Meine Tochter Anne Frank – Dokudrama ARD 18. Februar 2015

Anne Frank ist 70 Jahre tot und es hat in Deutschland keinen Fernsehfilm über sie gegeben. Bisher. In Amerika und in England sind Filme über diese junge Frau gemacht worden, deren Tagebuch zu den meist gelesenen Büchern auf der Welt gehört. Nun gibt es aber einen Film über die Anfang März 1944 im KZ Bergen – Belsen Verstorbene. Und was das für ein Film ist! Die deutsche ARD hat sich entschlossen, ihn heute Abend um 20.15 h – zur Prime Time – auszustrahlen. Das völlig zu recht. Der Regisseur Raymond Ley hat ein Dokudrama geschaffen, das ebenso einfühlsam und klug, geradezu filigran ist. Mit hinreißenden Schauspielern. Zwei müssen hervorgehoben werden: Mala Emde ist die Anne Frank. Götz Schubert der Vater Otto Frank.

Das Drehbuch von Raymond Ley und seiner Frau Hannah erzählt die Geschichte aus der Perspektive des Vaters. Er ist der Einzige, der das KZ überlebt. Er kommt nach Amsterdam zurück, sucht seine frühere Sekretärin Miep Gies auf. Er erfährt, dass seine beiden Töchter in Bergen – Belsen gestorben sind. Map Gies gibt ihm Annes Aufzeichnungen und Tagebücher. Otto Frank liest und liest, lernt seine Tochter ganz anders, vielleicht neu kennen. Sie führen ihn und den Zuschauer zurück in jene zwei Jahre, in denen sich die acht Menschen in der Amsterdamer Prinsengracht in einem Hinterhaus versteckt hatten: 761 Tage.

Bis sie denunziert, verhaftet und verschleppt, ermordet wurden. Anne Frank und ihre Schwester Margot sterben an Typhus wenige Wochen, bevor das KZ befreit wurde. Raymond Ley und seinen Schauspielern ist ein sehr zärtlicher, behutsamer Film gelungen. Aber er ist an manchen Stellen eben auch heiter und das hängt damit zusammen, dass er aus der Sicht der Tagebuchschreiberin erzählt wird. Die ist zu jener Zeit 14 Jahre alt, will Schriftstellerin werden und unvergessen bleiben. Mala Emde, selbst erst 18 Jahre alt, verleiht der Anne Frank Film eine Art Zauber. Dann Götz Schubert, Vater, Kopf der Familie, Anführer im Versteck. Um den Ausgleich bei Konflikten bemüht, selbst beherrscht.

Er liebt seine Tochter. Wie sehr spürt er nach deren Tod während der Lektüre ihrer Tagebücher 1945 in Amsterdam. Er ist überwältigt. Bricht fast zusammen.

Und der Zuschauer ist auch überwältigt. Fassungslos. Dazu tragen auch die alten, großartigen Zeitzeugen bei, wie die damalige Schulfreundin von Anne, die sie ein letztes Mal am KZ – Zaun sieht. Erst da, ganz spät im Film, sind einige, wenige KZ – Bilder sehen: Frauenleichen werden in ein Erdloch geworfen. Dann ist der Film vorbei. Was erleichtert aber auch schade ist.

Noch eine Nachbemerkung: Er soll im Frühjahr als Filmversion in die Kinos kommen. Die kann kaum besser werden als dieses Dokudrama. Auch wenn Hans Steinbichler, der Regisseur Martin Gedeck und Ulrich Noethen als Eltern der Anne Frank zur Verfügung hat.

Sendetermin: 18.Februar 2015, ARD 20.15.

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Der Fernseh- und Radiojournalist arbeitete als Kulturredakteur und später als ARD Korrespondent in Washington und Mexiko. Seit 2002 ist Hafkemeyer Professor an der Berliner Universität der Künste.


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