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Fußball-WM in Russland 2018 – Ja doch

Diese Diskussion war zu erwarten, weil sie populistisch ist und den Stammtisch bedient. Gesteuert wird sie u.a. von der Boulevard-Presse.  Gegen Russland zu polemisieren, ist in, harte Sanktionen zu fordern das Mindeste. Russland und vor allem Putin müssen bestraft werden, sie sind die Bösen.  Und jetzt fordern einige Unions- wie Grünen-Politiker, man solle Moskau die Fußball-WM 2018 entziehen. Wegen der Einverleibung der Krim und wegen der vermuteten politischen Mitverantwortung des Kreml- Vorsicht, wir wissen immer noch nichts Genaues über den Hergang der Katastrophe- beim Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine mit rund 300 Menschen an Bord, die meisten sind Holländer.

Es steht außer Frage, dass der Abschuss der Maschine ein mörderischer Akt war und als solcher zu verurteilen ist. Es muss genau untersucht werden, wer denn die Schuldigen sind. Auch wenn es ein Versehen war und keine Absicht, irgendeiner muss ja auf den berühmten Knopf gedrückt haben. Ich kann ja manche Reaktion verstehen, manche Wut und Empörung von Angehörigen, deren Trauer über den Verlust ihrer Liebsten mehr als verständlich ist. Aber hier ist kühle Vernunft gefragt und nicht Rache.

Erst müssen alle Fragen geklärt werden. Dann sollten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen, vielleicht unter Leitung der UNO, und überlegen, was zu tun ist und vor allem, wie man solche Katastrophen künftig verhindern kann.  Das macht die Opfer auch nicht lebendig, ich weiß, aber einen anderen Weg kann ich mir nicht vorstellen.

Bei aller verständlichen Empörung: Was soll eine Verlegung der Fußball-WM in ein anderes Land, was soll diese Strafe für Russland uns bringen, was soll sie nutzen? Wem ist damit gedient, Michael Fuchs? Der gewiefte Unions-Politiker, Vertreter des Mittelstands, ist einer derjenigen, der gefordert hat, Moskau die WM wegzunehmen. Niemand weiß,  wie es in Russland in vier Jahren aussieht.  Und, Michael Fuchs: Gilt denn noch die alte Regel: Handel durch Wandel?

Jeder Boykott ist schädlich, er hilft nicht den Betroffenen, er baut keine Brücken, sondern er schürt den Streit. Haben wir schon vergessen, welch großer Fehler es war, die Olympischen Spiele in Moskau 1980 zu boykottieren? Den Schaden hatten die Sportler zu tragen. Immer, wenn die Politik nicht weiter weiß, soll der Sport aushelfen. Das ist keine Lösung.

Überhaupt dürfen wir Putin, gerade weil wir ihn heftig kritisieren, nicht aus der Verantwortung entlassen. Putin muss an den Verhandlungstisch wie alle anderen Betroffenen und Vertreter großer Nationen auch. Für Deutschland gilt im Besonderen, dass wir mit Russland seit Jahrzehnten viele Geschäfte machen, dass wir mit Russen viele Verbindungen haben, die wir nicht abreißen lassen dürfen. Gerade jetzt sind sie zu intensivieren.  Es gilt der alte Spruch, den Willy Brandt in solchen Momenten sagte: Solange geredet wird, wird nicht geschossen. Die Lage ist brisant genug, niemand solle Öl ins Feuer kippen.

Wer mit Moskau und Putin über die Lage in der Ukraine reden will oder gar über die Einverleibung der Krim, muss sich Fragen gefallen lassen, wie es denn um die Versprechen des Westens bestellt ist, die Nato werde nicht gen Osten ausgedehnt. Diese Garantieren wurden mit der Wende, mit dem Ende der DDR und der deutschen Einheit gegeben, es wurde öffentlich gemacht, dass die Nato nicht einen Fuß auf das Gebiet der einstigen Sowjetunion setzen werde. Schon vergessen? Die Russen fühlen sich eingekreist. Die Ukraine zum Teil der EU zu machen, quasi als Vorläufer einer späteren  Mitgliedschaft des Landes in der Nato, das muss den Kreml besorgt machen. Sage niemand im Westen, der Verantwortung trägt, dieses Szenario sei ihm fremd.

Nein, die Fußball-WM, dieses weltweite und beliebte Spektakel, muss in Russland bleiben. Die Chance, dass dadurch Türen geöffnet werden, dass sich manches zum Besseren wendet, dass Vertrauen Misstrauen verdrängt, diese Hoffnung besteht. Russland hat diese Chance bekommen und das große Land mit den vielen Fußball-Fans hat sie verdient. Hören wir auf mit dem Populismus! Er löst die Probleme nicht.

Bildquelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_2018

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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