Charlie Hebdo
Verlagsgebäude von Charlie Hebdo kurz nach dem Terroranschlag vom 7. Januar 2015.

Nach Paris Haltung zeigen und Pegida widerlegen

Was wäre wenn, wenn ein ähnlicher Anschlag in Deutschland passieren würde, wie jetzt in Paris? Schon jetzt empfindet  jeder zweite Deutsche (57 Prozent), den Islam als Bedrohung. Ein Gefühl, das sich vermutlich mit jedem Anschlag noch verstärken dürfte, in welchem Winkel der Welt außerhalb Deutschlands er auch passieren würde und unsere Medien erreicht. Besser sich ein „was, wäre wenn“ nicht auszumalen und zu hoffen, dass kein Einwanderer es auszubaden hätte, was dann als Rachereflex denkbar wäre.  So wie wir es leidvoll bei der Mordserie von NSU erfahren mussten.

Es ist also Zeit, verstärkt darauf hinzuwirken, dass Einwanderung nicht als Gnadenerweis empfunden wird, im Gegenteil, dass sie geradezu notwendige Voraussetzung dafür ist, wegen zurückgehender Fertilität der Mehrheitsgesellschaft, einen Ausgleich für wachsende Kinderarmut unter den Bio-Deutschen und der alternden Gesellschaft zu schaffen. Wir brauchen also Einwanderung. Beste Voraussetzung dafür ist eine Verfassung, die Religionsfreiheit garantiert und jeden nach „seiner Fasson“ selig werden lässt. Das gilt es zu verteidigen und es gilt ebenso für Meinungsfreiheit und Bildung für alle, ohne Unterschied.

Nicht immer entspricht aber geschriebener Verfassung auch die Verfassungswirklichkeit und die Pegida-Versammlungen in Dresden zeigen, dass die, die sich dort versammeln, diese Werte zwar gern für sich in Anspruch nehmen, aber allen anderen bestreiten. Ausgerechnet in der ausländerfreien Zone Sachsen, mit seiner Hauptstadt Dresden, wächst Pegida und Überfremdungsangst. Der Widerstand der Zivilgesellschaft gegen Alltagsrassismus und Rechtsextremismus von Neonazis wird von den Sicherheitsbehörden in Sachsen zudem oft genug als Rowdytum und von den Staatsanwaltschaften als Landfriedensbruch verfolgt. Während Ausländerhetzer und Neo-Nazis davon kommen.

In dieser Atmosphäre gedeiht keine Aufklärung oder gar Gesprächsbereitschaft. Das kann die sichtbare Spaltung der Gesellschaft nur weiter vertiefen und Integration erschweren. Es braucht den Widerstand der Zivilgesellschaft, die Pegida sachlich widerlegt und die Parolen von Gestern und Vorgestern zurück weist. Es geht auch darum, Deutschland in Europa zu sichern und dem neuen Nationalismus keinen Raum zu lassen.

 

 

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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