Psychisch krank durch Arbeit kommt uns teuer zu stehen. Gefährdungsbeurteilung hilft Kosten sparen

A priori ist Arbeit motivierend und hält uns gesund. Sie hat das Potenzial, Sinn zu stiften, trägt dazu bei, dass wir unsere Bedürfnisse befriedigen können und begünstigt die positive Entwicklung unserer Persönlichkeit. Stimmt die Passung zwischen Arbeitsanforderungen und den eigenen Kompetenzen, macht Arbeit regelrecht glücklich. Insgesamt kann Arbeit also einen überdurchschnittlichen Beitrag zu unserem Wohlergehen leisten. Die aktuellen Kranken-Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Zehn Millionen Tage Krankschreibung pro Jahr aufgrund von Burnout, jährlich bundesweit 40 Prozent Neu-Rentner infolge seelischer Erkrankungen. Allein Depressionen kosten uns europaweit 118 Milliarden Euro per anno.

Hauptbedingungen der psychischen Fehlbelastungen sind Termindruck, hohe Verantwortung bei geringem Entscheidungsspielraum oder Konflikte am Arbeitsplatz. Stress entsteht insbesondere, wenn Menschen in schwierigen Situationen keine Bewältigungsstrategien besitzen. Bedeutsame, ganzheitliche und vielfältige Arbeitsaufgaben mit hohem Kontrollpotenzial fördert hingegen die Gesundheit. Kommen noch Zeitelastizität und wertschätzendes Feedback hinzu, ist die Arbeitswelt in Ordnung.

Die Risikofaktoren müssen unternehmensintern und betriebsspezifisch identifiziert und beurteilt werden. Hierzu existieren unterschiedliche professionelle Untersuchungsverfahren, die – je nach Branche, Funktion und Mess-Intensität – an die Anforderungen der Organisationen angepasst werden können. Subsumiert unter dem Begriff der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz schreibt der Gesetzgeber seit Oktober 2013 nun vor, derartige Analysen durchzuführen und Schutzmaßnahmen festzulegen (vgl. ArbSchG §§ 3-6). Überprüft wird die Umsetzung durch die jeweiligen staatlichen Aufsichtsbehörden und Unfallversicherungsträger.

Für Unternehmen heißt es, Bereitschaft auf höchster Ebene zu zeigen, Bedarfe und Ziele der Organisation zu explorieren, Verständigung und Akzeptanz im Betrieb zu fördern und Strukturen und Ressourcen (Gesundheitsarchitektur) zu schaffen. Konzeptionierung und Realisierung der Gefährdungsbeurteilung sollte mit Unterstützung von ausgewiesenen Arbeits- und Verhaltenswissenschaftlern verwirklicht werden.

Die erfolgreiche Untersuchung hilft nicht nur, erhebliche Krankenstände zu reduzieren und das Wohlergehen der Beschäftigten zu erhöhen. In Aussicht stehen Einsparungen im Bereich der Lohnfortzahlung von bis zu einer Million Euro jährlich zuzüglich Produktivitätssteigerung und eine mittlere Kostenreduktion von etwa 300.000 Euro je Prozent Krankenstandssenkung. Mit einem drei- bis zehnfachen Return-on-Invest-Faktor (ROI-Faktor) können Unternehmer nur gewinnen.

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Kai Lenßen
Über  

Der Psychologe arbeitet im Bereich Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrspsychologie. Seit 2005 leitet Lenßen die Beratungsstelle für Psychosoziale und Nachhaltige Entwicklung und ist Lehrbeauftragter an der Universität Düsseldorf.


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