Dortmund auf dem Weg nach oben, Schalke nach unten!

Das 146. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und FC Schalke 04 hat zwei Erkenntnisse gebracht: 1. Dortmund hat mit dem ungefährdeten 3:0-Sieg endgültig die Krise überwunden, ist auf dem besten Weg in die obere Tabellenregion und kann sich berechtigte Hoffnungen machen, noch auf die Europa-Tabellenplätze zu gelangen, wenn nicht gar noch auf Platz vier, der bekanntlich zur Qualifikation für die Champions League berechtigt. Aus den Spitzenplätzen der Tabelle hat sich, so die 2. Erkenntnis, Schalke 04 allem Anschein nach verabschiedet.

Wenn Trainer di Matteo wegen fehlender bzw. nicht einsatzbereiter qualifizierter Offensivkräfte erst mal die Abwehr gestärkt hat, war das vielleicht nicht attraktiv, aber verständlich, weil an den Gegebenheiten orientiert, und die bisherigen Spielergebnisse schienen ihm durchaus Recht zu geben. Was die Schalker aber am Samstag in Dortmund abgeliefert haben, war Angsthasenfußball mit Zweitliganiveau, wenn überhaupt, und wurde den Erwartungen an dieses Derby in keiner Weise gerecht.

Der schwarzgelb getränkte  Sky-Reporter Marcel Reif sprach – bezogen auf die Schalker Abwehr – wiederholt und fast schon gehässig, weil einfach falsch, von einer „Betonmischmaschine“; der Vergleich mit einem löchrigen Schweizer Käse hätte aber mehr der Realität entsprochen. Denn wenn Schalke bis zur 78. Minute das eigene Tor sauber halten konnte, dann lag das weniger, besser gesagt überhaupt nicht an einer organisierten, effizienten Abwehrleistung, sondern einzig und allein daran, dass die Dortmunder mehr als ein Dutzend höchstkarätiger Chancen entweder wieder einmal kläglich vergaben oder diese von Torwart Wellenreuther grandios zunichte gemacht wurden.

Dem permanenten Druck der Dortmunder hatte Schalke nichts, aber auch rein gar nichts entgegen zu setzen. Nicht eine einzige ernsthafte Torchance, der Ball lief kaum mal über mehr als 2 Stationen, die Zweikämpfe wurden nahezu allesamt verloren, dazu ein heillos überfordertes Mittelfeld. Und auch nach dem Rückstand, als Schalke die Abwehr etwas lockern wollte, kam überhaupt kein zielorientiertes Offensivspiel zustande, die einzige Spitze Huntelaar war total wirkungslos und hatte einen geruhsamen Nachmittag, und das in einem Revierderby!

Torwart Wellenreuther, zweifelsfrei ein großes Talent mit absoluten Stärken auf der Linie und im „Bodenkampf“,  hat auch in diesem Spiel bewiesen, dass er nach den fatalen Fehlern in den Spielen gegen Frankfurt, Madrid und Bremen, hinsichtlich des Verhaltens bei Flankenbällen noch nichts dazu gelernt hat. Wieder unterliefen ihm drei entsprechende Fehler, die diesmal aber ohne negative Folgen blieben. Dass er kurz vor der Torlinie mit dem Ball am Fuß versucht hat, Marco Reus auszuspielen, was prompt zum 3. Tor durch eben diesen Reus führte, sei einer jugendlichen Unbedarftheit zugerechnet und verziehen, zumal das nur noch statistischen Wert hatte.

Natürlich gibt es bei Schalke eine lange Verletztenliste, vor allem fehlte Matip in der Abwehr, nimmt man aber dieses Spiel zum Maßstab für die kommenden Auseinandersetzungen, dann fällt es einem sehr, sehr schwer sich vorzustellen, dass Schalke auf einem der ersten sechs Plätzen wird überleben können. Trainer di Matteo wird bei der Suche nach einem geeigneten Spielsystem für seine Mannschaft ganz von vorne anfangen müssen; die restlichen elf Spiele werden darauf aber keine Rücksicht nehmen.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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