Euroscheine

Unternehmer als Irrläufer zur AfD

Unternehmer, so hat es Lenin einst formuliert, sind „politische Leichen auf Urlaub“. An dieses Wort des kommunistischen Revolutionärs wird man in diesen Tagen erinnert, da einige Unternehmer sich zur AfD bekennen. So etwa Heinrich Weiss, vormals Chef der SMS-Gruppe, die einen Maschinenbaubetrieb und ein Hüttentechnik-Unternehmen darstellt, rund 10.000 Menschen beschäftigt und einen Milliardenumsatz im internationalen Geschäft macht; heute ist er der Aufsichtsratsvorsitzende dieses mittelständischen Konzerns. In seinem „früheren Leben“ stand Heinrich Weiss der CDU sehr nahe, war Bundesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates, begleitete den CDU-Kanzler Helmut Kohl auf Auslandsreisen, etwa auch zur Einweihung des von SMS gebauten Stahlwerks im chinesischen Wuhan. Seine „Amtszeit“ als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) war indessen nur kurz und nicht besonders erfolgreich, sodass er spontan aufgab.

Nun findet Heinrich Weiss Anschluss an Hans-Olaf Henkel, der ebenfalls schon einmal BDI-Präsident war, obwohl er nur als angestellter Manager der US-Firma IBM die deutsche Filiale in Stuttgart leitete. Henkel war immer ein Opportunist und stets bei denen, die „an der Macht“ waren. Beide, Weiss und Henkel, sind uralte Neoliberale und wohl nie ganz in der Sozialen Marktwirtschaft angekommen. Deshalb mussten sie mit ihren wirtschaftspolitischen Vorstellungen mehr oder weniger Schiffbruch erleiden; jedenfalls fanden sie nie das gewünschte Echo bei den früheren Politikern, die nicht allein die Interessen der Unternehmen vertreten wollten und konnten, sondern die gesamte Gesellschaft – Arbeitnehmer, Rentner, Frauen, Jugendliche usw. – bei politischen Entscheidungen im Blick haben müssen.

Vom AfD-Parteivorsitzenden Professor Lucke gab es bisher viel heiße Luft und Populismus zur Wirtschafts- und Finanzpolitik – zum Teil professoral und realitätsfern vorgetragen, zum andern Teil mit verengtem Blick auf nationale Interessen. Das gilt insbesondere für die AfD-Front gegen die Europäische Währungsunion mit dem Euro; damit werden von Lucke  & Co. Krisen-Szenarios verbunden und vor allem Haftungsrisiken für die Deutschen beschworen. Und wer dem anderen AfD-Professor Joachim Starbatty, immerhin ein studierter Ökonom, etwas mehr Sachverstand und Denken im realen Kontext zugetraut hat, wird auch von ihm durch seinen nahezu blinden Eifer gegen den Euro tief enttäuscht.

Doch nicht alle Zeitgenossen sehen das so, wie die demoskopischen Befunde es zeigen: Rund 10 % scheinen durchaus bereit, bei Wahlen der AfD ihre Stimme zu geben. Sie lassen sich offensichtlich von der AfD nicht abschrecken, die mit wirren, teils fremdenfeindlichen, teils weltfremden Parolen durch’s Land zieht. Es erstaunt jedoch, dass diese AfD-Propaganda nicht nur bei Unternehmen wie dem Außenwerber Hans Wall und Heinrich Weiss, sondern auch bei einigen Inhabern von Familienbetrieben, Selbständigen und Freiberuflern Wirkung zeigt. All diese AfD-Novizen, die sich mit den kruden Parolen, dem Durcheinander in den Landesverbänden und den vielfach schillernden Figuren aus dem linken wie rechten Spektrum gar nicht intensiv beschäftigen, sind mehr oder weniger Poujadisten, Kritiker der anderen Parteien oder Nörgler, die es einfach den bislang etablierten Politikern einmal richtig zeigen wollen.

Das alles sollte niemand aus der CDU, CSU und SPD einfach abtun und negieren. Die AfD ist zu einem politischen Konkurrenten und Herausforderer geworden, dem gute Demokraten mit Argumenten, Fakten, Daten und klaren Worten Paroli bieten müssen. Dazu gehört vor allem auch, dass die CDU und CSU ihre wirtschaftspolitische Kompetenz deutlicher macht, dass die Fachpolitiker  für Wirtschaft, Finanzen und Währung stärker in die Öffentlichkeit hineinwirken, dass das Ja zu Europa und zum Euro den Wählern besser erklärt wird. Die politischen Erfolge sind ja nicht schlecht, selbst wenn das Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr etwas langsamer als erwartet verlaufen wird. Ein Plus von über 28 Mrd. € beim Bruttoinlandsprodukt , eine Inflationsrate von unter 1 %, ein Beschäftigten-Rekord, Reallohn-Erhöhungen für alle Arbeitnehmer, durchweg solide Erträge bei den Unternehmen, Renten- und Pensionserhöhungen und vieles andere Mehr an ökonomischen wie sozialen Leistungen – all das ist bei vielen noch nicht angekommen, auch nicht bei Heinrich Weiss, der in einem Zeit-Interview wirklich meinte: „Die großen Parteien haben sich von den Bedürfnissen der Bürger entfernt.“ Offenbar lebt dieser neue AfD-Fan im Elfenbeinturm und hat keine Ahnung, was die Menschen in unserem Lande wirklich umtreibt. Gewiss auch nicht der Goldhandel, den die AfD intensiv betreibt, um dadurch ihren Anspruch auf die Wahlkampfkostenerstattung zulasten der Steuerzahler zu steigern.

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'Unternehmer als Irrläufer zur AfD' hat 7 Kommentare

  1. 17. Oktober 2014 @ 14:15 Wolfram

    „Offenbar lebt dieser neue AfD-Fan im Elfenbeinturm und hat keine Ahnung, was die Menschen in unserem Lande wirklich umtreibt.“

    Das trifft offenbar auch auf den Verfasser dieses Artikels zu.
    Er träumt, ebenso wie die meisten Politiker, in einer endlichen Welt von einem unendlichen Wachstum.

    Was die Kritik an den Haftungsrisiken durch die AfD betrifft, so spricht die neueste Entwicklung in Griechenland eher für die AfD, als für die Meinung von Herrn Ost.
    http://www.contra-magazin.com/2014/10/griechenland-staatsbankrott-ist-nur-eine-frage-von-monaten/

    Antworten

  2. 17. Oktober 2014 @ 14:19 Durchblicker

    Verehrter Herr Ost! Sie haben Recht, wenn Sie sagen,dass die etablierten Parteien die AFD Ernst nehmen sollten. Aber ich befürchte, dass dies nicht geschehen wird, da die dort Verantwortlichen, genau wie Sie, in einem Elfenbeinturm leben und keine Ahnung haben, was in diesem Land wirklich abläuft.
    Mit besten Grüssen
    Ihr Durchblicker

    Antworten

  3. 17. Oktober 2014 @ 14:23 Syntagma

    Starke Worte, Herr Ost (!) und Marx zitieren Sie auch noch?
    Also, unterhalb des Textes wurde ich grade etwas stutzig, als ich sah, Sie sind CDU. Ich hätte mindestens etwas sozialistischeres, wie SPD, Grüne oder Linke erwartet. Aber wie mittlerweile dem Interessierten aufgefallen ist, vertritt heute ja auch die CDU sozialistische Inhalte. Nun gut, irgendwann wird wohl jeder Politiker nach links rutschen, es ist ja auch ein Schmaus, das Geld anderer dafür auszugeben, dass man wiedergewählt wird.
    Die AfD kann man sehen wie man will, auch sie geht nicht an die wirklichen Probleme heran. Zum Beispiel, dass der EUR genauso ein Schuldgeld- und Schneeballsystem ist, wie alle anderen Zentralbank-Währungen, die nicht gedeckt und daher nahezu grenzenlos inflationiert werden kann, das gefällt den Politikern fast aller Farben. Ebenso die Bankenrettungen, was komplette Planwirtschaft bedeutet und mit dem ESM noch dazu anregt, pleite zu gehen. Die Freiheit aller wird durch das ständige, politische Versagen ernsthaft bedroht. Aber dass muss man erst lernen, wie diese Mechanismen schleichend die Masse enteignet. Die Presse dient dazu ebenso herrlich, wie die Öffentlich Rechtlichen und Privaten Sender, die ja in der Regel unübersehbar regierungsnah sind (Siehe Ukraine-/Russland-Politik)
    Die Wenigsten verstehen einfach, dass es die Unternehmer sind, welche Wertschöpfung betreiben und damit den Wohlstand mehren. Der Staat sicher nicht, denn das Substraht muss er ja vorher den Leuten und Unternehmen unter Gewaltandrohung stehlen.
    Und nochetwas: Das ist typisches Politiker-Gerede, dass sie am besten wüssten, was die Menschen „umtreibt“. Nein. Die Leute wissen es selbst am besten! Daher sollte man sie nicht bestehlen, sondern sie das hart erarbeitete Geld auch selbstbestimmt ausgeben können. Der Staat geht sowieso verschwenderisch damit um. Und ohne direkte Demokratie, kann auch noch alles Mögliche angestellt werden (Siehe EU, TTIP, Waffenlieferungen und und und).

    Antworten

  4. 17. Oktober 2014 @ 14:59 Steiner

    Unternehmer als Irrläufer zur AfD? Das wird die Zukunft zeigen.Was Sie aber hätten aufzeigen können und dazu hatten Sie etliche Zeilen zur Verfügung gehabt, ist, was Sie an den Zielen der Afd zu bemängeln haben.Konkret Punkt für Punkt.

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  5. 17. Oktober 2014 @ 15:31 Tanja

    Lieber Irrläufer als Schläfer!

    CDU, SPD und Grüne haben sich in den letzten Jahren zu demokratie- und deutschlandfeindlichen Parteien entwickelt. Leider haben die meisten Deutschen diese Entwicklung dank der von der Politik gesteuerten Propagandapresse verschlafen. Wieder mal droht Deutschland ein böses Erwachen. Die AFD könnte der dringend benötigte Wecker sein.

    Antworten

  6. 17. Oktober 2014 @ 17:30 Gregor

    Unter dem Zeitungsnamen steht“Anstalt für andere Meinungen“.
    Das würde also bedeuten,daß die Thesen der AfD Mainstream sind und Herr Osten eine nicht konforme Meinung vertritt.Das finde ich gut und angemessen.

    Antworten

  7. 17. Oktober 2014 @ 20:58 Erich Richter

    Wir brauchen eine „Alternative für Deutschland“ und wie man sieht sind sogar Unternehmer aus den „eigenen Reihen“ dieser sog. Volkspartei „untreu“ geworden. Vielleicht war ja z.B. Herr Kohl für den Herrn Weiss die ergänzende Persönlichkeit für spezielle internationale Geschäfte,,,die er dem ferngesteuerten Hosenanzug wohl nicht zu traut. Frage: „Wo sind denn in Ihrer Partei Herr Ost die guten Demokraten ? Wir kennen eigentlich überwiegend nur Jasager und Abnicker ! Warum ist den das Wirtschaftwachstum „langsamer“ als erwartet ? Weil gewisse Kanzlerin (die mächtigste Frau der „Welt“) in der Ukrainepolitik „umgefallen“ ist…man könnte auch sagen Herrn Obama in den Ar… gekrochen ist Schön zu erkennen, dass Sie jetzt bei Putin in Mailand abgeblitzt ist. Was ist denn in Wirklichkeit mit dem Beschäftigungsrekord und den angekündigten Reallohnerhöhungen vor allem für das Heer der Teilzeitarbeiter, Aufstocker usw ? Solide Erträge – für wen ? Was ist mit der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich ?
    Und nicht zuletzt, wie steht es eigentlich um die Souveränität dieses Landes ? Wo sind unsere Goldreserven wirklich ? Warum nicht Goldhandel ? Die D-Mark als Goldstück – eine bessere Symbolik gibt es überhaupt nicht ! Schade ich habe nur einen „vergoldeten Pfennig“…aber immerhin ist er mir mehr Wert als
    der Euro – denn er ist für große Teile der Bevölkerung zum Teuro geworden ! Für Leute wie Sie, welche eine hohe Pension beziehen, ist das natürlich kein Problem !
    Wieviel Millionen hat die CDU schon an Wahlkampfkosten kassiert ? In Ihrer Äußerungen erkennt man schon die Angst, dass es bald vorbei ist mit dieser Politik.
    „Alternative für Deutschland“ das ist nicht nur diese aufstrebende Partei, sondern genau der Kernpunkt für eine andere und wahrscheinlich bessere Politik…wenn der „deutsche
    Michel“ endlich wach werden sollte…
    Ach so – da haben wir ja auch noch das C02-Problem, der Leim
    des sog. Umweltschutzes mit denen sich vor allen Dingen die Großen schmücken und dem Volk über EEG usw. noch weitere Mühlsteine an den Hals hängen. Herr Ost, das Schönste ist Ihr Name…stellen Sie sich vor Sie hießen „West“ – das wäre doch zum k……!

    Erich Richter aus der Nähe von Bad Honnef

    Antworten


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