You'll never walk alone

Tod im BVB-Stadion – You´ll never walk alone

Der 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga wird überschattet von einem tragischen Vorfall, der sich beim Sonntagabendspiel Borussia Dortmund gegen Mainz 05 (2:0) ereignete. Zwei Zuschauer erlitten während des Spiels einen Herzinfarkt. Während der 55-Jährige reanimiert und ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte, wo sich sein Zustand stabilisierte, verstarb der 79-Jährige noch auf der Südtribüne. Dann passierte etwas, was man in einem voll besetzten Fußballstadion wohl nicht unbedingt erwarten konnte. Der Tod des Zuschauers sprach sich in dem riesigen Stadion sehr schnell bei den 81 000 Zuschauern herum, die ihre Anteilnahme und ihr Mitgefühl in einer spontanen, großartigen und berührenden Geste zum Ausdruck brachten: Fahnen, Spruchbänder und Transparente wurden eingerollt und im Stadion verbreitete sich eine unglaubliche, ehrfurchtsvolle Stille, die nur kurzfristig durch den Torschrei beim 2. Dortmunder Tor oder durch einen kurzen Aufschrei bei den vielen ausgelassenen Torchancen des BVB unterbrochen wurde.
Kurz vor Ende des Spiels erhoben sich alle Zuschauer und sangen gemeinsam das in Dortmund vor den Spielen immer inszenierte Lied „You’ll never walk alone“. Das Spiel endete ohne große Jubelszenen, beide Mannschaften und Schiedsrichter wurden erst jetzt über die Ursache für das zunächst eigenartig anmutende Verhalten der Zuschauer informiert. Sämtliche Spieler beider Vereine gingen vor ihre Anhänger, die Dortmunder vor die Südtribüne, und das gesamte Stadion sang noch einmal dieses vor allem in dieser Situation angebrachte, ergreifende Lied, dabei wurden die Fanschals wie zu einem letzten Gruß hochgehalten. Mannschaften und Zuschauer, gleichermaßen von beiden Vereinen, das sei ausdrücklich betont, haben ein großartiges, sensibles Bild der solidarisierenden Anteilnahme geboten und die Fußballgemeinschaft in beispielhafter Weise würdevoll vertreten.

Bildquelle: Andy Nugent,  „You’ll Never Walk Alone“, Shankly Gates, Anfield. CC-BY-SA-2.5

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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