Deutsche Bank Tower Frankfurt

Respekt für die Deutsche Bank?

Kaum ein anderes Kreditinstitut hat seit einigen Jahren für so viele negative Schlagzeilen gesorgt wie die Deutsche Bank. Wenn es um krumme Geschäfte, Gaunereien und Betrugsmanöver ging, diese Bank war fast immer involviert. Eine Reihe von früheren Vorstandsmitgliedern wie Ackermann, Jain und andere haben sich aus den hohen Frankfurter Banktürmen verabschiedet. Sie waren für das Missmanagement verantwortlich. Sie gingen hohe Risiken ein, nicht wenige davon in unverantwortlicher Weise und nur aus purer Geldgier. Wären die Pförtner in gleicher Manier aktiv gewesen, sie wären nicht nur gefeuert, sondern auch hart bestraft worden. Ähnlich wäre es dem Deutschbanker an der Kasse gegangen, wenn er sich mit einigen hundert Euros daraus selbst bedient hätte.

Selbstbedienung von Ackermann und Genossen

Doch Ackermann und seine Bangster-Kollegen, die hohe Millionen-Einkommen dank satter Boni im Jahr aus der Bankenkasse als Dotationen erhielten, gehen ohne alle Konsequenzen davon und haben bereits bei anderen Firmen angeheuert. In Haftung für ihre in unverantwortlicher Weise eingegangenen Risiken werden sie nicht genommen. Auch der ewige Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Bank, Paul Achleitner, tut so, als habe er mit dem Milliarden-Desaster gar nichts zu tun und bleibt mit satten Tantiemen an der Spitze des Gremiums, das doch für die Aufsicht und den guten Rat zuständig sein sollte.

Ein Befreiungsschlag von John Cryan

Das alles verstehe, wer will! Nur werden wohl die wenigsten Menschen in unserem Lande solche Vorgänge in der Deutschen Bank kaum nachvollziehen können. Gewiss mag es juristisch schwierig sein, die Versager von gestern der vorsätzlichen Untreue oder gar des Betruges zu überführen. Unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung haben sie indessen einen Bärendienst erwiesen und somit größte Zweifel an der sozialen Gerechtigkeit genährt. Da ist es immerhin eine positive Geste, wenn der jetzige Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Bank, John Cryan, in ganzseitigen Anzeigen in großen Zeitungen einen Entschuldigungstext abdrucken lässt. Darin gibt er zu, dass das Kreditinstitut alleine in seiner bisherigen 18monatigen Amtszeit rund 5 Milliarden Euro „für Rechtsfälle aufwenden musste, deren Ursachen zum großen Teil viele Jahre zurückliegen“. Und zerknirscht klingt es, wenn er zugleich auf den großen Verlust von Reputation und Vertrauen hinweist. Ja, das Verhalten der Bank oder besser der einst so hochgepriesenen Vorstandsherren war in der Tat inakzeptabel. Das Fehlverhalten weniger ging zu Lasten vieler Mitarbeiter, Kunden, Investoren und nicht zuletzt der Staatskasse, die auf Steuereinnahmen verzichten muss.

Nur Worte statt Taten?

John Cryan gelobt Besserung, mehr Verantwortung, Wahrung von Werten und erstklassige Lösungen für die Bankkunden. Der Weg dahin wird gewiss ein Marathonlauf aller Beteiligten. Doch der Mut des obersten Vorstandsherrn, die Schuld seiner Vorgänger einzugestehen, könnte den Neubeginn beflügeln. Am besten würde er es nicht nur bei Worten belassen, sondern auf Taten setzen. Dazu gehört auch die juristische Überprüfung aller Vorgänge, die Cryans Vorgänger an Gesetzen vorbei oder gegen das Gesetz zu verantworten haben, und die Auslotung aller Möglichkeiten, um die „Sündenböcke“ auf die Strafbank der Gerichte zu bringen und von ihnen Wiedergutmachung der angerichteten Schäden zu verlangen. Dass die Führung der Deutschen Bank nun verkündet alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit sich solche Vorfälle wie in der Vergangenheit nicht wiederholen, ist einfach viel zu wenig. Vielmehr geht es um Verantwortung und Haftung des Vorstandes und auch des Aufsichtsrates. Wenn mit dem AR-Vorsitzenden Achleitner, der in der Vergangenheit total versagt hat, nun weitergemacht wird, dann ist das das größte Handicap für die Zukunftsgestaltung der Bank. Jedenfalls wird dies nicht als positives Zeichen für den Aufbruch in neue und bessere Gefilde verstanden.
Der nächste dubiose Fall ist bereits bei der Deutschen Bank anhängig – nämlich in Israel: Die Steuerbehörde vermutet Mehrwertsteuerbetrug, hat den dortigen Verantwortlichen des Kreditinstituts kurzzeitig verhaftet und Computer beschlagnahmt.

Bildquelle: Wikipedia, Thomas Wolf, CC BY-SA 3.0

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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