Trauerspiel: Deutsche Bank und ihre Manager

Es ist schon ein Trauerspiel, was sich ein Teil des deutschen Spitzenpersonals in der Wirtschaft leistet. Wir haben an dieser Stelle kürzlich über die einstigen und heutigen Deutsche Bank-Manager berichtet, über den Abstieg einer besonderen Klasse, die einst als Bankiers höchstes Ansehen genoss, aber heute mit dem Begriff eines Bankers abgetan wird.

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank musste sich das Führungs-Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen aus den Reihen der 9000 Aktionäre einiges anhören. Einer fragte den einen Chef: „Herr Jain, sind Sie die Lösung oder das Problem?“ Und der Aufsichtsratschef Paul Achleitner beeilte sich zu erklären, es sei Aufgabe der Bank, „die unrühmliche Vergangenheit konsequent aufzuklären“. Aktionärsberater und –schützer empfahlen, dem Vorstand und teils auch dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.“ Der Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann rief Jain und Fitschen zu: „Ich möchte das „T“ im Wort entlasten durch ein „S“ ersetzen und Sie entlassen.“ Schweres Geschütz wurde da aufgefahren, dicke Luft herrschte in diesen einst so feinen Kreisen. Eingeständnisse des Scheiterns seitens der Führung der einstigen Bank-Nobelmarke folgten. Mein Gott, was ist aus der Deutschen Bank geworden!? Peinlich, nur noch peinlich.

Trauerspiel: Thomas Middelhoff

Auch das zweite Beispiel aus den Reihen deutscher Spitzenmanager ist im Grunde ein Trauerspiel. Die Rede ist von Thomas Middelhoff, der seit Monaten im Gefängnis sitzt. Der angeblich kein Geld mehr hat, Insolvenzantrag gestellt hat, der aber am Mittelmeer an einer feinen Adresse über ein Anwesen verfügt, das man eine Villa nennen kann und das ist dann eher noch untertrieben. Nun wird dem 62jährigen Mann auch noch der Vorwurf gemacht, Vermögen vor seinen Gläubigern verbergen zu wollen. Es geht um Vermögenswerte von rund 90 Millionen Euro. Thomas Middelhoff, einst der Strahlemann der deutschen Wirtschaft, First Man im Jetset, der Mann, der seine Termine bei Arcandor in Essen schon mal mit dem Hubschrauber wahrnahm, weil er ein paar Staus überfliegen wollte. Er war der Vorstandsboss bei Bertelsmann, überhaupt der Mann der Wirtschaft in der Republik. Er überstrahlte viele in der Öffentlichkeit. Nun sitzt er und soll zahlungsunfähig sein. Oder doch nicht so ganz? Oder wie nennt man das? Unvorstellbar, der Mann hat über Jahre Millionen verdient. Unvorstellbar der Abstieg eines solchen Aufsteigers, der über Jahre oben war. Das Bild, als er vor Monaten vom Gerichtssaal weg ins Gefängnis wandern musste, weil angeblich Fluchtgefahr bestand, hat viele geschockt. Einer wie Middelhoff im Gefängnis. Reiche werden reicher-zum Schaden des Landes.

Wir bleiben bei der Wirtschaft, atmen auf, dass der Streik bei der Bahn einer Schlichtung weicht, und hoffen, dass es dort bald zu einer Einigung kommt. Nicht weil wir was gegen den GDL-Chef Weselsky haben, sondern weil wir hoffen, dass Millionen Pendler endlich wieder pünktlich zur Arbeit kommen, dass Menschen mit dem Zug in aller Ruhe in Urlaub fahren können. Dass endlich dieser Nervenkrieg-Pardon!-ein Ende hat.

Wir bleiben bei der Wirtschaft, weil uns ein OECD-Bericht alarmiert hat: Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist so groß wie seit 30 Jahren nicht. Die reichsten zehn Prozent in Deutschland besitzen 60 Prozent des Landes. Und diese Ungleichheit schadet der Wirtschaft. Für Deutschland macht dies einen Verlust von rund 100 Milliarden Euro aus. Reiche würden weniger besteuert, heißt es in dem Bericht weiter. Man müsse sich mehr um Bildung und die Bedürfnisse von Familien mit Kindern kümmern. Diese Feststellung ist eigentlich nicht neu. Man stelle sich vor, die Reicheren, auch die reicheren Unternehmen würden stärker belastet, man stelle sich vor, da kämen wirklich 100 Milliarden Euro heraus, was könnte man damit alles bezahlen?

Ja, zum Beispiel den Erziehern und Erzieherinnen ein höheres Gehalt, um ihre Arbeit endlich entsprechend ihrer Belastung und ihrer Aufgabe zu bezahlen, dann wäre auch dieser Streik schnell erledigt. Das ist nämlich auch ein Trauerspiel der besonderen Art. Sehr schnell reden wir davon, was uns unsere Kinder- das wichtigste, das wir haben!- wert sind. Und dann verweigern wir ihnen eine entsprechende Bildung und Erziehung, die im Kindergarten ja beginnt und für die wir mehr, viel mehr Erzieherinnen und Erzieher bräuchten und zwar mit höherer Bezahlung. Aber das Geld dafür haben wir angeblich nicht, wir haben es vor Jahren in die Sanierung von Banken gesteckt, die alles verspielt hatten. War es das wert? Man denke nur an die Deutsche Bank.

Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 3 198 Abonnenten.



Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Trauerspiel: Deutsche Bank und ihre Manager' hat keine Kommentare

Als erste/r kommentieren

Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht