Geschwindigkeit

Die fatale Tempofixierung – ein tolles Gemeinschaftswerk.

Manchmal hat ja jeder Mensch Augenblicke der plötzlichen Erkenntnis.
So ging es mir – mal wieder – heute Morgen:
Na klar, VW und andere arme Konzerne, die doch alle nur das Beste immer von uns wollten –
Die sehr um Gewinne bemühten Manager konnten doch gar nichts anderes unternehmen, als die Abgasgifte an sämtlichen gefragten Karossen ein bisschen zu frisieren, um möglichst viele dieser toxischen Kutschen durch unsere Städte, Dörfer, Wiesen, Wälder und Auen turbomäßig zu jagen. Naja, ich meine natürlich, die flotten Hochglanzautomobile der Gattung „Deutsche Wertarbeit“ freudetrunken auf den Erfolgsweg zu lenken.

Es geht ja letztendlich um Freiheit, mobil ohne Grenzen. Oder wollen Sie das etwa gar nicht?

„Stell disch nit esu aan.“ Heißt es im Volksmund.

Also. Das müssen wir jetzt „absolut“ mal kapieren als verantwortungsbewusste Kundschaft –

Denn woher sollten die eifrigen Unternehmenslenker sonst die hübschen Sümmchen für die um unser aller Wohl beflissenen Vorstände und für die Boni herbekommen, wenn sie nicht das ganze Geld bei uns, den tapferen AutofahrerInnen zusammen sammeln könnten? Wir dürfen uns jetzt hier doch nicht so kleinlich zeigen, solche „Schummel-Software“, ein kaum bemerkbares Opfer, Herrje, ein kleines Wölkchen Stickstoff, ein paar Feinstaubkörner mehr – mit der Empfindlichkeit kann man es aber auch übertreiben – finden Sie nicht?

Bitteschön, das ist doch nicht zuviel verlangt, denn was erhalten wir dann quasi gratis?

Genau, zufriedene Herren und jetzt zunehmend auch manche Dame an der Spitze, denn denen gebührt ja all das gute Geld, das die Auto-Dealer leider auch uns abverlangen mussten, schließlich sitzen wir doch mit denen gemütlich in einem Boot, ist doch unwichtig, wer rudert und wer steuert, oder.
Und da das Preisniveau uns geneigte Endverbraucher für den Kauf-Akt nicht unnötig irritieren soll, musste man diese nervig unschönen Abgaswerte malerisch ein wenig gen Null korrigieren, damit wir alle zufrieden sind, ein harmonisches Miteinander. Und so konnten ganz praktisch mit genau dem hübschen Profit – eine großartig gelungene gemeinsame Sparaktion – auch die doch im Grunde für so viel schlaues Kalkül sehr angemessenen Summen bezahlt werden. Ich bitte Sie, wenn wir uns das nun auch nicht mehr leisten können…

Freie Fahrt für freie Bürger, was sonst!

Bildquelle: pixabay, alan9187, CC0 Public Domain

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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