Die FDP am Wendepunkt oder im freien Fall?

FDP: Das Wasser steht bis zur Nase

Mit Westerwelle, Rösler und Niebel haben die Liberalen einen bislang nie erlebten Absturz eingeleitet. Und sie sind weiter im freien Fall, wie es die jüngsten Landtagswahlen gezeigt haben. Die noch verbliebenen Reste der FDP splittern sich indessen noch weiter auf und auseinander. Zudem gibt es Parteiaustritte von Mitgliedern, die einst auf der liberalen Schiene schnell Karriere machten und inzwischen im einstigen Netzwerk kaum noch werthaltigen Kontakt finden.

Mitleid, im Prinzip das Ärgste, was einer einst stolzen Partei nun entgegengebracht wird, ist noch hier und da zu registrieren. Doch die FDP liegt in Agonie darnieder. Der bis vor einem Jahr noch kräftige Eingang von Spenden aus der Wirtschaft ist fast vollends versiegt. Große Sprünge in der Öffentlichkeitsarbeit sind da nicht mehr zu machen.

Bis auf wenige Landtage, in denen es noch einige Liberale auf den harten Oppositionsbänken gibt, ist die FDP aus der Parteienlandschaft verschwunden. Und damit auch weitergehend aus den Medien! Rien ne va plus, der Partei der Liberalen steht das Wasser nicht mehr nur bis zum Hals, sondern bis zur Nase. Mit den letzten möglichen Atemzügen versuchen Christian Lindner und einige wenige verzweifelte Gefolgsleute eine Renaissance einzuleiten. Mit einem letzten Aufruf, der mehr wie ein Nachruf wirkt, kämpfen sie für ihre politische Heimat. Darin fordern sie, dass der „organisierte Liberalismus in Deutschland nicht untergehen darf.“

Die liberale Idee wird beschworen; dabei wird auf die historischen Wurzeln hingewiesen und „Neues Denken“ gefordert. Die Leitideen der längst verstorbenen Liberalen Werner Maihofer und Karl-Hermann Flach sollen „Wegweiser aus der Krise“ sein. Ob diese jedoch die Menschen im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zu einer zerbröselten FDP, der all überall das Sterbeglöckchen geläutet wird, faszinieren, ist mehr als zweifelhaft. Und ob sie mit dem im Anhang angefügten Dokument „Beitrag für die Beratungen der Leitlinien“ Anhänger der liberalen Idee mobilisieren kann, das scheint mehr „Pfeifen im dunklen Walde“ zu sein. „Die FDP hat keine Zukunft als AfD light“, so ist da zu vernehmen, aber wo und wie sie sich richtig positionieren will, das ist nun wahrlich aus ihren „Werten und Erkenntnissen der Aufklärung“ nicht zu entnehmen. Als Sterbehilfe mag das reichen, als Überlebensmittel gewiss nicht.

Aufruf für die Beratungen der Leitlinien (PDF)

 

 

Bildquelle: Freie Demokratische Partei (logo, 2013) von FDP-Bundespartei – http://www.fdp.de/Pressebilder/510b184/index.html, lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons – png

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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