auch Deutsche. Mit Fassungslosigkeit und Entsetzen reagierte das Land, Beileids- und Solidaritätsbekundungen kamen aus aller Welt. Der Schock sitzt tief, aber er mündet nicht in Hysterie oder Resignation.

Das zeugt weder von einem Abstumpfen gegenüber der hasserfüllten Gewalt, noch von einem Gewöhnungseffekt. Die Besonnenheit und die Selbstermutigung sind ein Anzeichen dafür, dass wir aus Erfahrungen lernen. Wer in Angst erstarrt und den freiheitlichen Lebensstil aufgibt, verhilft den Attentätern zum Erfolg. Dem Terror die Stirn zu bieten heißt, die Freiheit entschlossen zu verteidigen, auch wissend, dass es vor derart menschenverachtenden Taten keinen absoluten Schutz gibt. Ein alltäglicher Lieferwagen wird in den Händen eines fanatischen Dschihadisten zur tödlichen Waffe. Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich zu Anschlägen bekannt. Falls die Ermittlungen das bestätigen, ist von weiteren Anschlagsvorhaben auszugehen.

Barcelona, heißt es nun, sei eine Hochburg der radikalislamischen Szene, es wird an den Sprengstoffanschlag von Madrid vor 13 Jahren erinnert, bei dem mehr als 190 Menschen getötet wurden, und es wird aktuell von einer etwa zwölfköpfigen Terrorzelle gesprochen, deren mörderische Absichten noch erheblich weitreichender gewesen seien. Die Ermittlungen werden konkrete Erkenntnisse zutage fördern. Jenseits der akuten Bemühungen um Aufklärung bleibt es wichtige und permanente Aufgabe, die Radikalisierung und Rekrutierung von verblendeten und zur Selbsttötung bereiten jungen Männern zu verhindern.

Diese Einsicht wünschte man sich vermehrt auch von deutscher Seite. Die Ankündigungen der nordrhein-westfälischen Landesregierung jedenfalls, als Reaktion auf Barcelona die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen auf den Prüfstand zu stellen, wirken unbeholfen aktionistisch. Seit dem Loveparadeunglück sind die Sicherheitsvorkehrungen derart verschärft, dass die Veranstalter vielfach kapitulieren und auf die Durchführung verzichten. Absolute Sicherheit wird es nicht geben, ein Zurückweichen darf es nicht geben. Wie sagten es die Verantwortlichen von Barcelona: „Das Herz blutet, aber die Entschlossenheit steht.“

 

Bildquelle: pixabay, User RandallDSLR, CC0 Creative Commons

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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