Mach Dir gute Gedanken!

Wir sollten unseren angeschlagenen Gedanken gesundes Futter geben. Zum Beispiel so:
„Jeder Tag ist ein kleines Leben. Jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt.
Jeder frische Morgen eine kleine Jugend und jedes zu Bett gehen und einschlafen ein kleiner Tod.“

Auch Höflichkeit steht uns gut. Sie ist zwar wie ein Luftkissen, es mag nichts drin sein, aber sie mildert die Stöße des Lebens. Manchmal fragen wir uns doch alle: wie viele Abgründe hält die Wirklichkeit noch für uns bereit? Und anstatt in seiner schlichten Hirnlandschaft in seinen Gewohnheiten vor sich hin zu dümpeln, gar zu resignieren, hilft immer ein Placebo. Sie wissen ja, das ist die positive Selbstsuggestion, also das, was Sie selbst bestimmen können, welches Gedankentheater sich in Ihrem Kopf abspielen soll. Sie besetzten selbst das Ensemble ihrer Gedanken. Sie selbst dirigieren und führen Regie in ihrem eigenen Gehirn-Orchester. Sie machen ihre Komposition und ihre Stücke für den Rest ihres Lebens und humpeln nicht nur wie ein pawlowscher Hund nur noch dem Zeitgeist hinterher.

Heute denken wir mal weniger an unsere Renten und Versicherungen. Gehen sie raus vor die Türe und hauen Sie ihrer Angst ganz einfach mal in die Fresse. Sie können es dann so machen wie ich: Ich bin immer an die Grenze gegangen. Ich will das Risiko eingehen, mir den Kopf an der Decke meines Talentes zu stoßen. Ich will nicht scheitern. Aber ich will das Scheitern jedes Mal riskieren. Sie verstehen mich…

Da die meisten Leute, die mit Ihnen sprechen, immer nur im Interesse ihrer Selbsterhöhung und Eitelkeiten reden und reden, hören sie einfach nur noch wenigen zu. Eines wissen Sie ja schon: Hohe Erwartungen und hohe Ansprüche sind sinnentleerte Glücksvorstellungen.

Also weniger erzwingen, weniger kontrollieren, weniger geliebt werden wollen, stattdessen mit Ihren neugewonnenen Placebogedanken das große Programm der fröhlichen Gelassenheit einläuten. Oder wollen Sie weiter in ihrem Alltag wie Robert de Niro in dem Film „Taxidriver“ vor dem Spiegel stehen und sich selbst anschreien: „Redest du mit mir? Was für eine zynischer und verbitterter Typ lacht mich da vom Spiegel aus an? Liebt mich denn keiner? Sieht denn keiner, dass es mich gibt? Wenn ich keine Anerkennung bekomme, ändere ich meine Strategie und besorge mir 400 Kugeln für meine Smith and Wesson. Ich werde danach trachten, Hass und Verachtung zu erzeugen.“

Also: Ob Sie sich in der nächsten Zeit der Homöopathie, der Psychotherapie, der Schulmedizin, der veganen Esserei, Ihrer Kündigung, Ihrer Scheidung, oder Ihrer neuen Liebe hingeben, lassen Sie den Placeboeffekt der guten Gedanken immer wacker mitlaufen. Schenken Sie sich einfach gute Gedanken. Denken Sie sich mit ihren Gedanken einfach mal zufrieden. Sie hätten in der Lebenslotterie noch ein weit schlechteres Los ziehen können.
Wenn es nun in ihrem Innern läutet, die Glocken oder das Telefon, gehen Sie ran. Es sind Ihre guten Gedanken, mit denen Sie sich immer zum Abendessen verabreden können, mit denen Sie sich immer reparieren können. Gute Gedanken bedeuten einen guten Tag, einen guten Schlaf, eine geglückte Temperatur. Diese Art der Reparatur durch gute Gedanken wird Sie immer stärken. Egal wo auch immer Sie sich aufhalten. Und sagen Sie ruhig dem unangenehmen Teil ihrer Umwelt: Bitte, beschmutzt mit Euren miesen Gedanken nicht meine Person.

Ich weiß natürlich auch, wenn man älter wird, fällt einem auf, wie viel man falsch gemacht hat, man sieht nur noch die vielen Fehler, man mag sich selbst immer weniger. Man zweifelt an sich, der Welt, an allem. Bei solchen dunklen Wolken im Kopf mein Rat: Entscheiden Sie sich für eine italienische Traurigkeit und nicht für eine robuste deutsche Depression. Es wird ihnen dann schon langsam besser gehen.

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Gerald Uhlig-Romero

Gerald Uhlig-Romero, Künstler, Autor, Unternehmer hat mit seinen Kunstwerken Formate geschaffen, die im öffentlichen Diskurs Erfahrungshorizonte erweitern und Impulse geben. Für diese Formate hat er geeignete Bühnen geschaffen und eine eigene Marke kreiert: Das bekannte Berliner Café Einstein Unter den Linden, mit dazugehöriger Galerie und Salon. Es ist ein „begehbares Kunstwerk“, ein Treffpunkt für Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur. In der Galerie im Einstein haben internationale Künstler wie Helmut Newton, Wim Wenders, Dennis Hopper oder Oscar-Preisträger Joel Grey ausgestellt. Der gebürtige Heidelberger hat als Regisseur und Schauspieler an zahlreichen deutschsprachigen Theatern gearbeitet, u. a. an der Freien Volksbühne Berlin. Er hat 50 Bühnenstücke verfasst.


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