Fußball-EM

Götze oder Gomez? Müller

Bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich haben die beiden ersten Spiele der deutschen Mannschaft zwar vier Punkte eingebracht, aber das deutsche Publikum fußballerisch keineswegs überzeugen können. Bei allen unübersehbaren Kritikpunkten wird die Frage nach der richtigen Besetzung der Mittelstürmerposition am meisten und völlig kontrovers diskutiert. Dabei geht es weniger um eine taktische Ausrichtung des Mittelstürmers, also ob richtige oder falsche Neun, ob hängend oder in der Spitze, es dreht sich im Wesentlichen um die personelle Grundsatzentscheidung: Götze oder Gomez.

Da beide völlig verschiedene Spielertypen sind, ist mit der Festlegung auf einen von beiden aber auch automatisch eine bestimmte Spielweise zumindest im so genannten letzten Drittel, also im oder vor dem gegnerischen Strafraum verbunden. Götze ist der kleine, quirlige, technisch höchst versierte Fußballer, der das Kurzpassspiel auf engem Raum bevorzugt. Er entspricht mit dieser Spielauffassung ziemlich exakt den Vorstellungen von Bundestrainer Löw. Es verwundert daher nicht, dass Götze in beiden Spielen der Vorzug gegeben wurde, allerdings mit mäßigem bis enttäuschendem Erfolg, was nicht zuletzt auch zurückzuführen ist auf seine zu geringe Spielpraxis im abgelaufenen Fußballjahr. Das macht sich umso mehr bemerkbar, als die gegnerischen Mannschaften ihr Hauptaugenmerk auf die massierte Verteidigung mit zwei dichten Abwehrketten zu legen pflegen; das ist aber nicht neu, das weiß man von den Qualifikationsspielen.

Schnelles Spiel über die Flügel

Gomez ist allein von der Figur her, aber auch gemessen an den technischen Fertigkeiten ein ganz anderer Spielertyp: groß, kopfballstark, mit Drang zum Tor, auf Flanken angewiesen. Er provoziert geradezu das taktische Mittel, einen dichten Abwehrriegel durch schnelles Spiel über den Flügel aufzureißen.

Der Einsatz von Götze oder Gomez als Mittelstürmer hat in jedem Fall den misslichen Nebeneffekt, dass der ausgewiesenermaßen torgefährliche Müller neutralisiert wird, wie es in den beiden Spielen so schmerzvoll zu erkennen war. Er verhungert auf dem meistens rechten Flügel, und wenn er mal in die Mitte wechselt, fehlen die erforderlichen Flanken. Höwedes als rechter Verteidiger ist da überfordert.

Kimmich als rechter Verteidiger

Meines Erachtens nach gibt es nur eine Lösung, um die geschilderten Nachteile zu vermeiden und die Vorteile zu nutzen: Müller muss als Mittelstürmer nominiert werden, mit allen Freiheiten versehen, und über Rechts kommen Kimmich als neuer rechter Verteidiger oder Götze als offensiver „Sechser“.

Nebenbei gesagt, unverständlich ist, dass sich die Ausführung von Standards (Freistöße, Eckbälle) auch bei diesem Turnier wieder als absolute Schwäche der deutschen Mannschaft herausstellt. Auch das ist doch ein probates taktisches Mittel gegen massierte Abwehrreihen, das man einfach nur einüben muss.

Bildquelle: Bildquelle: pixabay, CC0 Public Domain

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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