Haltet doch mal den Ball flach!

Es musste ja so kommen. Der Beifall der Medien und der Sitten-Kontrolleure über das tolle Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien konnte nicht lange anhalten. Es wirkte ja ohnehin schon wie ein Wunder, dass man sich einig war über die deutschen Kicker, die fair gespielt hatten, vorbildlich waren, selbstbewusst, ohne überheblich zu sein, entgegenkommend, rücksichtsvoll. So sehen nicht nur Sieger aus, sondern auch Werber für Deutschland.

Jetzt aber haben sie wieder etwas gefunden, um den Fußballern auf die Füße zu steigen. Weil Lahm, Neuer, Schweinsteiger und all die anderen Weltmeister bei den Feierlichkeiten in Berlin ein paar Lieder sangen und sich dabei über die Argentinier, also die Gauchos lustig machten,  ist nun wieder von schlechtem Benehmen die Rede. Wie lautete die Zeile der Hobby-Sänger: „Wie gehen die Gauchos, die Gauchos, die gehen so“ und dazu schlichen Mertesacker und Co gebückt über die Bühne vor dem Brandenburger Tor. Um anschließend den Gang der Deutschen zu feiern: „Wie gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so“, aufrecht, eben wie Sieger. Was daran ist falsch? Es ist ein Stück Humor, es sah überhaupt nicht arrogant aus, man schickte im Grunde einen lustigen Vers Richtung Südamerika. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich hätte verstanden, wenn sie ein paar Bemerkungen nach Buenos Aires gesandt hätten, weil einiger der argentinischen Spieler während des Endspiels den deutschen Gegnern ganz schön auf die Knochen und in die Hacken getreten hatten. Fragen Sie mal Schweinsteiger, der alle Kräfte mobilisieren musste, um bis zum Abpfiff des schlecht und ziemlich einseitig zu Gunsten der Argentinier pfeifenden italienischen Schiedsrichters zu spielen. Der sagte kein Wort und war nur glücklich über den Gewinn des vierten Sterns. Oh ja, wir wollen immer so schön politisch korrekt sein! Und suchen mit Gewalt ein Haar in der Suppe. Wenn wir nur immer solche Kicker hätten in Deutschland, Männer von Format, wahre Repräsentanten der Republik, Trainer und Betreuer mit Stil. Die Kritiker sollten die Luft an- und den Ball flachhalten. Ihr Einwand ist geradezu lächerlich und kleinkariert.

 

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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