Bayern in Europa Mittelmaß

Bei den Spielen der Champions League und der Europa League dieser Woche haben die deutschen Bundesligisten wenig Zufriedenheit erzielen können. Bayern München hatte sich bestimmt mehr als dieses verräterische 0:0 ausgerechnet. Die Mannschaft musste aber mal wieder erkennen, dass ein massiver Abwehrblock mit Hilfe von noch so eindeutigem Ballbesitz im Mittelfeld  nicht zwangsläufig auch überwunden werden kann. Was gegen eine sich überwiegend amateurhaft verhaltene Mannschaft wie dem Hamburger SV (die Amateure mögen mir den Vergleich verzeihen!) noch zu einem hohen Sieg gereicht hat, ist aber gegen gut organisiert in der Abwehr stehende Teams zu wenig, die Spiele in Wolfsburg und gegen Schalke hätten bei objektiver Ursachenforschung zu dieser Erkenntnis führen können.

Ribéry, Müller, Götze und Lewandowski kennen den Begriff Torgefährlichkeit nur noch aus früheren Zeiten. Bleibt noch Arjen Robben, dessen einzige spielerische Variante – von außen mit dem Ball am Fuß parallel zur Strafraumlinie nach innen laufen und etwa in der Mitte Torschuss mit links – sich auch bis in die Ukraine rumgesprochen hat. Fällt Robben durch geeignete Abwehrmaßnahmen aus, tendiert die Torgefährlichkeit der Bayern gegen Null, zumindest zur Zeit.

Auffällig ist die nicht vorhandene Kreativität aus dem Mittelfeld nach vorne, wo sich doch so Stars wie Schweinsteiger und Alonso tummeln oder sich sogar gegenseitig im Wege stehen. Da scheint auch das ständige wilde Gestikulieren von Pep Guardiola an der Seitenlinie nicht zu helfen – oder ist es gar kontraproduktiv?

Und wem wird die Schuld für dieses nicht eingeplante, glanzlose Unentschieden gegeben? Weniger dem überflüssigen, aber völlig berechtigten Platzverweis von Alonso, schon der zweite, nach einem typischen Frustfoul, auch nicht der kümmerlichen Leistung von Mittelfeld und Sturm, nein, es muss wieder mal der Schiedsrichter herhalten.  Er hat sich erdreistet, einen Ellenbogencheck gegen Ribéry nicht mit Gelb zu ahnden, was dann die 2. gelbe Karte gewesen wäre und zu einem Platzverweis geführt hätte. Die prompt einsetzenden, lautstarken Klagerufe von Rummenigge und Sammer sind wenig souverän und führen scharf an den Ursachen der ineffektiven Spielweise der Mannschaft vorbei.

Schalke 04 konnte mit all seinen Namenlosen trotz des 0:2 hoch erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Mit ein wenig Glück hätte es vielleicht sogar zu einem Unentschieden gereicht, aber das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. Die Abwehr ist auf dem Wege zu einer stabilen, organisierten Einheit, ganz im Gegensatz zu früheren Zeiten. Wenn dann für den doch sehr harmlosen Sturm, man ist zu sehr auf sog. Standards angewiesen, wieder Draxler, Farfan und auch Huntelaar in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen, dann sollte in den Kampf um Platz drei eingegriffen werden können. Der junge, bislang unbekannte Torwart  Timon Wellenreuther hat insgesamt überraschend gut gehalten mit einigen eindrucksvollen Szenen, wenngleich – Jugend hin oder her – ihm das erste Tor anzulasten ist, übrigens fast eine Kopie des Gegentores in Frankfurt. Aber da hat Schalke wieder ein Talent, das seinen Weg gehen wird, genauso wie auch der junge 19-jährige Felix Platte.

Borussia Mönchengladbach wird über das  0:1 beim FC Sevilla enttäuscht sein, sollte damit aber leben können. Wer weiter kommen will, muss einen solchen Rückstand wettmachen können.

VfL Wolfsburg hat die gute Form der letzten Wochen bestätigt und mit nur rund 55 % Ballbesitz zwei großartige Tore und zahlreiche weitere Torchancen erzielt. Übrigens mit einem unumstrittenen Chef  im Mittelfeld, mit bemerkenswerter Torgefährlichkeit, nämlich Kevin de Bruyne. Wolfsburg wird sich für das Rückspiel keine Sorgen machen müssen.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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