Münsterländer BVB-Fan

Trainer auf dem Schleudersitz – High noon beim BVB –

Das Trainerkarussell in der Bundesliga dreht sich munter weiter und immer schneller. In München, Köln, Dortmund und anderswo wurde allein in der laufenden Saison der Wechsel auf der Position des Chef-Coach vollzogen. Und die Saison ist bisher nicht einmal zur Hälfte rum.

Von Peter Bosz zu Peter Stöger

Was allein zählt, das sind Punkte und Tore, Erfolge und Tabellenplätze. Alles wird immer wieder am Trainer festgemacht. Er ist die „ärmste Sau“, so lautete die Diagnose eines Profispielers der Borussia aus Dortmund, als es um Peter Bosz ging. Der Vorstand des BVB – allen voran Aki Watzke – hatte ihn als Supermann aus Holland nach Westfalen gelockt. Er sollte als Nachfolger von Thomas Tuchel, der die Borussen-Elf zu beachtlichen Erfolgen getrieben hatte, das Team auf ein noch höheres Spielniveau bringen. Mit Peter Bosz gab es auch einen geradezu sensationellen Saisonauftakt. Die Borussia war einige Spieltage lang Tabellenführer mit 5 Punkten Vorsprung vor dem Erzrivalen Bayern München. Die Euphorie der BVB-Manager kannte kaum noch Grenzen, obwohl manche Schwächen in der Mannschaft selbst bei siegreichen Spielen durchaus erkennbar wurden. Die Schwarz-Gelben vom Borsigplatz wollten es der Welt zeigen – in der Bundesliga, in der Champions League und im DFB-Pokal. Die Borussia KGaA konnten einen Sommer lang vor Kraft kaum noch laufen. Einige Spieler, die in der letzten Saison noch das Team auf dem grünen Rasen verstärkt hatten, wurden für einige Millionen verkauft – wie etwa Bender an Bayer Leverkusen oder Ginter an den VfL Mönchengladbach oder Dembelé an Barcelona. Neue Stars wurden gekauft – für noch mehr Millionen, denn die Kasse des BVB machte die Verantwortlichen nicht nur sinnlich, sondern auch blind. Bis auf Yarmolenko, ein Mann aus der Ukraine, entpuppten sich die anderen Verpflichtungen als groteske Fehleinkäufe.

Misserfolge auf dem Rasen

Und so kam es, wie es kommen musste. Nach dem furiosen Saisonstart folgte Niederlage auf Niederlage, unterbrochen von dem einen oder anderen Remis. Nur im DFB-Pokal gegen den Drittligisten FC Magdeburg gab es noch einen Sieg, der den Einzug in die nächste Runde bescherte. Dort muss der BVB am 20. Dezember gegen den FC Bayern München antreten; die Niederlage ist wohl vorprogrammiert. In der Champions League blamierte sich der BVB in einer Art und Weise, die den Fans die Schamröte ins Gesicht trieb. Es hagelte Niederlage auf Niederlage, nur gegen den Operettenclub aus Nikosia gab es im Hin- wie Rückspiel blamable Remis. Dennoch geht es in der Europa League, der „Champions-Liga der armen Leute“, 2018 weiter. In der Bundesliga steht der Club aus Dortmund inzwischen auf einem Platz im Mittelfeld – in etwa gleichauf mit Augsburg, Frankfurt und Hannover. Bei der Heimniederlage gegen Werder Bremen am letzten Wochenende blamierte sich die Mannschaft erneut mit geradezu unsäglichem Spiel. Die Verteidigung zeigte sich wieder einmal völlig überfordert, war löcherig wie ein Schweizer Käse. Sokratis ließ es an Schnelligkeit fehlen, wirkte ebenso ungelenk wie Subotic, der von Beginn dieser Saison eigentlich schon aussortiert worden war und nun als Nothelfer eingesetzt wurde. Das BVB-Mittelfeld fällt bereist seit vielen Wochen dadurch auf, dass die Spieler den Ball bin- und herschieben, mehr Pässe zurück denn gekonnt nach vorne schlagen. Im BVB –Sturm herrschte mehr oder weniger eine totale Flaute: Die Angreifer Pulisic, Aubameyang oder wer auch immer laufen sich einen Wolf, vor dem gegnerischen Tor fehlt es ihnen jedoch an Schusskraft. Spieler – wie etwa Schürrle – agieren nicht wie Ballkünstler der Bundesliga, sondern eher wie Mitglieder einer Kreis-Klassen-Elf.

Schuldenbock: Der Trainer

Nun also muss der bisherige Trainer Peter Bosz aufgeben. Sein Spielsystem hat nicht gepasst, er hat die Superstars nicht erreicht und psychologisch nicht richtig für das Balltreten auf dem grünen Rasen eingestellt. Gewiss wird er weich fallen und seinen Abgang nach so kurzer Zeit in Dortmund als job-Risiko ohne Schaden verschmerzen.

Stöger als Superman?

Sein Nachfolger Peter Stöger, ein Österreicher, wurde umgehend präsentiert. In Köln war er nur wenige Tage zuvor entlassen worden, da der FC dort mit gerade einmal 3 Punkten aus 15 Spielen und einer Tor-Minus-Differenz von 22 das Schlusslicht der Bundesligatabelle ist und nahezu hoffnungslos dem Abstieg entgegenstürmt. Peter Stöger hat einst die Kölner Mannschaft aus der zweiten Liga in die erste gebracht und nach ewigen Zeiten gar ein kurzes Gastspiel in der Europa-League erreicht.

Andere Trainer waren wohl derzeit von den Headhuntern aus der BVB-Führungsetage nicht zu bekommen. Die nächsten Bundesligaspiele in Mainz und daheim gegen Hoffenheim werden die ersten Proben für den neuen Coach sein. Ob die Borussen dabei besser spielen, mehr kämpfen und laufen werden, bleibt abzuwarten. Praxis ist, was auf dem Platz ist, so lautete die alte Weisheit eines früheren Borussen – Kämpen. Trainer sitzen nur auf der Bank oder stehen in der Coaching-Zone, wenn es um Tore und Punkte geht. Der Präsident, Geschäftsführer und Manager nehmen zumeist auf der Tribüne Platz. Sie müssen sich als Verantwortliche für den Verein BVB in der nächsten Zeit sehr warm anziehen – nicht nur wegen des Winterwetters. Mit Peter Stöger haben sie offenbar schon vorgesorgt – für den Fall der Fälle, für den Absturz in die zweite Bundesliga. Dort hat er wahrlich große Erfahrungen gesammelt und besonders erfolgreich gewirkt.

Versagen der Clubführung

Watzke, Rauball und andere BVB-Spitzenfunktionäre müssen sich indessen auch selbst hinterfragen, ob sie bei aller Euphorie nicht die Vorsorge für eine stärkere Mannschaft, für bessere Spieler, vergessen haben. Mit derart hohen Millionen-Gagen, wäre die Borussia für manche spielstarken Profis gewiss auch ein attraktiver Arbeitgeber. Die Club-Kasse ist gefüllt und gibt auch einiges für wirklich gute Spieler-Transfers her. Der Absturz der BVB-Aktie mag wie ein Menetekel auf der schwarz-gelben Wand im BVB-Stadion wirken. Der Kurs spiegelt die Misserfolge im Kerngeschäft des BVB deutlich wider. Ein noch weiteres Abrutschen in der Bundesliga-Tabelle könnte für den Traditionsverein vom Borsig-Platz bittere Konsequenzen haben. Es ist wirklich high noon im Borussen-Park!

pixabay, User feworave, CC0 Creative Commons

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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