Ultras

Rote Karte für kriminelle Krawallos!

Ein Fan ist jemand, der sich für etwas begeistert, zum Beispiel für eine Fußballmannschaft – etwa für die Knappen von Schalke 04 oder die Borussen aus Dortmund, aber eben auch für die deutsche Nationalmannschaft. Ja, Fans sorgen für die Stimmung in der Fußball-Arena, lassen sich mit viel Phantasie spezielle Choreografien im Stadion einfallen, singen mit Inbrunst die Vereinshymne. Ihre Zugehörigkeit und Verbundenheit demonstrieren richtige Fans schon rein äußerlich mit ihrer Kleidung oder auch Verkleidung. Bei nicht wenigen geht die Liebe gar so weit, dass sie daheim Handtücher, Bettwäsche oder anderes in den Farben ihres heiß geliebten Vereins nutzen.

Platzverweis für Rechtsradikale

Millionen Deutsche fiebern mit, sie freuen sich über Siege ihrer Mannschaft und sie leiden, wenn das Team den grünen Rasen mit einer Niederlage verlässt. Wie auch immer es läuft, das Herz der Fans gehört ihrem Verein – zumindest zu einem Teil. Was indessen in der jüngsten Vergangenheit in den Fußballstadien geschehen ist, das hat rein gar nichts mit Fan-Kultur zu tun. Mehr und mehr tummeln sich Krawallos rund um die Fußballspiele. Sie zünden Pyrotechnik, verletzen und gefährden friedliche Zuschauer, sie prügeln auf echte Fans mit Gewalt ein, sie beleidigen mit Hetz-Sprechchören und Spruchbändern Spieler, Vereinsführungen und den Deutschen Fußballbund (DFB).

Was jüngst gar beim Qualifikationsspiel der deutschen National-Elf in Prag geschah, das war die Eskalation von Hooligans, die aus Deutschland in die Eden Arena nur angereist waren, um Krawalle übelster Art zu inszenieren. Sie störten die Minute des Gedenkens für einen Verstorbenen des tschechischen Fußballs, sie skandierten permanent „Scheiß DFB“, sie beschimpften den deutschen Nationalspieler Timo Werner als „Huren-Sohn“, stimmten Gesänge mit nationalsozialistischen Texten an, attackierten andere Zuschauer im Stadion und außerhalb, sie machten Randale in der Stadt Prag – in Kneipen und auf öffentlichen Plätzen.

Neo-Nazis in der tschechischen Hauptstadt – das macht betroffen. Jeder Deutsche mit Anstand und Geschichtsbewusstsein schämt sich, denn das mühsam aufpolierte Bild von Deutschland im Ausland wird von einer solchen Horde wildgewordener Krawallos besudelt und geschändet. Doch solche unverbesserlichen Rechtsradikale treiben längst ihr Unwesen auch hierzulande – in der Bundesliga, in deutschen Stadien. Die Ultras sind los, ihr Unwesen wird immer stärker. Und das, obwohl die Spitzen der Fußballvereine ebenso wie der DFB bislang vieles versuchen, solche Unsitten zu unterbinden und zu bekämpfen. Allerdings sind dabei kaum Erfolge zu registrieren.

Autorität der Vereinsführung gefordert

Gewiss haben manche Ereignisse und Entwicklungen im Bereich des Fußballs in der jüngsten Zeit zu verständlichem Ärger bei Freunden des runden Leders geführt. Transfersummen von 100 und mehr Millionen Euro für einen Kicker, riesige Investitionen von Vereinen für eine Söldner-Mannschaft, Milliarden Geschäfte bei der Vermarktung der Fernsehrechte, selbstherrliche Vereinspräsidenten und anderes mehr haben auch echte Fans nicht gerade begeistert, sondern eher verstört. Manche Bundesligaclubs sind für sie längst nicht mehr die Fußball-Heimat, sondern verkommen immer mehr zu einem Wanderzirkus, für den Spieler aus dem In- und Ausland mit Millionen-Transfers eingekauft und für Millionen-Gagen auf dem grünen Rasen tanzen. So bestimmen wenige Vereine – allen voran der FC Bayern München – das Geschäft mit den Balltretern. Die wieder lauten Töne des Steuerhinterziehers Uli Hoeneß mögen die Freunde seines FC Hollywood noch und wieder begeistern, doch seine Vorbildfunktion für Fußballfans aus anderen Regionen ist wohl sehr begrenzt. Die Führungen der Bundesliga-Vereine, die nun endlich engagiert gegen rechtsradikale Krawallos und andere Randalierer Front machen müssen, sollten dafür mit hoher Autorität ausgestattet sein. Nur wenn die übergroße Zahl der echten Fans für den gemeinsamen Kampf gegen die Exzesse gewonnen wird, können die Kaputtmacher der schönsten Nebensache der Welt endlich zur Strecke gebracht werden. Dabei sollten Polizei und Ordner gezielt eingreifen, denn die Vandalen in den Stadien haben vielfach die Grenzen des kriminellen Unwesens überschritten. Wenn man sie nicht einsperren kann, dann müssen sie gezielt ausgesperrt werden. Es genügt nicht die Reaktion des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, der stolz darauf war, dass unsere Nationalspieler nach dem Spiel in Prag ein Zeichen der Ab- und Ausgrenzung setzten. Er sollte nun die Initiative für die harte Bekämpfung der Randalierer ergreifen und gemeinsam mit den Clubs die rote Karte für diese Störer, Hetzer, Verletzer und Kriminelle einführen. Videobeweise können dabei helfen, denn für solche Leute darf es in den Stadien keinen Platz geben.

Bildquelle: flickr, Karl-Ludwig Poggemann, CC BY 2.0

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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