Die Aufsteiger trumpfen auf.

Fünf Unentschieden, drei Auswärtssiege und nur ein Heimsieg am 2. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga sind ein Beweis für die momentane Ausgeglichenheit in der Liga. Die Tabelle hat zwar noch keine wirkliche Aussagekraft, dennoch fallen die Startschwierigkeiten der sogenannten „großen“ Mannschaften wie Dortmund, Wolfsburg, Schalke und auch FC Bayern auf; rühmliche Ausnahme ist das spielerisch und vor allem kämpferisch auftrumpfende Bayer Leverkusen mit einem überragenden Bellarabi.

Wenngleich die genannten Vereine am Ende der Saison die Spitzenplätze wieder unter sich ausmachen werden, tut es gut und ist es sehr erfreulich, dass im Moment die fußballerisch „Kleinen“, wie Paderborn, Hoffenheim, Köln, Frankfurt, oben stehen. Beeindruckend die gewiss nicht zwangsläufigen und überzeugend herausgespielten Auswärtssiege der beiden Aufsteiger Paderborn und Köln.
Bei Bayern München fällt auf, dass die Mannschaft wieder, wie auch schon im Spiel gegen Wolfsburg, bei einem Gegentor überraschend schnell den eigenen Spielrhythmus verliert. Eine solche Situation scheint bei der Spielvorbereitung nicht vorstellbar zu sein.

Während man sich um die Mannschaft des FC Bayern keine Sorgen machen muss, nicht zuletzt auch angesichts der beiden spektakulären Neuzugänge Benatia und Alonso, sieht das bei Mario Götze anders aus. Bis auf die eine oder andere Einzelaktion ist er in beiden Spielen bislang kaum aufgefallen. Hoffentlich nimmt er nicht die Rolle des ewigen großen Talents ein, das möglicherweise auch noch wenig zum Einsatz kommt, was angesichts der Qualität der neu zugekauften oder noch verletzten Spieler zu befürchten ist.

Trainer Keller von Schalke 04 wird sich den Punktgewinn, die Bayern dagegen haben zwei Punkte verloren, wieder an die eigene Fahne heften und großzügig übersehen, wie schwach die Mannschaft zumindest in der 1. Halbzeit gespielt hat und erst dann aufkam, als die Kräfte des Gegners deutlich nachließen. Erst in der 53. Minute wurde Torwart Neuer zum ersten Mal mit einem Kopfball beschäftigt, das sagt alles.
Malanda vom VfL Wolfsburg hat im Spiel gegen Eintracht Frankfurt Sekunden vor Schluss bestätigt, dass er durchaus in der Lage ist, den Ball aus knapp einem Meter wie auch schon am ersten Spieltag wieder nicht im leeren Tor unterzubringen.

Borussia Dortmund hätte den souverän herausgespielten 3:0-Vorsprung durch Leichtsinn und nach Eigennützigkeit (Aubameyang, Ramos) fast noch aus der Hand gegeben. Mit dem immer stärker werdenden Reus steigt die Leistungskurve deutlich nach oben.

Der Hamburger SV knüpft nahtlos an die miserable Rückrunde des letzten Saison an. Man fragt sich, wie eigentlich die vergangene Saison in der Vorbereitung aufgearbeitet wurde.
Die Schiedsrichter sind bislang nichts ins Gerede gekommen, was beweist, dass sie im Grunde noch keine entscheidenden Fehler gemacht haben. Ärgerliche Ausnahme ist allerdings, dass eine Frankfurter Schwalbe mit einem Freistoß und dem anschließenden Tor zum 1:1 belohnt wurde.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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