Noch eine Utopie. Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt die Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten ab, auch wenn diese politisch verfolgt werden oder vor Krieg flüchten. Bildquelle: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

Flüchtlinge sind arm dran

Sie sind arm dran, die Flüchtlinge. Sie fliehen aus der Heimat, weil sie nichts haben, hungern, dursten, keine Arbeit. Oder weil sie bedroht sind von Terroristen,  die sie verfolgen und töten. Macht es einen Unterschied, ob es sich um politische Flüchtlinge handelt oder um Wirtschaftsflüchtlinge? Wie würden wir denn handeln, wenn unsere Kinder nichts zu essen hätten, kaum ein Dach über dem Kopf, keine medizinische Betreuung? Tod durch Verhungern oder Krankheit, weil es keinen Arzt und keine Medikamente gibt- ist das kein Grund, zu fliehen, irgendwo Schutz zu suchen? Auch und gerade im reichen und sicheren Deutschland? Die Menschen fliehen, um zu überleben, aber wir wollen noch mehr Zäune errichten, Mauern, fordern Polizeieinsätze, Grenzschutz, Überwachung, damit die Flüchtlinge rechtzeitig geschnappt werden und zurückgeschickt werden können.

Deutsche lehnen in ihrer Mehrheit die Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten ab. Zwei Drittel sind gegen Einwanderer aus Staaten wie Syrien, Libyen, Eritrea, um nur diese Beispiele zu nennen. So steht es in einer Umfrage.  Es stimmt ja, dass wir nicht alle Menschen, die auf der Flucht sind, aufnehmen können. Deshalb brauchen wir europäische Lösungen. Aber Hilfe müssen wir leisten. Wir können ihnen doch nicht einfach die Tür vor der Nase zuknallen und sie ihrem Elend überlassen. Haben wir vergessen, wie Deutschland nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg geholfen wurde? Obwohl es den Krieg vom Zaun gebrochen und weite Teile Europas verwüstet hatte. Millionen Menschen waren ums Leben gekommen. Millionen verloren ihre Heimat und flohen vor den russischen Truppen und fanden Unterkunft im so genannten Westen. Nicht immer geschah diese Hilfe freundlich, es gab viele Widerstände gegen die Aufnahme von Flüchtlingen.

Schleusern das Handwerk legen

Aber es gab einen großen Unterschied zu heute: Die Aufnahme der Flüchtlinge war politisch gewollt, alle Parteien waren dafür, den Menschen zu helfen. Und es gelang. Zugegeben, die Flüchtlinge waren in ihrer übergroßen Mehrheit Deutsche. Aber sollen wir Menschen abweisen, weil sie aus Afrika sind, Asien? Wir brauchen Lösungen der EU, die für alle Mitglieder gelten. Es darf nicht sein, dass das Mittelmeer weiter zu einem Meer des Todes wird, in dem Tausende und Abertausende absaufen, weil Schleuser damit Millionen verdienen.

Wir brauchen sichere, legale Wege, um diesen Menschenhändlern das elende Handwerk zu legen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass die EU-Botschaften in afrikanischen Ländern Asyl-Anträge  annehmen dürfen. Dazu muss gehören, dass die Menschen in den von Gewalt und Verfolgung bedrohten Staaten bessere Informationen erhalten. Es muss dem Geschäft mit Flüchtlingen ein Ende gemacht werden, für das die Menschen in ihrer Not teuer bezahlen, nicht selten doppelt und dreifach, weil sie es immer wieder versuchen und die Schlepper immer wieder daran verdienen. Die Flüchtlinge bezahlen oft genug nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihrem Leben.

Schicksal der Kosovaren

In diesen Tagen beschäftigt uns das Schicksal von Tausenden von Kosovaren, die nach Deutschland fliehen, weil sie nicht wissen, dass ihre Asylanträge mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt werden. Sie wissen es nicht und haben ihre ganze Hoffnung in diese Reise gelegt, sie haben ihr Hab und Gut versetzt, um Schleuser zu bezahlen und Grenzbeamte zu bestechen, damit sie sie passieren lassen über die Grenze. Und jetzt stehen sie, die ohnehin nicht mit Reichtümern gesegnet waren, mit leeren Händen da. Sie kehren zurück und sind ärmer dran als vorher. Das müssen wir abstellen. Die Politik muss dafür sorgen, dass die Menschen aus dem westlichen Balkan besser informiert werden, damit sie nicht in falsche Hände fallen.  Der legale Weg bleibt ihnen offen, wenn sie bedroht sind, aber der führt nicht über die Schleuser und er kostet auch keine horrenden Summen und er führt auch nicht über überfüllte Schiffe, die den Namen eigentlich gar nicht verdienen.

Europa gibt sich in Sonntagsreden gern als Wertegemeinschaft. Wenn die Europäische Union das ernst nehmen würde, wenn sie endlich Ernst machte und darunter humanitäre Hilfe verstünde, würde sich Europa nicht abschotten, sondern die Grenzen öffnen, damit Menschen überleben können. Darum geht es in erster Linie und nicht um Quoten.

 

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Flüchtlinge sind arm dran' hat einen Kommentar

  1. 19. April 2015 @ 11:32 Udo Dinsing

    Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe ! Als es darum ging ob die „H4-ler“ fünf Euro mehr erhalten sollen oder nicht, wurde ein Palaver verursacht bis zum Geht nicht mehr !
    Wochenlange Diskussionen waren im Spiel und dazu die Äußerung unserer verlogenen Regierung „wir müssen verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen“.
    Als wir aber Milliarden für Rettungsschirme und jetzt wieder Milkliarden für eine Flüchtlingsaufnahme aus dem Fenster ballern, höre ich von „Verantwortungsvoll mit Steuergelder“ nichts mehr. Diese Aussage trifft offensichtlich nur dann zu, wenn es um das eigene Volk geht.
    Dür andere wollen wir ja keine Nazis sein.

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