Entscheiden die Schiris den Abstieg?

An diesem 22. Bundesligaspieltag haben zwei Schiedsrichter mit ihren Entscheidungen die obige Frage geradezu zwangsläufig aktuell werden lassen. Das Spiel des Freitagabends beim VfB Stuttgart haben die Dortmunder Borussen hochverdient für sich entschieden, so viel vorweg. Dass beide Teams in der zweiten Halbzeit ein sehr schwaches, von unglaublich vielen Fehlpässen geprägtes Spiel ablieferten, sei nur am Rande bemerkt.

Nach Hereingabe ihrer ersten Ecke in der 31. Minute wurde der Stuttgarter Niedermeier wenige Meter vor dem Tor vom Dortmunder Sahin durch ein eindeutiges Foul am Torschuss gehindert. Torwart Weidenfeller hatte den Ball verpasst und keine Chance mehr einzugreifen. FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin entschied richtigerweise auf Strafstoß, vermied aber eine persönliche Strafe für Sahin (gelbe oder rote Karte).Samstagnachmittag passierte im Spiel des SC Paderborn gegen Bayern München eine sehr ähnliche Situation. Arjen Robben nutzte kurz vor dem Paderborner Tor einen an sich harmlosen, weil beim Fußball üblichen Körperkontakt zu einem spektakulären Sturzflug. Dieser Kontakt eröffnete erst durch den bühnenreifen Sturz von Robben die Möglichkeit, als Foul interpretiert zu werden. Prompt sah es Schiedsrichter Bastian Dankert so und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Da er in dem Foul auch eine Notbremse zu erkennen glaubte, zeigte er, aus seiner Sicht völlig konsequent, dem Paderborner Florian Hartherz die rote Karte.

Soweit die beiden fast identischen Situationen, die jeweils einen Strafstoß zur Folge hatten, aber in der weiteren Bewertung unterschiedlich interpretiert wurden. Hätte Schiri Aytekin in Stuttgart auf Notbremse entschieden, hätten die Dortmunder rund 60 Minuten mit zehn Mann spielen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Stuttgarter das in ihrem Abstiegskampf für einen so wichtigen Sieg genutzt hätten, hätte sich zumindest vergrößert.

Für die auch im Abstiegskampf befindlichen Paderborner hätte sich auch mit elf Spielern eine Niederlage nicht vermeiden lassen, aber darüber hinaus wird der Spieler Hartherz für wahrscheinlich zwei Spiele nicht zur Verfügung stehen.

Ist die unterschiedliche Bewertung der beiden Schiedsrichter durch das so oft geforderte Fingerspitzengefühl oder durch einen den Schiris zugebilligten Auslegungsspielraum abgedeckt? Ich meine nein! Schiri Aytekin hat, was eine mögliche persönliche Bestrafung von Sahin angeht, offensichtlich falsch entschieden. Wenn er schon nicht den Tatbestand einer Notbremse erfüllt gesehen hat, hätte er zumindest eine gelbe Karte zeigen müssen. Noch weniger akzeptabel wäre es, wenn er die mit der roten Karte verbundene Dreifachbestrafung (Strafstoß, ein Mann weniger, zusätzliche Sperre) für falsch hält und einfach die regeltechnischen Vorgaben außer Acht lässt. Das kann doch nicht im Ermessen eines jeden Schiedsrichters liegen. Ein Mindestmaß an gleichwertiger Spielleitung sollte schon gegeben sein, dafür sind die Spielregeln schließlich da.

Dass beide Entscheidungen zugunsten der derzeitigen Aushängeschilder des deutschen Fußballs gefällt wurden, sei nur nebenbei bemerkt und ist sicherlich reiner Zufall – oder!?

 

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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