Demonstration G20 Hamburg

G20 – Desaster für Hamburg, Merkel und Scholz

Unbeschreiblich und unverantwortlich, was Bundeskanzlerin Merkel, vor allem aber der provinziell großspurige Bürgermeister Olaf Scholz ungezählten Hamburgern und tausenden Polizisten mit dem G-20-Krawall-Gipfel in der Hansestadt angetan haben. Angela Merkel wollte mit dem Gipfel die Welt ein bisschen friedlicher machen und hat der Heimat Bürgerkriegsszenen beschert. Scholz hat in unbeschreiblicher Naivität das Stelldichein demokratischer aber eben auch despotischer und verhasster Politiker mit dem alljährlichen Hafengeburtstag verwechselt. Das unvergleichlich höhere Motivationspotential für kriminelle Chaoten hat er darüber genauso ignoriert wie die Warnungen seiner Polizei.

Dass Scholz – wie etwa auch Innenminister de Maizière – unmittelbar nach dem Gipfel trotzig in die Fernsehkamera sprach, man könne doch nicht Gewalttätern überlassen, wo so ein Treffen stattfinden dürfe, zeigt, dass diese Politiker den Unterschied von Recht haben und Rechthaberei nicht erkennen. Natürlich haben im Idealfall Politiker das Recht, den G-20-Gipfel auch in eine Stadt wie Hamburg zu holen. Aber die Welt ist nicht mehr ideal. Und so haben die Politiker eben nicht das Recht, es dermaßen auf Kosten ihrer Bürger und der Polizei darauf ankommen zu lassen.

Hamburg hat eine traurige Tradition als Reiseziel für gewalttätige Chaoten. Schon deshalb war die Entscheidung für Hamburg als Gipfel-Ort viel zu riskant und realitätsfremd. Da kann Scholz auch noch so oft von der Weltoffenheit seiner Stadt schwadronieren. Davon unabhängig ist vernünftig und pragmatisch, was die Berliner Genossen Martin Schulz und Sigmar Gabriel ihrem Hamburger Parteifreund Scholz ins Stammbuch geschrieben haben: Die Treffen der Staats- und Regierungschefs sollten künftig nicht mehr in Metropolen wie Hamburg stattfinden. Aufwand und Risiko für Auseinandersetzungen seien zu hoch. New York als Sitz der UNO biete sich an, drängt sich sogar auf, wenn man es auch nur mit ein wenig Vernunft bewertet.

Und dann dieses Konzert in der Elbphilharmonie – Das erinnerte in seiner Diskrepanz zwischen Illusion und Wirklichkeit an die letzten Tage der DDR; damals, als Erich Honecker in einem Festakt im Palast der Republik den Ostblock-Freunden zuprostete während draußen sein Arbeiter- und Bauernstaat unter dem Druck der Straße in die Brüche ging. Jetzt in Hamburg – da lauschten die Weltenlenker auf Einladung von Angela Merkel entrückt – und manche schlafend – Beethovens „Ode an die Freude“. Und draußen tobten Straßenschlachten, brannten Autos, wurden Geschäfte geplündert.

Der Gesamte Gipfel ein monströses Beispiel für die Entfernung und Entfremdung der Politik von den Bürgern. Das Konzert in der Elbphilharmonie der Superlativ dieser Entfremdung.

Hunderte von Millionen Euro, hunderte verletzte Polizisten, die einem in ihrer Überforderung leid tun mussten; und eine politische Abschlusserklärung des Stillstands – Krasses Missverhältnis von Aufwand und Ertrag dieses Gipfels.Und die kriminellen und gewaltbereiten Chaoten haben sich selbst bewiesen, dass sie viel schlimmer sein können als sie es bisher in Hamburg immer wieder gezeigt haben. Das könnte ihnen Lust auf Wiederholungen machen. Danke, Frau Merkel, Danke, Herr Scholz.

