Er läuft und läuft

Für Bundestrainer Löw sind die Kicker aus Algerien auch deshalb so gefährlich, weil sie „wahnsinnig viel“ laufen. Das könnte aber für die Spieler aus Nordafrika auch zum Problem werden, wenn sie zu viel laufen und der Akku leer wird. Bei den Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit. Wobei diese Gefahr beim Spiel Algerien gegen Deutschland nicht besteht. Dier Rede ist von kühl und naß, vielleicht so um die 12 Grad warm.

Löws Warnungen sollen ja auch dazu dienen, dass die hochgelobten deutschen Fußballer den Gegner nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sonst könnte es ein böses Erwachen geben.

Andererseits sind die Kicker aus Deutschland ja auch ziemlich schnell und die meisten von ihnen auch laufbereit oder laufwillig, wie das Experten auszudrücken pflegen, kämpferisch stark, fressen zur Not Gras und gehen, besser laufen bis an die Grenze ihrer Kräfte. Sie drücken sich nicht vor Spurts sausen zwischen den Strafräumen hin und her.

Und da bei dieser WM so gut wie alles ge- und vermessen wird, kennen wir auch die zurückgelegten Kilometer der deutschen Stars. Dass Philipp Lahm hier Spitzenreiter oder besser -läufer ist, wundert nicht. Von wegen Nomen ist Omen. Der kleine Mann aus München hat einen „wahnsinnigen“ Radius, um es mal mit Löw zu sagen. Nach der Vorrunde hatte Lahm insgesamt 34,6 Kilometer auf seinem Tacho, 11,53 Kilometer pro Spiel. Dicht hinter dem Kapitän der deutschen Elf liegt auf Platz zwei Toni Kroos(!)mit 34,4 KM und 11,46 KM pro Spiel, nur ganz knapp vor dem letzten deutschen „Straßenfußballer“ namens Thomas Müller, der in den ersten drei Spielen immerhin 33,9 KM runtergelaufen ist, was einem Schnitt pro Spiel von 11,3 KM entspricht.

Im WM-Ranking rangiert Lahm aber nur auf Platz acht, Kroos auf Platz zehn und Müller auf Platz zwölf. Dass diese Zahlen nicht viel bedeuten, zumindest nicht für Sieg und Niederlage, zeigen die Kilometer-Leistungen anderer Spieler. Kein Kicker ist so viele Kilometer gelaufen wie der Amerikaner Bradley: 38 Km, pro Spiel 12,67 Km. Aber hat es ihm und den USA was genutzt? Die USA haben gegen Deutschland verloren. Der Chilene Diaz liegt auf Platz zwei mit 36,7 Km. 117,5 Kilometer legte die gesamte chilenische Truppe im Spiel gegen Spanien zurück. Na und ? Chile ist ausgeschieden, schon wieder zu Hause. Oder nehmen wie die Laufleistungen der Italiener im Spiel gegen die Engländer: 110 Kilometer hatte die Squadra Azzurra zurückgelegt. Raus sind sie, wie die Engländer. Den Turnierbestwert hält Australien mit 120 gelaufenen Kilometers. Sie sind längst wieder „down under“.

So war das immer schon mit dem Rennen und den Rennern. Einer der besten deutschen Fußballspieler Günther Netzer arbeitete gern aus der Tiefe des Raumes, wo er seine feinen Pässe spielte. Zum Laufen hatte er an seiner Seite „Hacki“ Wimmer.

Und was Algerien angeht, müssen wir den Abend abwarten. In der Lauf-Statistik liegt ihr bester Läufer auf Platz elf, hinter Lahm und vor Müller, der aber die meisten Tore geschossen hat. Und was zählt am Ende?

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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