Provinztheater der CSU

Man könnte ob des Einfalls der CSU, in Bayern lebenden Ausländern in den eigenen vier Wänden nur die deutsche Sprache zu erlauben und die eigene Sprache, die Muttersprache, die aber für Bayern eine Fremdsprache ist, zu verbieten, lachen, sich einfach nur schlapp lachen. Welches Provinztheater einer Partei, die doch immer darauf besteht, auf keinen Fall nur eine Regionalmacht zu sein, sondern ein Verein zu sein mit bundespolitischem Anspruch?! Richtig ist, die CSU ist in aller Munde. Sollen die anderen doch lachen, am Ende aber könnten sich alle mit Ausnahme der CSU getäuscht haben. Dann nämlich, wenn dahinter ein raffinierter, ja hinterfotziger Plan steckte, der dazu führen soll, Ausländer, die es sich bequem machen in Bayern, aber nicht Deutsch sprechen wollen, nach Baden-Württemberg, Hessen oder NRW weiterziehen zu lassen, dorthin eben, wo sie in ihrer Wohnung sprechen können, wie sie wollen, also in türkischer, syrischer oder griechischer Sprache.

Das wäre doch die Lösung, man würde ein Wort des christlichen Bedauerns hinterherschieben, schade rufen(aber nicht zu laut, sonst drehen sie um). Man könnte noch darauf hinweisen, dass man gerade dabei sei, die Kasernen herzurichten, sie müssten nicht mehr in Zelten übernachten und auf die Bäume klettern müssten sie auch nicht. Aber die Flüchtlinge wären weg. Wobei man sich als großzügig erweisen könnte, in dem man die Fahrtkosten von Bayern ins nächste Bundesland übernehmen, na ja besser vorstrecken würde, weil am Ende sie dann sicher vom Bund erstattet würden. Aber hartherzig, jetzt in der Adventszeit, da der Winter eingezogen ist in Bayern und anderswo, nein hartherzig wäre man nicht.

Andere Fragen drängen sich auf, deshalb will die CSU den Antrag für den Parteitag noch einmal überdenken, ja sogar der große Horst Seehofer hat signalisiert, das werde er sich genau anschauen. So kennt man ihn, den bayerischen Ministerpräsidenten, dann greift er ein, ändert den Kurs, flexibel ist er, da macht ihm niemand was vor. Soll man die Ausländer-Frage, also die Sache mit der Sprache, nur auf Syrer und Türken und Afrikaner beschränken? Was ist eigentlich mit Italien? Ist auch Ausland. Oder Spanien? Da werden sich die Spieler des FC Bayern hüten müssen, der Frank Ribery lebt seit Jahr und Tag im gelobten Land, trägt wahrscheinlich schon Trachtenanzüge, spricht aber fast nur Französisch. Oder was ist mit dem Spanier Alonso, dem Brasilianer Rafinha, dem Trainer Guardiola? Wenn da jemand deren Gespräche in ihren Wohnungen mithört und Meldung macht, wer weiß, was passiert. Gut Fußball spielen zu können ist nicht das Kriterium.

Wir wissen bisher nicht, ob Strafen fällig werden, Geldstrafen, wenn jemand die Frechheit besitzt, in seiner Wohnung oder seinem Haus, das er sich in Bayern dank der Großmut der CSU-geführten Staatsregierung erwerben durfte, einfach eine andere Sprache zu sprechen als Deutsch.

Ungeklärt ist bisher auch, ob die bayerische Sprache als deutsche Hochsprache gilt. Wenn nicht, hätten viele Bayern in der Provinz ihre Schwierigkeiten. Ilse Aigner, die Ministerin, hat schon zugegeben, dass bei ihr zu Hause bayerisch gesprochen wird. Wenn das man gut geht.

Gut, dass wir im Rheinland leben und nicht in Bayern. Meine Frau stammt aus Oberbayern, da kann ihr nichts passieren. Aber was ist mit mir? Ich komme aus dem Ruhrgebiet, meine Töchter sind mehrsprachig aufgewachsen, in den Dialekten des Reviers-hömma-, sie beherrschen den Sing-Sang des Rheinlands und den dazu gehörenden Ischlaut- Sischer datt!- und sie verstehen den bayerischen Dialekt, den müssten sie dringend perfektionieren. Könnte klappen, habe schließlich schon mal in München gewohnt.

Und dann verbirgt sich hinter der CSU-Idee ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm, das dem Mittelstand satte Aufträge bescheren könnte. Denn die Gespräche in den Ausländer-Wohnungen müssen natürlich kontrolliert, ja überwacht werden. Durch Video-Kameras, die in die Wohnungen von Ausländern eingebaut würden. Der Freistaat könnte ein günstiges Kredit-Programm auflegen, damit die Ausländer die Kosten bezahlen können. Es müssten Tausende von Bayern mit Video-Kenntnissen ausgebildet werden zu Kontrolleuren, die wir einfach Controller nennen, was zwar was anderes bedeutet, aber besser klingt. Da würde ein ganz neuer Arbeitsbereich entstehen.

Die ganze Geschichte mit den Sprachkursen könnte man sich sparen. Und überhaupt war es nicht klug von der bayerischen Staatsregierung, dass sie das Betreuungsgeld durchgesetzt hat? Dann bleiben die bayerischen Kinder in den Kindergärten, die man nicht ausbauen muss, unter sich. Und mehr Erzieher und Lehrer brauchts auch nicht. Und der Stammtisch hat seine Freud, man klopft sich auf die Schenkel und lässt es sich bei einer Maß gut gehen. Es lebe die Provinz! Pardon, die CSU.

Aber halt: Jetzt plötzlich, nach all der Lächerlichkeit, der sich die CSU ausgesetzt, der Häme, die man kübelweise über sie ausgeschüttet hatte, hat die CSU den Antrag leicht korrigiert. Jetzt sollen die Ausländer, die hier dauerhaft leben wollen, motiviert werden, „im täglichen Leben deutsch zu sprechen.“ Willkommen in Bayern.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Provinztheater der CSU' hat 2 Kommentare

  1. 8. Dezember 2014 @ 21:26 Heidi Preiss

    Wirklich, ein saublöder Vorschlag, CSU – kein Wunder, dass Euch damit keiner wirklich Ernst nehmen will. Leider lenkt aber dieser saublöde Vorschlag davon ab, dass was das was dahinter steckt, über das man wirklich sprechen und nachdenken sollte. Nämlich die Frage, was Ihr – und die Wähler, die Ihr offenbar ansprechen wollt – eigentlich unter Integration versteht. Dass alle so werden wie Ihr? Dass zugewanderte Russen, Türken, Afrikaner demnächst schuhplattelnd mit dem Maß im Bierzelt stehen und auf die „Saupreußn“ schimpfen? Nein, das ist keine Integration – und wenn Ihr das wollt, dann zeigt es nur, dass Ihr Angst habt vor allen, die anders sind als Ihr selbst.

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  2. 9. Dezember 2014 @ 20:49 Stuhldreyer, Günter

    Es ist schon eine Geschichte aus dem Tollhaus. Da will die CSU die bierseligen Stammtische dieses Bergvolkes befriedigen, denen auch ein guter Deutschsprachkurs weiter helfen würde, da findet selbst das Sprachorgan der CSU beim BR den Vorschlag bescheuert!!!! Herrlich dieser bayerische Komödienstadel!!

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