Ruinen auf der Akropolis: Ein Sinnbild für die aktuellen deutsch-griechischen Beziehungen. Mit Vergangenheitsbewältigung und Schuldenkrise scheinen die Politiker überfordert. Bildquelle: Bildpixel / pixelio.de

Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein

Mögen die Reparationsforderungen der Griechen an die Deutschen überzogen sein, die schlimme Vergangenheit der Nazis mit ihren Verbrechen in vielen Teilen Europas holt uns immer wieder ein. Es mag ja sein, dass die Forderungen nicht berechtigt sind, weil angeblich abgegolten, die Griechen in ihrer Not scheren sich nicht darum und schlagen wild um sich. Für die deutsche Bundesregierung ist das mindestens ein sehr unschönes Thema, weil damit ein Kapitel deutsch-griechischer Geschichte auf die Agenda gesetzt wird, das uns schwer im Magen liegen wird und einigen Kritikern der Deutschen im Ausland wieder mal das Bild vom hässlichen Deutschen vor Augen führt.

Bis zu 332 Milliarden Euro will Griechenlands Regierungschef Tsipras  an Wiedergutmachung für die Gräuel im Zweiten Weltkrieg. Er droht den Deutschen sogar mit Pfändung ihrer Immobilien im Lande. So weit, dass das Goethe-Institut in Athen seine Türen schließen muss, wird es nicht kommen. Aber es wird Druck aufgebaut, der deutlich macht, die Griechen lassen nicht locker. Was verständlich ist, angesichts ihrer prekären finanziellen Lage.

Unbestritten sind die Verbrechen der Nazis in Griechenland im Zweiten Weltkrieg. Während der Besatzungsjahre 1941 bis 1944 kamen 130 000 griechische Partisanen und Zivilisten ums Leben, darunter Frauen, Kinder und Greise. 70 000 griechische Juden wurden nach Auschwitz und Treblinka  verschleppt, die meisten kamen um. 300 000 Griechen verhungerten in der Zeit oder erfroren im eiskalten Winter 1941/42. Die deutschen Besatzer hatten Brennstoffe und Nahrungsmittel für eigene Zwecke beschlagnahmt. Gegen Ende des Kriegs war ein Großteil der griechischen Industrie, der Handelsflotte, der Straßen und Eisenbahnen vernichtet.

Der Historiker Heinrich August Winkler beschreibt in seiner „Geschichte des Westens“ die Schreckensherrschaft der Deutschen in Hellas. „ Zum Hauptmerkmal  ihrer Herrschaft wurden brutale Vergeltungsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung, wann immer ihnen Partisanen dazu einen  Anlass lieferten. Zwischen Dezember 1943 und Juli 1944 wurde die Bevölkerung ganzer Ortschaften exekutiert, so in Kalavrita am 13. Oktober 1943, in Distono am 16. Juli 1944 und in Klissura am 29. Juli 1944“.

Die deutsche Bundesregierung glaubt, durch den Zwei-Plus-Vier-Vertrag zur deutschen Einheit seien Reparationsforderungen obsolet, auch das Londoner Schuldenabkommen von 1953 weise in diese Richtung. Es wird abzuwarten sein, ob die Griechen den Klageweg bis nach Den Haag gehen werden. Ungeklärt scheint die Sache mit der Zwangsanleihe.  476 Millionen Reichsmark  musste die griechische Zentralbank den Nazis zahlen, das Geld bekam Athen nie zurück. Dieser Kredit, so haben die Griechen hochgerechnet, habe heute eine Wert von elf Milliarden Euro. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat die Anleihe auf 8,25 Milliarden Euro taxiert. Gleichwie, das Geld könnten Tsipras und Co gut gebrauchen. Ihnen fehlt jeder Euro.

Eine moralische Verpflichtung gegenüber Griechenland haben die Deutschen in jedem Fall.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Die Vergangenheit holt uns immer wieder ein' hat einen Kommentar

  1. 13. März 2015 @ 22:52 Marie

    … und gleich wie, das Geld würde weder den Griechen, noch den Deutschen helfen.

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