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„Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt“

Ja, solche Erkenntnisse gab es auf Deutschlands Straßen und Plätzen. Ja, es wurde demonstriert, ja, es kamen viele Leute, meistens jung, manche älter, ja, es gab den Hofgarten in Bonn, ja, das waren fröhlich entschlossene BürgerInnen. Ja, wir machten uns auf den Weg, in den Siebzigern, den Achtzigern, den Neunzigern. Ja, wir glaubten an unsere persönliche und an unsere kollektive Kraft zum Verändern, zur Gerechtigkeit, zum Wachmachen, zum Aufmuntern. Ja, das waren noch Zeiten, als auch Heinrich Böll auf der Bühne vor der Bonner Hofgartenwiese mit seiner unvergleichlich sanft insistierenden Stimme uns Mut machte.

Der heutige Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington – Bastian Hermisson –

hat nach Charlottesville dem Deutschlandfunk am 15. August ein lesens –und hörenswertes Interview gegeben.

Mit klaren Worten zu Trumps Realitätsverlust kennzeichnet Hermisson des Präsidenten  ja schon vorher lange währende Symbiose mit latenten und manifesten Faschisten in den USA.

Generell jedoch bricht sich eine schreckliche Haltlosigkeit ALLER „Gefährder“ – also auch die staatlichen, wie Kim Jong-un , Trump, Erdogan, Putin, etc – mal chaotisch, mal kalt kalkuliert Bahn. Die Leidtragenden sind zunächst die eigenen manipulierten Bevölkerungen und die jeweils so genannten Bösen, die Anderen, austauschbare Feindbilder, je nach Macht – und Marktlage. 

Also gehört auch zur Wahrheit eine für uns naheliegende Frage: Wo bleibt das Unrechtsbewusstsein von Frau Merkel? Als pars pro toto, was ihr TUN und LASSEN in unserem Namen betrifft?

Müssten wir die Lady, deren Kollegen und deren Lieferanten der Waffenindustrie nicht wesentlich klarer konfrontieren? Von wegen – Verantwortung!

Oft denke ich, wir müssten die so leidenden und verzweifelten Menschen jetzt gerade im Jemen da rausholen, evakuieren, Jene, denen wir fast voyeuristisch beim Sterben zusehen. WAS TUN WIR ???

Es ist eine Tatsache, keine bloße Meinung: Wir schicken die Waffen z. B. nach Saudi-Arabien, mit denen dann die jemenitische Zivilbevölkerung ermordet wird. Wir wissen doch Bescheid!

Als würden die kriminell wild gewordenen Terror-Männer das nicht auch mitkriegen, solche eleganten todbringenden Hochglanzdeals! Und sich dran legitimatorisch hochziehen und mit infernalischer Final-Lust auch in unsere shopping-Komfort-Zonen reinrasen. Rachefantasien im asymmetrischen Krieg: Hollywood hat es übrigens vorgemacht. Auch  Kanonenuschi ist mit von der Partie, wenn es um lukrative Steigerungen auf dem Rüstungsmarkt geht, und es nützt ihr kaum, sich so naiv und ahnungslos zu präsentieren.

Ich bin ja ein Fan von Jean Ziegler, der immer wieder betont, was alles KONKRET und ad hoc sich ändern ließe, wenn es denn politisch gewollt wäre.

Worauf WARTEN WIR? Auf wessen Weltuntergang?

Do not forget: Für die zahllosen Opfer ist die Welt bereits untergegangen, sie hätten alle gerne weiter gelebt.

Stattdessen: Wir  – die freie westliche Welt – bescheren Cholera und andere Untergangsszenarien im Verein mit Totalitären Diktatoren und mittelöstlichen Potentaten, deren Basari-Mentalität mit Säbeltanz-Performance wiederum den nimmermüden Troll Trump mittanzen lässt, allesamt von Gott und Allah und allen guten Geistern verlassen.

Da sind wir jetzt also leider mit dran und mitten drin – mitgehangen, mitgefangen – im irrsinnigen globalen Schleuder-crash-Gang des Turbokapitalismus, soweit das Auge reicht.

Und ich erwarte DENNOCH, dass wir wachen und wissenden JournalistInnen und NGO-Experten den ökonomischen Kontext dieses eigendynamischen destruktiven Tempowahns BITTE mitbenennen! Es geht nicht um eine Lösung, die da heißt: totalitärer Zentralismus. Es geht um das Bewahren von hier immerhin errungener DEMOKRATIE unserer Zivilgesellschaft, die unbedingt gerechter werden sollte, und an der WIR ALLE uns gefälligst dran beteiligen KÖNNEN! Arsch huh, Zäng ussenander

So hieß unser Motto einer Kölner Kampagne gegen rechte Gewalt 1992, und dort waren wir sage und schreibe 100.000 auf dem Chlodwigplatz!

Ich fühle mich inzwischen – more and more – wie in einer Parallelwelt, als beklommen fassungsloser Zuschauer.

Alles, was ich jetzt noch an Engagement aufzubringen die Kraft habe – ich tue es kaum hoffnungsvoll, verglichen mit „Damals“.

Und: ich fürchte, den meisten von uns – dem „Fähnlein der 7 Aufrechten“ – geht es ähnlich; immerhin sind wir ja Realisten.

Was bleibt uns immerhin übrig – unsere Integrität, unsere ethische Haltung, und

ein stärkendes Motto zum humanistischen „Grundkonsens“:

„DEMOKRATIE – die bunte Freiheit, mit gleichen, klar geordneten Spiel-Regeln
für Alle!“

Bildquelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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