Für Götze wäre Vereinswechsel die beste Lösung

Der erste Spieltag der neuen, der 53. Fußballbundesliga-Saison ist gespielt, ohne sensationelle, aber doch mit einigen überraschenden Ergebnissen.

Mit dem 5:0-Sieg von Bayern München gegen den Hamburger SV, der sich in der Höhe sogar noch im Rahmen hielt, war natürlich gerechnet worden. Unerwartet waren die Siege von Köln in Stuttgart, von Ingolstadt in Mainz und von Hertha Berlin in Augsburg. Das Unentschieden von Darmstadt gegen Hannover 96 ist immerhin bemerkenswert. Ja, und dann der 3:0-Sieg von Schalke 04 in Bremen und der 4:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach. Beide Siege kamen nicht so richtig überraschend, in Erstaunen versetzte allerdings die beeindruckende Art und Weise, wie diese beiden Siege erreicht wurden.

Und so ist das Gesicht der Tabelle des 1. Spieltags fast schon so, wie wir es auch an den restlichen Spieltagen dieser Saison werden erwarten können. Auf Platz eins die Bayern, die sich mit Vidal und Costa weiter verstärkt haben und in ihrer Spielanlage noch variabler geworden sind. Auffällig, dass das Primärziel nicht mehr der größtmögliche Ballbesitz, sondern der unbedingte Drang zum Tor zu sein scheint. Mittelfeld und Sturm mit optimalen individuellen technischen Fähigkeiten und der unberechenbaren, variablen, begeisternden Spielweise – nicht mehr nur das eintönige Kurzpassspiel durch die Mitte – gehören zur absoluten Weltklasse. Dazu kommt, und das ist wegen der Vielzahl der zu erwartenden Spiele in den verschiedenen Wettbewerben nicht zu unterschätzen, die qualitätsmäßig kaum geschmälerte Doppelbesetzung der einzelnen Positionen. Da kann kein anderer Verein in der Bundesliga mithalten. Nebenbei gesagt: es ist ein Jammer, dass sich in diesen Konkurrenzkämpfen Mario Götze allein schon wegen zu geringer Spielpraxis nicht wird behaupten können. Ein Vereinswechsel wäre aus meiner Sicht die für ihn beste Lösung.

Wolfsburg und Leverkusen haben pflichtgemäße Arbeitssiege eingefahren und werden um die Champions League-Plätze streiten. Der Weg von Wolfsburg hängt ganz entscheidend von de Bruyne ab, wechselt er nun oder nicht; ein Weggang würde Wolfsburg erheblich schwächen und wäre nicht zu kompensieren, in spätestens zwei Wochen werden wir Bescheid wissen.

Borussia Mönchengladbach hat in Dortmund eine deftige, in der Höhe sicherlich unerwartete Niederlage eingefahren, wird sich aber bald wieder im oberen Tabellendrittel einfinden. Ich glaube aber nicht, dass sie in den Kampf um die Champions League-Plätze werden eingreifen können.

BVB erster Verfolger der Bayern

Borussia Dortmund hat den Wechsel vom lange Zeit unersetzbar geltenden Trainer Klopp zu Trainer Tuchel grandios geschafft. Wenn sich das, was die Dortmunder in ihrem ersten Spiel unter Tuchel gezeigt haben, stabilisiert, werden sie sich, ggf. neben Wolfsburg, als ein ernster Verfolger der Bayern etablieren.

Und Schalke 04 hat in seinem Spiel in Bremen eine mannschaftliche, spielfreudige Geschlossenheit an den Tag gelegt, wie man es fast seit Jahren nicht mehr erlebt hat. So ist auch die Champions League wieder in Reichweite.

Alles in allem, das Verfolgerfeld der Bayern hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Man wird den Bayern vielleicht einzelne Nadelstiche resp. Niederlagen beibringen, die Meisterschaft aber letztlich nicht streitig machen können.

Aufsteiger, Hamburg, Mainz und Absteiger

Am unteren Ende der Tabelle werden sich die beiden Aufsteiger wiederfinden, trotz der ersten Erfolge. Der jeweilige Spielerkader wird trotz aller Begeisterung und trotz aller mannschaftlicher Geschlossenheit (was denn auch sonst?) im Abstiegskampf nicht bestehen können, man frage in Paderborn nach. Der Hamburger SV wird das Spiel in München nicht zum Maßstab nehmen. Es wäre aber schon verwunderlich, wenn die Mannschaft mit dem Abstieg mal nichts zu tun bekäme. Das Gleiche kann man von Mainz 05 sagen.

Die Schiedsrichter haben einen ordentlichen bis guten Eindruck hinterlassen, trotz mancher üblichen Aufregung bei Trainern, deren Spieler zu Recht eine gelbrote oder rote Karte bekommen hatten. Erfreulich die durchweg konsequente Ahndung von gelbwürdigen Fouls. Schiri Dankert gab im Eröffnungsspiel die Richtung vor, übersah allerdings in der 49. Minute ein rüdes Foul des Hamburger Spahic, das Gelb und damit Gelbrot verlangt hätte.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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