Museum Alexander König, Bonn Blick von der Empore in den Lichthof des Museums König,

Dank an die Bonner Republik

Die Wiege unserer Republik stand in Bonn. Das Museum König mit seinen ausgestopften Riesentieren war der Kreißsaal. Die Hohen Kommissare der Siegermächte, die auf dem Petersberg Quartier bezogen hatten, fungierten als Hebammen eines neuen, nämlich eines demokratischen Deutschlands.

Der Neubeginn war wahrlich bescheiden, vorsichtig und zurückhaltend. Dafür stand die Stadt Bonn am Rhein. Aber sie war eben nur die neue Bundeshauptstadt und großartiger Ersatzplatz, ja Statthalter für unsere alte Hauptstadt Berlin.

Über 40 Jahre nach der Teilung Deutschlands hatten viele den Traum von der Wiedervereinigung längst aufgegeben, manche ihn gar als „die größte Lebenslüge“ bezeichnet. Doch sie kam quasi über Nacht und überraschend. Berlin nicht wieder zur Hauptstadt eines glücklich vereinigten Deutschlands zu wählen, das wäre nun wahrlich die größte Lebenslüge gewesen.

So ist es gekommen, der Umzug der Bundespolitik vom Rhein an die Spree. Berlin, das wissen alle, ist größer als Bonn. Die Stadt wirkt wuchtiger und lebt viel großspuriger. Während in Bonn bei Neubauten für die politische Arbeit noch in Beträgen von einigen hunderttausend oder auch später von Millionen DM (!) kalkuliert wurde, ging es mit hohen Milliarden Euro-Beträgen in Berlin los und bis heute weiter.

Deutschlands große Politik ist nach Osten gezogen – näher an Polen als an Frankreich. Auf manche, die die Aufgeschlossenheit, Liebenswürdigkeit und Fröhlichkeit des Rheinlandes so sehr geschätzt hatten, wirkte das Riesenzentrum Berlin wie ein Kulturschock. In Bonn fühlten sich die meisten eher geborgen, fast wie daheim, bestens akzeptiert und mit den Menschen in der Stadt verbunden. In der riesigen Metropole an der Spree ist es kälter geworden, unfreundlicher und unnahbarer. Es ist schwer geworden, sich dort zurecht zu finden und zu leben.

Aber es ist, wie es ist: Berlin sollte Bonn nie vergessen. Die historischen Leistungen und Beschlüsse, die hier gemeistert wurden, haben viele Jahrzehnte unsere Republik geprägt. Ohne die Bonner Republik, ohne die Wiedererlangung des Vertrauens in der Welt, ohne den ökonomischen und sozialen Aufschwung und vieles mehr wäre Berlin wohl nicht die alte, neue Bundeshauptstadt geworden. Berlin könnte von Bonn einiges lernen: Mehr leise Töne, weniger Getue und Aufgeregtheit, mehr Sachlichkeit und vor allem auch mehr Bescheidenheit täten auch der Berliner Republik gut.

Foto: Eckhard Henkel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE

Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 4 464 Abonnenten.



Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'Dank an die Bonner Republik' hat keine Kommentare

Als erste/r kommentieren

Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht