Martin Winterkorn, Bildrechte: Volkswagen

Man schüttelt nur noch mit dem Kopf – Luxus-Betriebsrente für Ex-VW-Boss Winterkorn

Man stumpft ja ab über die Jahre. Ein Skandal hier, einer da. Das Übliche. Aber diese Bild-Meldung vor zwei Tagen löste nicht nur bei mir Kopfschütteln aus: Da hatte das Boulevard-Blatt gemeldet, der ehemalige VW-Vorstandschef Martin Winterkorn beziehe eine Betriebsrente in Höhe von 93000 Euro- aber nicht im Jahr, sondern im Monat. Auf den Tag heruntergerechnet waren es nur noch 3100 Euro. Ein zynischer Witz. Weder der Konzern noch Winterkorn wollten sich zu der Meldung äußern. Also wird sie stimmen.

Man fasst sich an den Kopf. Winterkorn war lange Jahre Chef von Europas größtem Autokonzern. Als sehr erfolgreich wurde seine Amtszeit gepriesen, was auch von dieser Seite gar nicht bestritten werden soll. Dafür wurde der Mann ja auch fürstlich belohnt-wenn die Bezeichnung ausreichend ist. Millionen Euro kassierte der Mann im Jahr, viele Millionen, die man gar nicht mehr vergleichen kann mit anderen Gehältern. Er war der Spitzenmann in Deutschland, zumindest was das Gehalt betrifft. Aber, wie heißt es immer, der Mann trägt ja auch eine große Verantwortung. Stimmt.

Wo blieb die Verantwortung für Diesel-Gate?

Aber wie verträgt sich das dann mit der Diesel-Abgas-Affäre, damit, dass bei VW beim Einbau des Diesel geschummelt wurde, um die Umweltwerte herunterzudrücken. Winterkorn verließ VW, bis heute ist nicht geklärt, wer für diesen Skandal verantwortlich ist. Normalerweise sollte die Verantwortung ganz oben beginnen und nicht beim Pförtner oder irgendeinem Schrauber auf dem VW-Band. In den USA muss VW für den Skandal Milliarden an Entschädigung zahlen, in Europa und vor allem in Deutschland kommt der Konzern ungeschoren davon. Ob das richtig oder besser rechtens ist, lass ich mal dahingestellt.

Aber dass der oberste aller VW-Mitarbeiter von damals heute diese atemberaubende Betriebsrente bezieht, auch wenn dies vertraglich geregelt ist, löst nur noch Empörung aus. Wenn Winterkorn für seine Tätigkeit als Vorstandschef schon viele Millionen Euro im Jahr bezog, wo blieb die Verantwortung des Chefs für den Diesel-Skandal, der den Konzern Milliarden Euro kostet? Kann mir irgendeiner sagen, warum Winterkorn 93000 Euro an Betriebsrente bezieht? Boni bekam er übrigens auch noch. Hier wird mal wieder ohne jedes Fingerspitzengefühlt gehandelt. Niemand denkt darüber nach, wie so etwas draußen wirkt bei den Millionen Menschen, die täglich zur Arbeit gehen und sich sorgen, ob sie morgen noch einen Job haben. Oder bei denen, die arbeitslos sind, weil sie ihre Arbeit verloren haben, weil ihnen gekündigt worden ist. Und wehe, wenn diese einfachen Angestellten einen Fehler machen, oder einen Joghurt mitnehmen, auch wenn der abgelaufen ist. Dann ist Schluss mit lustig, dann stehen sie auf der Straße.

Man fragt sich ja oft, warum Leute aus der Mittelschicht wütend auf die da oben sind? Antworten könnte man hier finden. Weil es eben kein Einzelfall ist. Man bedient sich, wenn man an der Kasse sitzt.

US-Vergleich: 180 Millionen Dollar Abfindung für Exxon-Chef

Kleiner Vergleich aus den USA gefällig: Der langjährigen Exxon-Chef Rex Tillerson, nominierter Außenminister des künftigen US-Präsidenten Trump, bekommt eine Abfindung in Höhe von 180 Millionen Dollar. Weil er ja aus dem Amt scheidet. Begründung: Um Interessenkonflikte zu vermeiden, wurden alle finanziellen Verbindungen gekappt. Ach so. Mit dem Namen Exxon-Mobil ist die schlimmste Öl-Katastrophe in der US-Geschichte verbunden. Am 24. März 1989 wurden durch das Tanker-Unglück der Exxon-Valdez 2400 Kilometer der Küste Alaskas verseucht, weil 42000 Tonnen Rohöl in den Prince-William-Sund ausliefen. 25000 Seevögel und Tausende weitere Tiere verendeten in dem Öl-Wasser-Schlamm. Exxon hat bisher für diese Katastrophe rund 3,4 Milliarden Dollar für Säuberungsaktionen, Schadensersatz und Geldbußen zahlen müssen. Gemessen daran wirkt die Abfindung für den künftigen Außenminister eher bescheiden.

Es lebe der Kapitalismus!

Bildquelle: Wikipedia, Volkswagen, CC BY 3.0

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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