Lichterkette

Lichterkette München: 25 Jahre Einsatz gegen Menschenhass 

Heute vor fünfundzwanzig Jahren fand in München die erste Lichterkette statt.  Die Stimmung in der Bundesrepublik war fremdenfeindlich aufgeladen. In Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen applaudierten Anwohner, als Rechtsextreme gegen Unterkünfte für Geflüchtete und ehemalige DDR-Vertragsarbeiter wüteten. In Mölln starben zwei Mädchen und ihre Großmutter bei einem rechten Anschlag.

Ob die Polizei nicht ausreichend handeln konnte oder wollte, ist umstritten. Fest steht, dass diese Ereignisse von der Politik instrumentalisiert wurden, um eine Verschärfung des Asylrechts zu erreichen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus als Beweggründe wurden kaum benannt.

 In diesem Klima der Menschenverachtung regte eine Gruppe aus vier Privatpersonen, darunter Giovanni di Lorenzo, heute Chefredakteur der Zeit und Mitherausgeber des Tagesspiegels, die Lichterkette an. Hunderttausend Teilnehmende waren angemeldet, es kamen vier mal so viele, Menschen aus der sogenannten stillen Mitte. Der Nahverkehr war lahmgelegt. Dieses Innehalten der Landeshauptstadt, unterstrichen durch die vielen tausend Lichter, die die Straßen säumten, verlieh der Aktion besondere Symbolkraft.

Aus der einmaligen Demonstration entstand der „Lichterkette e.V.“, der mittlerweile eher mit Taten als mit Symbolen arbeitet. Mit Harriet Austen als Geschäftsführerin und einzigem hauptamtlichen Mitglied betreut der Verein Projekte und Aktionen, die sich gegen Intoleranz und für ein friedliches Miteinander einsetzen und vergibt den Preis „Lichtblicke“ zum selben Zweck. Besonders seit der Flüchtlingskrise 2015 und in Anbetracht der steigenden Statistiken über rechte Gewalt ist das Anliegen des Vereins aktueller denn je, wie auch Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Stadt München, in seiner Stellungnahme zu fünfundzwanzig Jahren Lichterkette betont.

Die Jubiläumsfeier findet am 22. Januar 2018 im Literaturhaus Münchens am Salvatorplatz 1 statt.

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Stammt aus Deutschland und Italien, hat 2017 ihr Abitur abgeschlossen und leistet ihren Freiwilligendienst an einem deutschen NS-Dokumentationszentrum.


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