Nur noch ein Titel für den FC Bayern

Klammheimlich hatte der eine oder andere Bayern-Spieler bestimmt daran geglaubt, das Fußballwunder erzwingen und den 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel beim FC Barcelona wettmachen zu können. Aber wie das so ist mit den Wundern, sie passieren selbst in Bayern nur ganz, ganz selten.

Dabei hatte das Rückspiel gestern Abend so vielversprechend begonnen, als Benatia nach einem Eckstoß von Alonso die Bayern bereits in der 7. Minute mit einem Kopfball in die linke untere Torecke in Führung brachte. Das Tor konnte allerdings nur fallen, weil Benatia völlig frei zum Kopfball kam und der „lange“ Pfosten nicht besetzt war.

Aber bereits acht Minuten später machte sich die große, lähmende Ernüchterung im Stadion breit, als das wohl beste Sturmtrio der Welt, Messi, Neymar und Suarez, mit einer traumhaften, blitzschnellen Kombination durch die Bayerische Abwehr „spazierte“ und Neymar den Ball zum 1:1-Ausgleich ins Tor schieben konnte. Damit waren dann auch wohl die letzten Zweifel am Einzug des FC Barcelona ins Berliner Finale der Champions League und am Ausscheiden des FC Bayern beseitigt, zumal auch wieder Neymar in der 29. Minute den 2:1-Führungstreffer erzielen konnte, auch wieder nach einer unwiderstehlichen Kombination mit seinen kongenialen Stürmerkollegen und nachdem der „kleine“ Messi ein Kopfballduell gegen den wesentlich größeren Schweinsteiger gewonnen hatte.

In der zweiten Halbzeit konnten zwar Lewandowski in der 59. Minute durch einen Schuss von der Strafraumgrenze den Ausgleich und Müller von fast derselben Stelle in der 74. Minute den Siegtreffer erzielen, aber wohl auch nur, weil die Katalanen nach der Halbzeitpause nur noch bemüht waren, die Finalteilnahme nicht mehr zu gefährden und das Spiel irgendwie über die Zeit zu bringen, nennenswerte Offensivbemühungen fanden nicht mehr statt.

Die durchaus nicht sattelfeste Abwehr der Spanier hatte ganz entscheidend den Anlass für die Hoffnung auf ein Fußballwunder gegeben, sie eröffnete den Bayern auch in beiden Halbzeiten eine ganze Reihe von Torchancen, die aber letztlich vertan oder durch den famosen ter Stegen im Tor zunichte gemacht wurden. Aber man hatte immer den Eindruck, dass – wenn nötig – die Drei da vorne im Sturm des FC Barcelona dann eben noch ein Tor mehr schießen würden, zumal die Abwehr der Bayern in ihren Unzulänglichkeiten und Schwächen den Spaniern in nichts nachstand. Vor allem Rafinha leistete sich viele Fehler und versuchte, diese durch Rüpeleien wettzumachen. Lahm, der nach ordentlichen Anfangsminuten völlig abtauchte und kaum noch zu sehen war, wird sich über seine Zukunft beim FC Bayern ernsthafte Gedanken machen müssen, genauso wie Alonso, der sich wieder nur im wenig hilfreichen Durchschnitt bewegte. Auffälligste Bayernspieler mit überragendem kämpferischen, aber angesichts der vergebenen Chancen letztlich glücklosen Einsatz waren Lewandowski und Müller, letzterer wurde wieder, und wiederum unverständlicherweise, ausgewechselt.

Der FC Bayern hat die Finalteilnahme im Hinspiel in Barcelona verspielt, hat aber das Rückspiel gewonnen, muss also eigentlich nicht in Sack und Asche vom Platz gehen, wenn da nicht der selbst proklamierte hohe Anspruch und die überheblichen Aussagen wären, dass ein Titel, und mehr wird es in dieser Saison ja nicht mehr, für einen Verein wie den FC Bayern einfach zu wenig ist.

Man darf gespannt sein, wie die personellen Vorbereitungen für die neue Saison verlaufen; Pep Guardiola hat ja nun seine Treue zum Vertrag und damit zum FC Bayern kundgetan, zumindest bis 2016.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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