Stromzähler

Strom-Rechnung: Immer komplizierter und teurer!

Bereits vor Jahrzehnten gab der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zu, dass er sich schwer tat, die Rechnung über seinen Stromverbrauch zu verstehen. Vielen Millionen Bürgerinnen und Bürgern, die in der jüngsten Zeit von ihren Energielieferanten die Jahresabrechnung 2016 und gleichzeitig die voraussichtlich fälligen Zahlungen für 2017 mitgeteilt bekommen haben, ist es gewiss ähnlich ergangen wie dem früheren Chef der Bundesregierung.

Da ist in der Anlage zur Stromrechnung irgendwo versteckt der Grundpreis für die Kilowattstunde zu finden – mit etwa 20,1 oder 22,09 Cent/ kwh oder auch noch mehr. Multipliziert mit dem Gesamtverbrauch ergibt sich dann der durchaus nachvollziehbare Gesamtkostenbetrag.

Von EEG – bis hin zur Lasten-Umlage

Doch der Teufel steckt auch hier wahrlich im Detail, denn der Stromkonsument zahlt eben nicht nur den Preis für den erzeugten Strom aus Kernenergie, Erdgas, Kohle und Erneuerbaren Energien, obwohl ihm immer wieder per Werbung mitgeteilt wurde, dass die Sonne oder der Wind keine Rechnung schickt.

Eine lange Liste ist da nachzulesen: Für die Stromsteuer sind 2,05 Cent/ kwh zu zahlen, für die 2017 erhöhte EEG-Umlage gar 6,88 Cent, für die KWK-G-Umlage mit 0,438 Cent etwas weniger als im Vorjahr, für die Sonderkundenabgabe 0,388 Cent, für die Lasten-Umlage 0,006 Cent und für die Umlage für abschaltbare Lasten.

Diese Belastungen summieren sich im laufenden Jahr auf 9,734 Cent/ kwh (2016: 9,267 Cent/ kwh). Auf die komplexe Stromrechnung kommen dann noch 19 % Mehrwertsteuer.

Entgelte für alles und jedes

Doch das ist eben noch immer nicht das Ende der Fahnenstange: Denn zu zahlen hat der Verbraucher auch ein Entgelt für den Messstellenbetrieb, also für den Ein- und Ausbau sowie Betrieb und Wartung des Stromzählers, für den Netz-Transport und die Verteilung der Energie, für die die Konzessionsabgabe, die die Gemeinden für die Mitbenutzung von öffentlichen Verkehrswegen durch Versorgungsleitungen kassieren, sowie schließlich Entgelte für die Erfassung des Energieverbrauchs.

Energiewende: Preisauftrieb ohne Ende!

Die immer wieder so gepriesene Energiewende treibt die Stromrechnung immer weiter in die Höhe. Das wird in den nächsten Jahren so weitergehen – vor allem wenn neue Stromtrassen gebaut werden müssen, die viele Milliarden kosten werden. Diese sollen vorwiegend unterirdisch verlaufen, da viele Zeitgenossen Front gegen Überlandleitungen machen und die verantwortlichen Politiker diesen Forderungen folgen. Dass solche Leitungen, die in den Boden verlegt werden, einen tiefen Einschnitt in die Landschaften bringen, wurde bislang noch gar nicht erörtert. Dass sie jedoch ein Mehrfaches im Vergleich zu Überlandleitungen kosten werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Kaum ein Energiewende-Politiker mag darüber offen reden. Doch sicher ist schon jetzt: Die Kosten dafür werden vor allem die privaten Haushalte auf ihrer Stromrechnung wiederfinden. So könnten alle Bemühungen, die Stromerzeugungskosten – etwa bei Offshore-Windanlagen deutlich zu senken – und über Ausschreibungen mit mehr Wettbewerb zu günstigeren Strompreisen zu kommen – zunichte gemacht werden.

Die Energiewende, die schon jetzt pro Jahr weit über 30 Mrd. Euro kostet, ist ohne Zweifel das teuerste ökonomische Abenteuer Deutschlands. Zudem lassen sich damit allein die großen Klimaziele nicht erreichen. Und die Versorgungssicherheit könnte auch noch in Gefahr geraten, denn das bisher so gepriesene und geforderte Spektrum der Erneuerbaren ist einfach falsch gewendet. An Land weht eben oft genug kein Wind und selbst in Bayern scheint nachts auch keine Sonne. So müssen noch lange Zeit vor allem Kohle- und Gaskraftwerke für die Sicherheit der Stromversorgung herhalten – mit Kapazitäten, die wegen der diskontinuierlichen Nutzung besonders teuer sind. Die Zeche dafür müssen letztlich die privaten Haushalte zahlen. Da wird die Freude über die Energiewende mehr und mehr getrübt, da sie immer größere Löcher in die Haushaltskasse reißt.

Bildquelle: pixabay, usewr geralt, CC0 Public Domain

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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