Die Eskapaden des Pep Guardiola

Dem FC Bayern ist es wider Erwarten nicht gelungen, nach dem blamablen Spiel in Wolfsburg Wiedergutmachung zu betreiben. Der Platzverweis von Boateng in der 17. Minute, im Übrigen völlig zu Recht, kann dabei nicht als Entschuldigung herangezogen werden.

Keine Kreativität aus dem Mittelfeld heraus, kein produktives Flügelspiel; die Bayern wirkten auch in diesem Spiel irgendwie gehemmt, so als ob sie durch ein zu enges Korsett taktischer Vorgaben eingeengt würden. Das als absolutes Primärziel ausgegebene Ball-Geschiebe im Mittelfeld scheint bis zur Perfektion antrainiert zu sein, Überraschungsmomente im Spiel nach vorne sind aber abhanden gekommen. Und die eindimensionale Spielweise von Robben hat sich mittlerweile herumgesprochen, Flankenschlagen ist nicht sein Ding.

Torwart Neuer wird es als dreiste Respektlosigkeit empfunden haben, dass Choupo-Moting wohl geglaubt hat, mit solch einem Schüsschen vom Elfmeterpunkt gegen ihn ein Tor erzielen zu können.

Für Schalke 04 ist der Punktgewinn ein Riesenerfolg und belässt die Mannschaft vorerst im Kreis der Champions-League-Aspiranten. Acht Verletzte und Huntelaar nicht im Aufgebot, dazu noch nach der Halbzeit ein neunzehnjähriger Torwart mit seinem Bundesligadebut, da ist es doch völlig egal, dass der Punkt weniger durch die eigene Leistung als vielmehr durch die abermalige Schwäche der Bayern zustande gekommen ist. Bemerkenswert, dass es Schalke gelungen ist, Freistöße für die Bayern aus aussichtsreichen Positionen weitgehend zu vermeiden.

Wird eigentlich Trainer Guardiola belangt, weil er in der 66. Minute die Coachingzone bis hin zur Eckfahne verlassen hat und dort dem Schiedsrichterassistenten hämisch die Hand geschüttelt hat?  Ich glaube mal nicht. Und eine Minute später, nach dem Tor von Robben, hat Guardiola den 4. Offiziellen in den Arm genommen und an seine Brust gedrückt. Wie weit darf der Trainer noch gehen? Ich kann mir gut vorstellen, wie man bei diesen beiden Aktionen mit anderen Trainern umgegangen wäre.

Noch eine Bemerkung zu den beiden Toren. Das Kopfballtor von Robben ins lange Eck fiel, weil zwar der sog. kurze, nicht aber der lange Pfosten im Schalker Tor besetzt war. Das im Ablauf dem Tor von Robben exakt gleichende Kopfballtor von Höwedes ins lange Eck fiel auch nur, weil jetzt im Bayern-Tor der lange Pfosten (wie auch der kurze) nicht besetzt war. Es ist heutzutage eine gängige Praxis, beide Pfosten bei Eckbällen des Gegners überhaupt nicht oder nur einmal zu besetzen mit der Begründung, dass die verteidigenden Spieler im Strafraum gebraucht würden. Wie kann es dann aber sein, dass Angreifer immer wieder nahezu unbedrängt zum Kopfball und zum Torerfolg kommen wie in den geschilderten Fällen?

Wie wir es schon seit vielen Jahren kennen: schwächeln die Bayern, dann schwächeln auch die anderen! Wolfsburg hat durch seinen glücklichen, erst in der 88. Minute erzielten Ausgleich seinen grandiosen Sieg gegen die Bayern wieder relativiert und die Chance auf weitere Reduzierung des Vorsprungs der Bayern ungenutzt gelassen.

Borussia Dortmund schaffte es wieder einmal nicht, ein Tor zu erzielen, auch fast eine halbe Stunde lang nicht gegen nur zehn Augsburger Spieler. Wahrscheinlich wäre der Trainer spätestens nach dieser erneuten Niederlage entlassen worden, hieße er nicht Jürgen Klopp. Der ihm freundschaftlich verbundene Aki Watzke hat da jetzt ein ziemliches Problem. Auf der anderen Seite muss man sich schon die Frage stellen, welcher kurzfristig zur Verfügung stehende Trainer in der Lage sein sollte, die Dortmunder Misere zu beseitigen?

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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