Schallwellen

Endlich eine öffentliche Sitzung in Radolfzell über einen der schlimmsten Stress-Faktoren in unserem Alltag: LÄRM!

Eher skeptisch machte die anwesenden Diskutanten die vermeintlich verständnisvolle, jedoch eigentlich kaum beruhigende Anekdote des Baudezernenten Nöken, dass er auf dem Schulweg mit seinem Sohn auf der Konstanzer Straße kaum sein eigenes Wort verstehen konnte, weil es dort ja so laut sei. Nun, immerhin muss er mit seiner Familie an dieser extrem befahrenen Straße ja nicht leben. Nicht zu schweigen von den sichtbar von jahrelangem Lärmterror gezeichneten AnwohnerInnen der Haselbrunnstraße und dem entsetzlich lauten Neubaugebiet „Kasernenhöfe“, sowie akustisch überstrapazierten Menschen an den Durchgangsstraßen in den Ortsteilen Markelfingen und Böhringen, die am Abend im Rathaus endlich mal vor einem größeren Publikum Details aus ihrem qualvollen Alltag mitteilen durften. Im Vergleich zu deren tagtäglichem Leiden erschien mir die traurige Unmöglichkeit für mich, meinen Balkon wegen des Krachs von der Schützenstraßen-Brücke zu nutzen ja vergleichsweise noch harmlos.

Die Frage bleibt: Warum erst jetzt übernimmt die Gemeinde Radolfzell die Verantwortung für die konkreten Einschränkungen der Lebensqualität ihrer BürgerInnen durch das seit Jahren sich steigernde rasante Verkehrsaufkommen? Ist denn unser persönliches Wohl und Wehe schicksalhaft nur noch dem superlativen Profit-Streben von Konzernen zu opfern? „Der Verkehr muss störungsfrei fließen.“ Aber: es darf nicht sein, dass Herr Nöken betont burschikos auftritt und allen Ernstes meint, die steuerzahlenden EinwohnerInnen auf weitere Jahre vertrösten zu können, Nein, einige behördliche Maßnahmen könnten sehr wohl umgehend in für Alle entlastende Regelungen in der Tat umgesetzt werden! Die städtischen Gremien sollten ihrer Verantwortung gerecht werden und den Leidensdruck der RadolfzellerInnen bitte endlich ernst nehmen. Schließlich geht es auch hier um Bereiche der Daseinsvorsorge als staatliche Aufgabe. Flankierend sei daran erinnert, dass die deutschen BürgerInnen seit geraumer Zeit auf das „Informationsfreiheitsgesetz“ zurückgreifen können, welches ihnen sogar einklagbar erlaubt, alle möglichen Hintergrundinformationen jederzeit einzusehen, und sehr praktische Forderungen aus diesem Wissen beanspruchen zu können. Schädliche Emissionen – das bedeutet im zerstörerischen Turbokapitalismus ja ein weites Feld. Auch die fossilen Schadstoffe vergiften uns und die Natur. Am wunderbaren Erfolg der „Deutschen Umwelthilfe“ – DUH – vor über 40 Jahren hier in Radolfzell gegründet und inzwischen bundesweit aktiv – , die den maßlosen Betrug der Autoindustrie mit den uns alle gefährdenden Abgasgiften aufgeklärt hat, und weiter da dran bleibt, lässt sich ermessen, wie gut es tut, sich gemeinsam zu wehren.

Bildquelle:Bildquelle: pixabay, AnandKZ, Public Domain CC0

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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