Hurrikan

Die Stürme, der Klimawandel und der liebe Gott

Hurrikane halten die USA in Atem. Auf den Wirbelsturm Harvey, der in Texas wütete, folgt Irma mit noch größerer Zerstörungskraft, verwüstet karibische Urlaubsinseln und bedroht Florida mit nie dagewesener Wucht. Wissenschaftler debattieren den Einfluss des Klimawandels, mehrheitlich überzeugt, dass steigende Meeresspiegel und die Erwärmung der Ozeane das Katastrophenpotenzial der Hurrikane verstärken. US-Präsident Donald Trump jedoch ignoriert Fakten und Erkenntnisse, steigt aus dem Pariser Abkommen zum globalen Klimaschutz aus und blamiert sich mit der tumben Leugnung der existentiellen Gefahr.

Damit punktet der Präsident bei einem Großteil seiner Anhängerschaft, der Naturkatastrophen eher als Beleg für die nahe Apokalypse denn als Folge menschlichen Raubbaus an der Natur deutet. Weiße Evangelikale im so genannten Bibelgürtel der USA scheinen, was den Klimawandel betrifft, ebenso uneinsichtig zu sein wie Trump. Statt sich der Bewahrung der Schöpfung zu verpflichten, legen sie Stürme, Überschwemmungen, Todesfälle und Verletzungen, Obdachlosigkeit und Verluste als gottgewollte Strafen aus.

Als der Wirbelsturm Katrina 2005 New Orleans in Trümmer legte, sprachen die fundamentalistischen Protestanten von der „Säuberung“ eines verdorbenen, stinkenden Sündenpfuhls. Der damalige Präsident George W. Bush, ein wiedergeborener Christ, zog sich schneidende Kritik zu, weil er sich zunächst gar nicht kümmern wollte und die Verzweifelten in der Stadt ihrem Schicksal überließ. „Wartet auf den Herrn“, empfahl auch Außenministerin Condoleezza Rice in der akuten Notsituation.

Aufgeklärte Menschen reagierten fassungslos, wütend, entsetzt. Doch Prediger nutzten das Elend für die flammende Verurteilung von Dekadenz, Frivolität, Abtreibungen und was ihnen an anderen Übeln mehr in den Sinn kam. Gott in seiner Güte habe New Orleans von all dem gereinigt. Von Sodom und Gomorrha war die Rede, von ausschweifendem Leben und Homosexualität.

Noch im vorigen Jahr machte ein Politiker von sich reden, dessen Haus bei einem Hurrikan überschwemmt worden war. Das war für sich genommen nichts Besonderes, obwohl die häufigen Wirbelstürme stets die Ärmsten der Armen am heftigsten treffen. Doch jener Politiker hatte die Stürme zuvor als Ausdruck von Gottes Zorn gegen Schwule bezeichnet und erntete nun entsprechenden Spott neben dem Schaden.

Ein schlechtes Krisenmanagement wie vor zwölf Jahren George Bush wollte sich Trump nicht vorwerfen lassen. Er reiste nach Texas, wenn auch wegen der allzu eleganten Kleidung belächelt, um den Menschen Hilfe und materielle Entschädigung zu versprechen. Von einem Umdenken beim Klimaschutz wollte er jedoch nichts wissen, und so bemühen nun erste Kritiker angesichts der katastrophalen Zerstörungen ihrerseits den lieben Gott. Der schicke dem Land die Strafe für den Klimawandelleugner im Weißen Haus.

Trump ist zwar konfirmiert, hat aber, anders als seine konservativen Vorgänger im Amt, den eigenen Glauben nicht politisch instrumentalisiert oder zu erkennen gegeben. Seine Presbyterianische Kirche hat sich wegen seiner Ausländer- und Islamfeindlichkeit vor der Wahl von ihm distanziert. Dennoch hat Trump auch im Bibelgürtel gewonnen. Als kleineres Übel, wie Beobachter meinen, und vor allem in der – bereits in den ersten Tagen seiner Amtszeit eingelösten – Erwartung, dass er den Abtreibungsorganisationen die finanziellen Zuwendungen streicht.

Nun steuert der Wirbelsturm Irma auf Florida zu, ein Rekord-Hurrikan, der das Land in Angst und Schrecken versetzt. Die komplette Evakuierung wird vorbereitet. Die Sicherheit der Menschen hat höchste Priorität. Wenn sich der Sturm gelegt hat, so bleibt zu hoffen, dass Donald Trump seine unverantwortliche Klimapolitik überdenkt und zum Pariser Abkommen zurückkehrt. Es regelt nur die Mindestanforderungen an eine zukunftsfähige Politik, und wenigstens die sollten die USA als größter Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen erfüllen.

 

Bildquelle: Pixnio, Public Domain (CC0)

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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