Angela Merkel und die Autobosse

Nach dem Diesel-Skandal jetzt der Diesel-Gipfel-Skandal

Unfassbar !!! Dass Politik und Autobosse es tatsächlich gewagt haben, der Bevölkerung dieses Ergebnis des sogenannten „Dieselgipfels“ zu präsentieren: Nachrüstung der Stickoxid-Schleudern nur per Software-Update. Dabei sind sich die unabhängigen Experten und sogar der Auto-Lobby-Verein ADAC seit langem darin einig: diese Billig-Variante bringt nicht genügend, um die jahrelange Trickserei der industriellen Bosse und Betrüger aus den Chefetagen deutscher Autofabriken wenigstens für die Zukunft zu egalisieren. Die Schätzungen, wie viel Schadstoff-Minderung das bringt, schwanken zwischen zwei und zehn Prozent.

Dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt(CSU) mit diesem Ergebnis zufrieden ist, kann nicht verwundern, scheint er seinen Amtseid doch klammheimlich umformuliert zu haben: Für ihn gilt offensichtlich schon lange nicht mehr, „Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden“, sondern „Schaden von VW, Audi, Mercedes und den anderen abzuwenden“. Wenn aber Ministerpräsident Winfried Kretschmann(Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Daimler-Ländle Baden-Württemberg erst einmal in die Fernsehkameras Genugtuung säuselte, lässt das nur den Schluss zu, dass die Grünen neben vielen anderen Kompetenzen nun auch ihre Kernkompetenz, den Umweltschutz, verloren haben. Gründe, sie noch zu wählen, lassen sich also nicht mehr finden. Dass Kretschmann später per Zeitungsinterview nachreichte, das Ergebnis des Dieselgipfels werde nicht reichen, es müssten weitere Schritte folgen, ist bloße Augenwischerei. Er hätte, wenn er es ernst meint, das Ergebnis des Diesel-Gipfels nicht mittragen dürfen.

Unglaublich die Frechheit der Autobosse, vor allem von VW-Chef Matthias Müller. Hardware-Nachrüstungen seiner giftigen Diesel-Golfs, Passats und der anderen Dreckschleudern schließt er einfach mal so aus, unter anderem, weil ihm der Aufwand zu hoch ist. Volkswagen ist wie keine andere deutsche Automarke das Synonym für organisierten Diesel-Betrug. Es ist unstreitig, dass die überhöhten Stickoxid-Emissionen aus den Diesel-PKW Jahr für Jahr zigtausend Tote fordern. (Zwischenfrage: Wann endlich kommt ein wirkmächtiger Umweltverband und klagt die Autobosse vor einem deutschen Gericht wegen dieser Toten an ?) Und da verwahrt sich der Herr Müller mit unüberhörbarer Arroganz dagegen, dass unsere wackere Umweltministerin Barbara Hendricks(SPD)den deutschen Autoherstellern wenigstens „unternehmerisches Versagen“ vorwirft. Als sei das nicht eine geradezu milde Bezeichnung für das, was denen anzulasten ist.

Bildquelle: Wikipedia,  Rudolf Simon, CC BY-SA 3.0

 

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'Nach dem Diesel-Skandal jetzt der Diesel-Gipfel-Skandal' hat 2 Kommentare

  1. 3. August 2017 @ 10:37 Peter Neitzel

    Zu diesem Thema habe ich einige Gedanken die in ganz unterschiedliche Richtungen gehen:
    1. Wenn ich einen betroffenen Diesel-PKW hätte würde ich zunächst einmal eine Strafanzeige gegen den Hersteller stellen, denn man hat mir wissentlich ein Produkt verkauft welches eine zugesicherte Eigenschaft nicht erfüllt. Das ist Betrug. Mit einer großen Welle von Strafanzeigen gegen die PKW-Hersteller würde wohl auch die Politik endlich aufwachen.
    2. Das so etwas passieren kann liegt ursächlich darin, dass unsere Politiker schlechte Gesetze machen. Das ist nicht erst mit dem Dieselskandal so. Gesetze werden durch „clevere“ Juristen wörtlich ausgelegt (und vorab schon beeinflusst) und so verdreht interpretiert dass der eigentliche Sinn der Gesetze verloren geht. Es wird Zeit die grundsätzliche Idee der Gesetzgebung zu verändern. Der Kern eines Gesetzes muss der Sinn und Zweck sein, den es erfüllen soll. Unabhängig von der eigentlichen wörtlichen Formulierung (die immer interpretierbar ist) ist jegliche Handlung die dem Sinn des Gesetzes widerspricht dann gesetzwidrig.

    3. Im Endeffekt hilft es aber nicht wirklich immer nur über Politiker und Wirtschaft zu klagen. Um der Abgasproblematik Herr zu werden bedarf es eines Umdenkens und einer Verhaltensänderung in der Bevölkerung. Die meisten Abgase werden von Autos aller Art, nicht nur Diesel-PKW bei Kurzstreckenfahrten mit kaltem Motor produziert. Viele dieser Strecken (z.B. bis 4 km) lassen sich problemlos mit dem Fahrrad zurücklegen. Ein massenhaftes Umschwenken auf Fahrradmobilität hätte gleich mehrere Vorteile: weniger Abgase, weniger Parkplatzprobleme (und damit gleichzeitig mehr Platz für Fahrräder), Gesundheitsförderung durch Bewegung. Es Bedarf dazu allerdings einiger mutiger Politiker die sich trauen die Bevölkerung zu verändern . . .

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  2. 3. August 2017 @ 13:48 Werner Rohrbach

    Was ist ein Politiker heute noch? Möglichst hoch hinaus, sich selbst die Taschen füllen, mit Pensionen die jeder Arbeiter mit 100 Jahren Arbeit nicht erreicht, dazu Diäten und sonstigen Zusatzversorgungen. Nur die deutschen Deppen oder besser Schlafmützen lassen das über sich ergehen. Einmal gewählt wird alles umgedreht: „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“!!!

    Im September ist Wahl und keiner geht hin!!

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