Bildquelle: Max PixelCC0

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'G20 – Desaster für Hamburg, Merkel und Scholz' hat 2 Kommentare

  1. 9. Juli 2017 @ 15:34 Rugai

    Also erstmal kann ich ihnen als gebürtiges Nordlicht schon mal versichern, dass die Senats-Pfeffersäcke in Hamburg, Bremen und anderswo schon immer einen Hang zur Hybris hatten und sich gerne so überteuerte wie nutzlose („Kultur“-)
    Denkmäler setzen (Elbphilharmonie, Columbus-Center in Brmerhaven, lassen wir mal S21 beiseite gehört ja nicht zur ehem. Hanse) und in erster Linie durch Arroganz und unfassbare Borniertheit auffallen. Dann radebrechen Sie über die armen Polizisten und stellen denen ausschliesslich gewaltbereite Chaoten gegenüber (die unseren hübschen Tand vom Grabbeltisch neoliberaler Weltmärkte kaputtmachen, oh Gott!). Das ist eine üble Verunglimpfung der Demonstrationen und Demonstranten an sich, die , sofern ohne gewalttätige Absicht, mehr Eier in der Hose haben, als die durch Chorpsgeist und Betriebsdrohnen-Mentalität dahindümpeklnden Polizeikräfte, die sich (wenn auch nur aus Frust wieder mal bei einer Krawalldemo eigesetzt zu werden) gerne auch anheizen liessen und nachweislich dazu beigetragen haben die Gewaltspirale hübsch hochzudrehen.
    Bis hin zur Verfolgung von, ja: Sogenannten Mainstreamjournalisten ! Muss da nicht selbst der hartnäckigste Verteidiger unseres westl. Wertesystems mit der Stirn runzeln ?
    Nun nachdem was man mittlerweile über den NDR weiß (Stichworte: Rundfunkrat, Tagesschau, die „Macht um Acht“, Programmbeschwerden) ist klar, dass ausschliesslich tendenziöse Berichterstattung mit entsprechendem „Wording“in den
    Äther geblasen wird. Schade, dass Sie sich damit gemein machen, oder ist man ab einem gewissen Alter in Ihren Kreisen einfach nur standardmäßig reaktionär und bleibt unbelehrbar ?

    Ihre laut ausgeschriebene Empörung über die Vorgänge zum G20 begrüße ich allerdings….

    Antworten

  2. 10. Juli 2017 @ 22:14 Elisabeth Lewe

    GEHT`S NOCH??
    Jetzt sollen Merkel und Scholz an den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Hamburg schuld sein? SIE sollen den Bürgern und Polizisten dies angetan -„beschert“- haben?
    Wo bitte bleibt die deutliche Verurteilung (und Verantwortung) jedes einzelnen dieser Gewalttäter? Gleichgültig, ob die Gewalt als politische Demonstration oder aber doch aus purer Lust an der Anarchie erfolgt ist?
    Was ist mit der Verantwortung der Sympathisanten, der Gaffer und Chaostouristen, die wegen des „Adrenalinkicks“ zusätzlich die Straßen bevölkerten und sich zum Teil sogar zum Mitmachen animiert fühlten?
    Und was ist vor allem mit denen, die schon Monate im Voraus die Aktionen planten, Gleichgesinnte zur Teilnahme animierten und logistischen sowie juristischen Beistand gaben und noch immer geben?
    SELBSTGERECHT und ÜBERHEBLICH und unverschämt ist es, jetzt dem Staat und seinen Institutionen bzw. einzelnen Amtsträgern die Verantwortung für einen „aus dem Ruder gelaufenen“ Kampf gegen ihn zuzuschreiben. Und mehr als zynisch, „gewisse Sympathien für solche Aktionen“ zu äußern, „aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen…“ wie der Rechtsanwalt(?) der „Roten Flora“, Andreas Beuth, es jüngst getan hat.
    Es ist höchste Zeit, die Ursachen für diese (und ähnliche) Ausschreitungen umfassend und tiefgreifend aufzuklären und die gewalttätigen Aktionen selbst (inkl. Anstiftung und Beihilfe) mit aller rechtstaatlichen Härte und Konsequenz zu ahnden sowie die Duldung gewaltbereiter „autonomer Zentren“ und auch sogenannter „No-go-Äreas“ zu beenden.
    Sonst besteht die Gefahr des langsamen Zerfalls unserer Gesellschaft.
    Für parteipolitische und/oder wahltaktische Scharmützel und Profilierungsspielchen ist die Sache viel zu ernst.
    (Und, RUGAI, dafür brauchen wir mehr Hirn im Kopf als „mehr Eier in der Hose“!!)

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