Das Eigentor des Jahres rettet den BVB

Das Spiel von Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach war sicherlich das beste Spiel, das ein Tabellenletzter in der Bundesliga je geboten hat, natürlich auch wieder vor ausverkauftem Haus.

Dass Trainer Klopp seine Mannschaft auf einen schweren Gegner optimal einzustellen vermag, hat er schon oft unter Beweis gestellt, z.B. in den regelmäßigen Spielen gegen den FC Bayern München oder in der Champions League. Auch im vor allem für die Psyche der Dortmunder Spieler so wichtigen Spiel des vorübergehend Tabellenletzten gegen den Dritten der Tabelle ist ihm das wieder in beeindruckender Weise gelungen. Als ob es die vorherigen fünf glanz- und sieglosen Ligaspiele in Serie nicht gegeben hätte, muss der Mannschaft eine nahezu fehlerfreie Umsetzung attestiert werden: hervorragende Raumaufteilung, hartnäckiges Forechecking bis zum Schluss, erfolgreiches Zweikampfverhalten, zielorientiertes Kombinationsspiel – und das alles in einem Tempo, das man aus den Glanzzeiten von Borussia Dortmund in bester Erinnerung hat.

Da M’Gladbach an diesem Tag nichts, aber auch gar nichts dagegen zu setzen in der Lage war, erlebten die Zuschauer – bis auf die letzten paar Minuten – ein Spiel auf ein Tor, wobei Gladbach minutenlang nicht aus der eigenen Hälfte heraus kam und so zu Recht die erste Niederlage der Saison kassierte. Unter dem Strich waren zwei Pfostenschüsse und mindestens ein Dutzend höchstkarätiger Torchancen auf Dortmunder Seite zu verzeichnen, die die Schwarzgelben allesamt in Besorgnis erregender Weise vergaben, so wie es in den bisherigen Spielen schon der Fall war, der einzige Wermutstropfen an diesem Tag. Was Wunder, dass ein spektakuläres Eigentor ausgerechnet des Gladbacher Nationalspielers Kramer herhalten musste, um Borussia Dortmund als mehr als verdienter Sieger vom Platz gehen zu lassen. Die hohe Rückgabe aus dem Mittelkreis heraus fand über den an der Strafraumgrenze stehenden Torwart Sommer unerreichbar den Weg ins Tor und verdient sich unangefochten das Prädikat „Eigentor des Jahres“.

In meinen Augen ist dieser Spiel entscheidende Rückpass aus rund 45 Metern Entfernung eine „verdiente“ Bestrafung für das sich immer mehr einbürgernde Verhalten, mit solchen häufigen Rückgaben Zeit zu schinden oder den Ballbesitz zu sichern, letzteres vor allem aus einem Mangel an Kreativkraft und Risikobereitschaft heraus. Wille, Einsatz, Geduld und der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit wurden belohnt, darauf können und werden die Dortmunder jetzt aufbauen.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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