Südtribüne

Es schadet dem Ruf des BVB – Gewalt und Hassplakate haben in Stadien nichts zu suchen

Der Bundesliga-Fußballklub Borussia Dortmund ist eine Marke, eine immer noch gute Marke. Das sagt ein Fan von Schalke 04 und zwar mit großem Respekt. Der BVB ist anerkannt, im Revier klar die Nummer 1 vor dem blauweißen Konkurrenten, in Deutschland rangiert der Verein vom Borsigplatz hinter den Bayern, denen er aber vor wenigen Jahren zweimal den Meistertitel abspenstig gemacht hat. Mich hat es gefreut, ich komme aus dem Ruhrgebiet. Für die Erfolge des einzigen börsennotierten Bundesligisten ist auch der Vorstand verantwortlich, neben Präsident Reinhard Rauball natürlich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Es ist ein Jammer, dass dieser BVB wegen einiger krawallbereiter Fans, die ganz offensichtlich auch kriminelle Energie entwickeln, mehr als ins Gerede gekommen ist. Es ist ein Jammer, dass dem Dortmunder Klub Strafen drohen, wie die Sperrung der legendären Südtribüne und/oder eine Geldstrafe in Höhe von 100000 Euro.

„Aki“ Watzke wird vorgeworfen, gezündelt zu haben. Richtig ist, dass der clevere Geschäftsführer sich schon vor Monaten etwas despektierlich über den Liga-Konkurrenten aus Leipzig geäußert hat. Verstanden habe ich das nicht. Watzke hat doch mit dem BVB genug zu tun, der BVB ist eine Erfolgsstory, für die auch der Name Watzke steht. Der hat es doch gar nicht nötig, den Neidhammel zu geben. Dass Leipzig von einer Limo-oder Brause-Firma finanziert wird- ja und? Dortmund trägt auf dem Trikot den Namen des Industriegiganten Evonik. Niemand käme auf die Idee, deshalb irgendwelche Schmähgesänge über den BVB zu singen. Warum lässt sich einer wie Watzke dazu herab, von einem Dosen-Klub zu reden, um über Leipzig herzuziehen? Eigentlich müssten doch alle Fußballfans froh sein, dass mit RB Leipzig wieder ein Klub aus dem Osten der Republik in der höchsten deutschen Fußballliga spielt.

Watzke sollte darüber nachdenken und sich künftig mehr mit seinem Verein beschäftigen, der ihn schließlich bezahlt. Und mit dem er Riesen-Erfolge gefeiert hat. Das darf man auch heute noch laut sagen, auch nach einem Debakel wie gerade beim Bundesliga-Schlußlich Darmstadt.

Gewaltbereite Fans müssen draußen bleiben

Der Umgang mit der Fan-Gewalt ist ein Problem, das die Vereine seit Jahren beschäftigt, dem sie aber nicht Herr geworden sind. Wieso lassen Vereine wie der BVB zu, dass Fans während eines Spiels Hass-Plakate zeigen? „Pflastersteine auf Bullenschweine“, das ist eindeutig beleidigend und zudem eine Aufforderung zur Gewalt, die man irgendwie verhindern muss. Da muss man auch die anderen, die vernünftigen Fans mit einbauen. Nein-zu-Gewalt-Plakate ist ein Weg, der ergänzt werden muss durch intensive Kontakte und Gespräche auch mit so genannten Ultras. Pyrotechnik, Sturmhauben, Kampfsporthandschuhe, Drogen und Schmerzmittel haben in einem Stadion nichts zu suchen. Hier muss geprüft werden, ob man die Fans vor Betreten des Stadions noch intensiver untersucht. Immer nur nach der Polizei zu rufen und mehr Präsenz einzufordern, das ist mir zu einfach. Die Vereine selber müssen mehr dafür tun, dass gewaltbereite Zuschauer eben draußen bleiben. Darunter wird die Stimmung nicht leiden, aber es wird vielleicht wieder etwas friedlicher und fröhlicher zugehen.

Rassismus, Einschüchterung anderer Fans, Schlägereien vor Spielen, all das schadet dem Fußball wie kriminelle
Energie einiger Fans. Wer Pyrotechnik in andere Fan-Gruppen schießt, riskiert mindestens die Verletzung von Zuschauern. Das darf man nicht zulassen. Auch das Abbrennen von Fahnen gehört verboten.

Dass Hans-Joachim Watzke als einer der Verantwortlichen des BVB hier eine Mitverantwortung hat, liegt auf der Hand. Wer denn sonst als der Vorstand soll hier den Kopf hinhalten? Das weiß auch einer wie Watzke. Seine Vorstands-Kollegen in den anderen Vereinen sollten sich hier auch mal mehr Gedanken zu dem Problem machen. Denn heute reden wir über Gewalt in Dortmund, über beleidigende Plakate auf der Südtribüne, morgen schon könnte diese Art der Gewalt Schalke erreichen oder Köln oder Gladbach, Frankfurt. Auch die Fans von Bayern München sind keine zahmen Wesen. Wehret den Anfängen! Sonst ist es irgendwann zu spät. Es wird Zeit, dass der normale Fan ohne Angst ins Stadion gehen kann und am Ende auch wieder heil sein Zuhause erreicht.

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Man kann nur hoffen, dass es irgendwann wieder so wird.

Bildquelle: Wikipedia, Pascal Philp, CC BY-SA 2.0 DE

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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