Donald Trump

Donald Trump – ein Fall für den Psychiater?

So titelte am 12.8. das Handelsblatt. Diese Frage bewegt nun schon seit einiger Zeit nicht nur die US-amerikanische Öffentlichkeit. Weltweit schauen die Beobachter  mit wachsender Fassungslosigkeit auf die Wahlkampagne von Donald Trump. An seiner Fähigkeit zum Präsidentenamt zweifeln öffentlich – bis dato ein nahezu einmaliger Vorgang – nicht nur der politische Gegner sondern auch etliche seiner „Parteifreunde“, der derzeitige Amtsinhaber und viele namhafte Politiker in Europa und in aller Welt. Die kalifornische Abgeordnete  Karen Bass von den Demokraten startete sogar eine Petition, um Donald Trumps Geisteszustand zu untersuchen.

Die Frage, ob Donald Trump statt ins Oval Office eher auf die Couch eines Psychiaters gehört, ist zur Zeit in der Liga der Amateur- und Hobby-Psychologen das populärste Thema. Oder, wie die Washington Post schreibt „The latest media obsession: ‘Could there be something … neurologically wrong’ with Donald Trump?„.

Die psychologische Fachwelt schweigt – bisher. In den USA ist das seit über 40 Jahren Standard. Seit im Nachgang zum Präsidentschaftswahlkampf 1964 eine Vorschrift der „American Psychiatric Association“ (APA), auch informell „Goldwater Rule“ genannt, erlassen wurde. In dem damaligen, ähnlich polarisierenden Wahlkampf, wie wir ihn aktuell erleben, wurde die Frage der geistigen Zurechnungsfähigkeit des damaligen republikanischen Kandidaten, Barry Goldwater, in einem Fachartikel in Zweifel gezogen.  Das hat den Wahlkampf im Jahr 1964 möglicherweise deutlich weniger beeinflusst als derartige Auseinandersetzungen im digitalen Zeitalter, aber seitdem gilt es für Psychiater als unethisch, den geistigen Zustand eines Menschen zu kommentieren, ohne ihn untersucht zu haben und vor einer öffentlichen Stellungnahme dessen Einverständnis eingeholt zu haben.

Im Falle Donald Trump bröckelt diese Zurückhaltung. Bisher allerdings tobt die Debatte erst einmal in den Medien, vor allem natürlich den digitalen. Auf Twitter findet sich unter dem Hashtag #trumpdiagnosis eine Bandbreite von Äußerungen, die von Idiot über Narzist bis hin zu Soziopath oder gar Psychopath reichen.

Dabei ist Psychopathie , um mit Wikipedia eine beliebte Quelle zu zitieren, „eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen.“ Die Diagnostik erfolgt u.a. mit der Psychopathie-Checkliste (PCL-R) von Robert D. Hare.  Angesichts der Vielzahl von roten Linien, die Donald Trump in den letzten Wochen überschritten hat, ist die Frage erlaubt, ob er „nur“ in besonderer Weise extrovertiert und polarisierend ist oder ob er wirklich eine psychopatische Persönlichkeit hat. Schließlich geht es um das Amt, das weltweit die größte Machtfülle und den Zugang zu einem atomaren Zerstörungspotential auf sich vereint und ein wirkliches Armageddon auslösen kann. Trotz aller ethischen Bedenken sei daher für jeden hier die Möglichkeit gegeben, diese Frage im Hinblick auf Donald Trumps Persönlichkeit für sich selbst zu beantworten:

Die 20 Kriterien werden je nach Ausprägung mit 0 bis 2 Punkten bewertet.  Ab 25 von den insgesamt 40 zu erreichenden Punkten wird ein hoher Psychopathie-Wert konstatiert. Ab 30 Punkten (Cutoff-Wert) erfolgt die Diagnose Psychopathie.

Bildquelle: Wikipedia,  Donald Trump speaking at CPAC in Washington D.C. on February 10, 2011, Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0

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Uwe Pöhls
Über  

Der Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer einer Medienagentur ist langjähriger Experte im Wasserbereich und führt regelmäßig Verbrauchertests mit Trinkwässern durch. Als Herausgeber des Blogs der Republik schreibt Pöhls regelmäßig auch zu anderen Themen.


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