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Überbezahlte Auto-Manager  – Droht ein GAU in der Branche? –

Über 30 % der Beschäftigten auf Vollzeitstellen haben pro Monat ein Einkommen von mindestens 4.000 Euro. In den beiden letzten Jahren ist diese Zahl der überdurchschnittlich verdienenden Erwerbstätigen um 800.000 auf 21 Mio. gestiegen. Der mittlere Bruttolohn aller Vollzeit-Beschäftigten hat sich ebenfalls auf monatlich 2.456 € im, Durchschnitt erhöht. Deutlich weniger Lohn und Gehalt erhielten insbesondere Arbeitnehmer ohne einen Berufsabschluss, gering qualifizierte Beschäftigte und Migranten. Fast 40 % aller Arbeitnehmer liegen im unteren Entgeltbereich; das sind mehr als noch vor 2 Jahren.

Viele der Beschäftigten müssen Tag für Tag mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren. Um mobil zu sein, haben sie lange für den PKW-Kauf gespart oder einen Kredit aufgenommen, der nun in Monatsraten abgestottert wurde. Nicht wenige fühlen sich nun betrogen.

Der VW-Chef Müller: Der Superkassierer!

Mehr als das Fünfzigfache, das ein durchschnittlich Beschäftigter an Einkommen durch seine Arbeit erzielt, kassieren die Vorstände der 30 DAX-Aktiengesellschaften. Im Schnitt bekamen die Vorstandsvorsitzenden rund 5,5 Mio. € pro Jahr. Der Blick auf einzelne CEO’s der großen Aktiengesellschaften zeigt indessen, dass einige sehr deutlich über dem Durchschnitt liegen. Spitzeneinkommen flossen im letzten Jahr insbesondere den Bossen der Automobilfirmen zu. So erzielten Matthias Müller von VW 9,7 Mio., Dieter Zetsche von Daimler 7,6 und Harald Krüger von BMW ebenfalls 7,6 Mio. €. Bei Müller betrug das Verhältnis zum Einkommen der Mitarbeiter das 202fache, bei Zetsche das 127fache und bei Krüger das 99fache.

Gewissenhafte Geschäftsführung gefordert

Nach § 93 (1) des Aktiengesetzes haben Vorstandsmitglieder „bei ihrer Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters anzuwenden.“ Für den Fall, dass sie ihre Pflichten verletzen, „sind sie der Gesellschaft zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens als Gesamtschuldner verpflichtet.“ So steht es jedenfalls im Gesetz. Die vorsätzliche Täuschung vieler Millionen Autokäufer im In- und Ausland widerspricht gewiss in eklatanter Weise einer ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsführung. Der Betrugsskandal führt zu Schadensersatzzahlungen, zu riesigen Prozesskosten und zu Verlusten für Aktionäre wie für Arbeitnehmer in vielfacher Milliardenhöhe.

Der Betrug ist mehr als eklatant. Er kann nun auch nicht von den Vorstandsetagen auf Ingenieure, Abgasexperten oder andere auf der zweiten Ebene der Autokonzerne abgeschoben werden. Auch der Versuch, den politisch Verantwortlichen eine Teilschuld zuzuschieben, ist geradezu absurd. Die Herrscher an der Spitze der Automobilfirmen kannten sehr genau die Grenzwerte für CO2– und Stickoxid-Emissionen. Sie haben sie jedoch bewusst nicht eingehalten, sondern mit Software-Mogeleien manipuliert oder manipulieren lassen. Welchen Flurschaden sie damit nicht nur für die Autos, sondern auch für andere Produkte „made in Germany“ angerichtet haben, lässt sich noch nicht exakt erfassen, sondern nur erahnen.

Nach den Banken nun die Autofirmen

Gewiss ist richtig, dass die Automobilindustrie eine der wichtigsten Schlüsselbranchen der deutschen Volkswirtschaft darstellt – mit vielen hunderttausend Arbeitsplätzen, mit vielen Zulieferern, mit hoher Wertschöpfung. Vor etwa 10 Jahren hatten viele deutsche Banken sich mit allzu risikoreichen Geschäften an den Rand ihrer Existenzfähigkeit manövriert. Auch hier waren es die selbsternannten Superhelden in den Vorstandsetagen und nicht die braven Angestellten in den Filialen; Kredit- oder Wertpapierabteilungen, die mit ihrem Investmentbanking, mit Libor-Manipulationen, Geldwäschegeschäften oder Cum-Ex-Operationen Milliarden-Schäden anrichteten. Vielen Instituten musste der Staat mit Steuergeldern zur Hilfe eilen; sie wurden als systemrelevant angesehen. Nur wenige Hauptverantwortliche standen bis heute vor deutschen Gerichten; die Mehrzahl hat sich mit Millionen Abfindungen oder –Pensionen verabschiedet, um bei Beratungsfirmen, Investitionshäusern und anderen Unternehmen kräftig zu kassieren.

Verlorenes Vertrauen

Systemrelevant sind Autofirmen gewiss nicht. Deshalb kann es beim „Diesel-Gipfel“ am kommenden Mittwoch (2.8.2017) in Berlin auch keine weitere staatliche Gnade und Rücksicht geben. Wer als Firma ein Produkt mit gravierenden Mängeln geliefert hat, muss es nachbessern oder zurücknehmen. So wird es bei Erzeugnissen eines jeden mittelständischen Lieferanten rechtlich durchgesetzt, so muss es auch von den großen und vielfach überheblichen Autobossen verlangt werden.

Mehr als die Hälfte der Autofahrer hat inzwischen kein Vertrauen mehr in die Automobilbranche. Wenn der Verkehrsminister oder seine für die Umwelt zuständige Kollegin allzu große Nachsicht mit den Spitzenbetrügern zeigen sollten, könnte dieses Misstrauen auch sehr schnell gegenüber der Politik gelten. Gegen die Abgas-Sünder muss deshalb eine knochenharte Strategie gefahren werden. Sonst könnte ein GAU, ein größtanzunehmender Unfall, drohen.

Politiker sind keine Technologen!

Es ist gewiss richtig, dass CDU und CSU ebenso wie die SPD, Grüne und auch die FDP in ihren Programmen zur Bundestagswahl am 24. September Ankündigungen zur Zukunft der Automobilindustrie machen. Ob der Diesel, der Verbrennungsmotor, das Elektro-Auto oder gar das wasserstoffgetriebene Mobil die beste Variante darstellen, um Stickoxid- und Feinstaubbelastungen nachhaltig zu minimieren, das ist zweifellos noch ein offenes Rennen. Politiker sollten sich deshalb nicht als die großen Experten für die Technologien der Zukunft beweisen wollen; sie sollten nichts verbieten oder ausschließen. Doch sollten sie gesetzliche Vorgaben für die Emissionen, für den Schutz der Menschen und Umwelt machen und für konsequente Kontrollen sorgen. Denn Vertrauen ist gut, aber Kontrolle besser – vor allem bei der Autoindustrie, die viel Vertrauen verspielt und Kontrollen mit arglistiger Täuschung, Kartellabsprachen und Betrugsaktionen zu umgehen versuchte. Die lauten Reden über Ethik und Moral, die die Autobosse immer wieder hielten, gehörten wohl auch zu ihrem Täuschungsarsenal. Denn niemand von ihnen hielt sich auch nur annähernd an die Werte, die jenseits von Angebot und Nachfrage in unserer Sozialen Marktwirtschaft gelten sollten.

Die Autobosse legten offenbar nur großen Wert auf ihre hohen Bezüge, auf Boni, beste Pensionszusagen und andere finanzielle Vorteile. Wie Gangster haben sie nur auf ihre Beute geschaut und sich über Gesetze, Verordnungen und Regeln kaltblütig hinweggesetzt.

 

Bildquelle: Wikipedia, Wolfgang Pehlemann, CC BY-SA 3.0

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'Überbezahlte Auto-Manager  – Droht ein GAU in der Branche? –' hat einen Kommentar

  1. 5. August 2017 @ 08:22 Julian

    Leittragend sind nie die Unternehmen oder die Manager. Es wird eher auf die Arbeitnehmer und die Verbraucher abgewälzt….jedoch nie Anteilseigner. Genau hier liegt das Problem….in meinen Augen.

    Antworten


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