Fußball-EM

EU-Meisterschaft: Der Ball läuft

Bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich haben alle Mannschaften den 1. Spieltag der anfänglichen Gruppenphase hinter sich gebracht und einige inzwischen das zweite Spiel absolviert. Richtig deftige Überraschungen sind ausgeblieben, wenn man mal von der 0:2-Niederlage der Österreicher gegen Ungarn und dem blamablen Unentschieden (1:1) der Portugiesen gegen Island absieht und dem Abschneiden der Russen mit der Niederlage gegen die Slowakei. Man fühlt sich an Eishockey alter Tage erinnert.

Wenig verwunderlich war auch, dass die als Favoriten gehandelten Nationen, wie z.B. Spanien, Frankreich, Deutschland, England, noch allesamt große Probleme hatten, ihren Spielrhythmus zu finden. Die als Geheimfavorit gehandelten Belgier mussten gar eine bittere Niederlage gegen die älteste Mannschaft des Turniers, Italien, einstecken. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Italiener dieses Niveau werden durchhalten können.

Und was ist mit Lewandowski, de Bruyne?

Auch die Spieler, denen man prophezeit hatte, dass sie das Turnier prägen würden, z.B. de Bruyne, Ibrahimović, Özil, Griezmann, Lewandowski, traten wenig in Erscheinung und blieben ihren voraus eilenden Ruf schuldig.

In Deutschland hat die Euphorie über das zugegeben spektakuläre Tor von Schweinsteiger in der 92. Minute die vorher aufgetretenen Schwächen in der Abwehr vergessen lassen. Übersehen wurde in den meisten Medien auch der fast totale Ausfall von Götze, der in seiner Position als Mittelstürmer völlig deplaziert ist. Götze muss sich vorgekommen sein wie in der Mannschaft des FC Bayern München, nämlich als Fremdkörper; die spärlichen acht Ballkontakte in der ersten Halbzeit sind ein beredter Beweis. In der zweiten Halbzeit war Götze zwar öfter am Ball, nennenswerte Szenen sind aber nicht haften geblieben. Dass man ein solch hochkarätiges Turnier auch dazu nutzen, zweckentfremden kann, um Spielpraxis zu bekommen, so wie es laut Trainer Löw für Götze vorgesehen war, auf eine solche Idee muss man erst mal kommen, das muss man sich leisten können.

Özil mit einer Flanke

Özil, von Trainer Löw als der Kreativspieler der Mannschaft auserkoren, hatte seine beste Szene erst in der 92. Minute mit seinem Flankenlauf und der abschließenden Präzisionsflanke auf Schweinsteiger, die diesem den sensationellen Einstieg ermöglichte.
Müller vereinsamt zu häufig auf dem rechten Flügel und kann sich so mit dem Gedanken vertraut machen, dass er ohne entsprechende Unterstützung durch den eigenen rechten Verteidiger seine mögliche Torgefährlichkeit nicht wird unter Beweis stellen können. Draxler scheint der einzige zu sein, der auch mal bewusst den Zweikampf und sich da durchzusetzen sucht.

Die Schiedsrichter haben bislang sehr ordentliche Leistungen gebracht, was nicht zuletzt daran gelegen haben mag, dass wirklich nur die Besten ausgewählt wurden und nicht irgendwelche Proporzzahlen – wie bei der letzten Weltmeisterschaft – berücksichtigt werden mussten. Das in der Bundesliga sattsam bekannte spektakuläre Hinfallen nach an sich harmlosen Kontakten führt so gut wie gar nicht zu Freistößen, ein Segen! Angesichts der praktizierten Torlinientechnik bleibt der Sinn, die Aufgabenstellung für die beiden Torrichter unerfindlich.

Die schweren Krawalle durch einzelne Hooligan-Horden lassen ernsthaft bezweifeln, ob die französische Polizei wirklich in notwendigem Ausmaß vorbereitet gewesen ist.

Bildquelle: pixabay, CC0 Public Domain

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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