Die „Wölfe“ haben verdient gewonnen

 In einem Pokalendspiel geht es nicht um vorausgegangene Leistungen und Verdienste, sondern einzig und allein um die Feststellung, wer in diesem Spiel die bessere oder auch nur glücklichere Mannschaft ist. Der 3:1-Sieg des VfL Wolfsburg über Borussia Dortmund gestern Abend spiegelt aber im Ergebnis und Spielverlauf haargenau den Tabellenplatzunterschied zwischen diesen beiden Mannschaften wider.

Die Wolfsburger haben eine überragende Saison gespielt, alle Mitkonkurrenten des oberen Tabellendrittels geschlagen, zweimal sogar auch die Bayern, und die Saison unangefochten als Vizemeister beendet. Auf der anderen Seite Borussia Dortmund mit einer insgesamt verkorksten Saison. Zu Weihnachten noch auf einem deprimierenden letzten Tabellenplatz haben sie sich in einer großen Kraftanstrengung schließlich noch auf den 7., letztlich aber doch enttäuschenden Tabellenplatz hoch arbeiten können.

Beiden Mannschaften eigen ist eine offensive Ausrichtung ihrer Spielanlage, in dieser Saison allerdings auf einem unterschiedlichen Qualitätslevel. Rund 20 Minuten konnte der BVB an alte Zeiten anknüpfen und das Spiel mit dem Geschenk eines frühen Führungstors in der 5. Minute dominieren, Wille und Einsatzbereitschaft waren deutlich zu spüren. Aber mit zunehmender Spielzeit wurde der Unterschied zwischen Wollen und derzeitigem Können immer offensichtlicher. Immer mehr gewannen mannschaftliche Reife und Geschlossenheit sowie individuelle Qualität des VfL die Oberhand und letztlich reichten 16 Minuten aus, um eine 3:1-Führung herauszuspielen. Ernsthaft in Gefahr geriet diese nicht mehr. Es fiel auch nicht weiter auf, dass der bislang überragende de Bruyne in diesem Spiel nur eine wirklich herausragende Szene hatte, als er nämlich das 1:1 erzielte.

Natürlich kam die Halbzeitführung den Wolfsburgern entgegen. Aus einer sicheren Abwehr konnten sie auf ihre Konterchancen warten, die sie auch bekamen, die Borussen-Torwart Langerak, der keinen guten Tag erwischt hatte, zunichtemachte oder die meistens recht leichtfertig versiebt wurden. Borussia Dortmund hatte zwar größere Spielanteile, hatte auch die eine oder andere Torchance, aber nicht mehr. Insgesamt haben an diesem Abend die spielerischen Mittel nicht ausgereicht, um die Wolfsburger Abwehr in größere Verlegenheit zu bringen.

Man weiß nicht, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Schiedsrichter Dr. Brych den einen oder anderen, mindestens aber den einen Elfmeter kurz vor der Pause für die Borussia gegeben hätte, oder wenn Torwart Langerak vielleicht zwei der drei Gegentore gehalten hätte. Das ist müßig zu hinterfragen, eigentlich entspricht das Ergebnis dem momentanen Leistungsunterschied. Und dass die Wolfsburger wenig Neigung verspüren würden, Trainer Klopp einen triumphalen Abschied zu bereiten, hat man wohl ins Kalkül einbeziehen müssen.

Eine sehr schwache Leistung lieferte – mal wieder – das Schiedsrichtergespann ab. Seit Monaten fällt Schiri Dr. Brych immer wieder dadurch auf, dass es ihm schwer fällt, in schwierigen Situationen die richtige Einschätzung zu treffen und bei groben Fouls die persönliche Bestrafung in Form einer gelben Karte rechtzeitig vorzunehmen, und wenn auch nur, um Schlimmerem vorzubeugen.  Seine stärksten Szenen hatte er gegen Ende des Spiels, als er wegen Meckerns oder Ballwegschlagens endlich gelbe Karten zu verteilen für richtig hielt, ohne zu zögern, souverän und mutig.

Eine Sottise am Rande: Schalke 04 wird den Dortmundern und eben auch sich „gratuliert“ haben, alldieweil die Königsblauen auf Grund der Dortmunder Niederlage um die Relegation für die Europa League herum gekommen sind, na bitte.

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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