Arbeitslosigkeit

Jugendarbeitslosigkeit ist eine europäische Tragödie

4,2 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren sind in der EU arbeitslos. Eine schreckliche Nachricht, die die Statistikbehörde Eurostat gerade veröffentlicht hat, eine Zahl, die alle Menschen, die im europäischen Raum leben und Verantwortung haben, alarmieren muss. Und zwar nicht nur Politiker, sondern auch Arbeitgeber, die ihrem Namen Unternehmer gerecht werden und bereit sind, mehr zu unternehmen, damit dieses Problem gelöst wird.

Allein in Griechenland ist mehr als jeder 2. Jugendliche ohne Job, in Spanien liegt diese Quote bei fast 44 Prozent und Italien rangiert mit 39,2 Prozent an dritter Stelle dieser Tabelle der Verlierer. Es mag ein Trost sein, dass Deutschland mit einer Quote von 7,2 Prozent fast am Ende dieser Tabelle steht, also damit hinter Island an der Spitze liegt. Aber es kann nur ein Trost sein, denn jeder Arbeitslose Im Jugendlichen Alter ist einer zuviel.

Wie wollen wir jugendlichen Menschen ein Europa schmackhaft machen, in dem 18,8 Prozent von ihnen ohne Arbeit sind, im Durchschnitt? Wundern wir uns angesichts dieser Entwicklung über das Desinteresse an der Politik? Warum gehen immer weniger zur Wahl? Warum fehlt jede Begeisterung für Europa? Immerhin gibt es hier seit über 70 Jahren keinen Krieg.

Wir brauchen mehr Europa. Diese Forderung gehört zu den täglichen Floskeln von Politikern und Unternehmern. Aber es reicht nicht nur zu reden und Geld bereit zu stellen, sich aber dann nicht weiter um die Jugend zu kümmern. Sonst empfinden Jugendliche solche Sätze als Hohn. Sie suchen eine Perspektive für ihr Leben, mit der Stütze können sie überleben, aber nicht ihr Leben gestalten, eine Familie gründen, ein Haus bauen.
Europa muss ein Hort der Sicherheit und des Wohlstands sein und zwar für alle, auch für Millionen auf der Flucht, die ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben in Europa sehen.

Milliarden Euro stehen für Job-Programme bereit, die Rede ist von 12,7 Milliarden bis 2020, bisher wurden nur 4,7 Milliarden abgerufen. Wer die Zahlen nicht glaubt, er kann sie abrufen oder in der Süddeutschen Zeitung nachlesen. Aber erklären können sie das Jugendlichen nicht. Sie brauchen jetzt Hilfe, sofort, damit ihr Leben einen Sinn bekommt und sie nicht auf der Strasse landen.

Warum ist es nicht möglich, unser erfolgreiches duales System europaweit anzuwenden? Ich weiß, man kann nicht alles überall übertragen, aber dieses System mit theoretischen und praktischen Inhalten ist ein Hit, mit deren Hilfe es nach der Lehre leichter ist, in den Job einzusteigen.

Wir wissen, dass Jugendliche ohne Schulabschluss kaum Chancen auf eine ordentliche Ausbildung haben? Wir wissen ferner, dass Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung schneller Gefahr laufen, arbeitslos zu werden oder gar es zu bleiben. Die Frage ist: Tun wir wirklich alles, um ihnen zu helfen? Brauchen wir bessere Lehrer, kleinere Klassen, Ausbilder, die auf solche Jugendlichen eingehen und sie mitnehmen, damit sie nicht zurückbleiben und irgendwo abhängen? Begriffe wie „ausbildungsunfähig“ oder beruflich „nicht vermittelbar“ sollten wir streichen. Jeder Jugendliche braucht eine, wenn nötig auch eine 2. Chance, damit er dem Staat und der Gesellschaft nicht verloren geht.
4,2 Millionen Jugendliche in der EU ohne Arbeit, das ist eine europäische Tragödie. In dieser Frage liegt die Zukunft Europas. Geht nicht, gibt es nicht. Krempeln wir die Ärmel hoch und überlassen die Jugendlichen nicht rechtsradikalen Parteien, die außer Sprüchen nichts zu bieten haben.

Bildquelle: pixabay, user geralt, CC0 Public Domain

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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