Shenzhenshi
Die chinesische Stadt Shenzhen am Rande Hongkongs hatte 1979 nur 30.000 Einwohner, im Jahr 2011 etwa 10,5 Millionen

Urbanisierung: Das Megathema in China

Mit einem großen Gefolge war der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang Ende Juni nach Brüssel gereist. Viele Bürgermeister und Experten aus den Millionen-Städten seines Landes nahmen an dem China-EU-Urbanisierungspartnerschaftsforum teil. Li Keqiang hob dabei hervor, dass in China derzeit die größte Urbanisierung der Geschichte stattfindet. Allein bis 2030 wird die Bevölkerung in den Städten Chinas um rund 350 Millionen zunehmen. Schon heute wohnen 50 Prozent der etwa 1,4 Milliarden Chinesen in den Mega-Cities.

Die politische Führung stellt sich den daraus resultierenden Herausforderungen mit großem Engagement. Dabei suchen die Verantwortlichen aus dem Reich der Mitte nach Modellen, die inzwischen in vielen europäischen Städten mit Erfolg realisiert werden. Im Vordergrund stehen dabei Smart Cities, nachhaltige städtische Mobilität, Klimaschutz und vor allem eine hohe Umweltverträglichkeit bei der Energieversorgung, bei Trink- und Abwasser sowie die Müllentsorgung. Insbesondere werden Konzepte zur Abfallvermeidung und zur Ressourcenschonung gesucht. In Zukunft soll in China die Kreislaufwirtschaft eine große Rolle spielen – wie etwa mit einem „urban mining“, um aus dem Abfall von Unternehmen und privaten Haushalten Rohstoffe zurückzugewinnen.

Premierminister Li Keqiang strebt stärker als alle seine Vorgänger eine Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltschonung an. Um dies zu erreichen, sollen auch die ökonomischen Strukturen des Landes verändert und angepasst werden. Das ehrgeizige Ziel lautet “made in China 2025“. Diese Strategie korrespondiert zu allem, was in Europa und insbesondere in Deutschland mit der “Industrie 4.0“ verfolgt und realisiert wird. Dazu wird China einen “Internet-plus-Aktionsplan“ auf den Weg bringen, um so die Informationsstrukturen zu verbessern und moderne Dienstleistungen anzubieten.

Energiekonsum drastisch reduzieren

Ebenso geht es darum, den riesigen Energiekonsum Chinas weiter drastisch zu reduzieren. Allein in den letzten Jahrzehnten wurden beachtliche Erfolge bei der Entkoppelung von Produktion und Energieeinsatz erzielt. So konnten inzwischen die CO2-Emissionen pro BIP-Einheit um rund ein Drittel gesenkt werden. Politiker auf allen Ebenen setzen auf Hightech, auf Wind- und Sonnenenergie, auf Energieeffizienz und modernste Klimaschutztechnologie, um die ehrgeizigen Ziele des 12. Fünfjahresplanes wie geplant zu erreichen. Li Keqiang weist mit Stolz darauf hin, dass “China mittlerweile die weltweite Nummer eins beim Energiesparen sowie bei der Nutzung neuer und erneuerbarer Energie ist.“ Das Reich der Mitte macht aktiv bei der Erreichung der ehrgeizigen globalen Klima-Ziele mit und wird beim nächsten Weltklimagipfel auf seine internationale Zusammenarbeit sowie seine inzwischen hohen Leistungen hinweisen, mit denen es auch den Entwicklungsländern im Kampf gegen den Klimawandel helfen will.

In China selbst gehen die Provinzen und Städte mit großem Einsatz an die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen. Bei dem jüngsten China-EU-Urbanisierungspartnerschaftsforum fiel die große Zahl der Bürgermeister auf, die ihren Premier zu dieser Konferenz begleiteten. Sie wollen von den europäischen Erfahrungen bei der Urbanisierung profitieren – sowohl beim Städtebau als auch beim Umweltschutz. Das Zauberwort war auch hier Dekarbonisierung. Oberbürgermeister Lu Yi aus der Stadt Foshan in der Provinz Guangdong, der Verantwortung für die 10 Millionen Menschen in seiner Region trägt, weist zurecht mit Stolz auf die Errichtung eines Sino-German-Centers und eines Sino-European-Centers hin. Damit sind Plattformen geschaffen worden, um Firmen aus Europa und vor allem auch aus Deutschland als Investoren und Partner anzulocken, ihnen beste Chancen für den Sprung in den größten Markt der Welt zu eröffnen.

Mit der Berliner Gesellschaft für Kommunikations-, Wirtschafts- und Strategieberatung (PKS GmbH) wurde jetzt in Brüssel in Anwesenheit des Oberbürgermeisters von Foshan ein Kooperationsvertrag abgeschlossen. Gemeinsam werden Leuchtturmprojekte entwickelt und verwirklicht. In der Region Foshan soll beispielsweise eine moderne Möbelindustrie aufgebaut werden, die auf dem wachsenden chinesischen Markt sehr gute Chancen hat. Dabei wird es nicht um die einfachen Holzarbeiten, sondern um perfekte Cluster gehen, die vom Holz über die Elektronik bis hin zur Chemie der Produktion reichen. Die Herstellung von Wohn- und Küchenmöbeln sollen mit Hightech-Verfahren, vor allem auch ressourcenschonend und ökologisch verträglich erfolgen.

Expansionschancen für deutsche Möbelfirmen

Deutsche Möbelproduzenten, die hierzulande nicht die besten Expansionsmöglichkeiten für die Zukunft sehen, können gemeinsam mit Partnern in der Region Foshan produzieren und den chinesischen Markt erobern. Unternehmen aus Deutschland, die den Sprung in Richtung Foshan in der Provinz Guangdong mit allein 170 Millionen Einwohnern erwägen, können sich an die PKS GmbH in Berlin (E-Mail: office@pks-gmbh.net) wenden, um nähere Informationen und beste Beratung zu erhalten. Das Interesse auf der chinesischen Seite erstreckt sich vor allem auf den Hightech-Bereich, auf die Produktion von Konsum- und Investitionsgütern, auf den Energie- und Umweltbereich sowie auf industrienahe Dienstleistungen.

So werden allein im September 2015 in der Chinesisch-Deutschen Wirtschaftszone in Foshan folgende Veranstaltungen stattfinden: 1. The 2nd International Robotics and Intelligent Equipment Industrial Conference & Exhibition, 2. Die Internationale Internet plus – Messe, 3. Die Spitzenkonferenz: Dialog zwischen “Made in China 2025“ und “Deutsche Industrie 4.0“ sowie 4. Die Konferenz zum Technologie-Austausch anlässlich eines Treffens mit Auslandschinesen aus Deutschland. An diesen Veranstaltungen – insbesondere zu “Made in China 2025/ Deutsche Industrie 4.0“ werden von chinesischer Seite Regierungsmitglieder aus Peking – u. a. der Minister für Industrie- und Informationstechnologie –, der Chef des China Center für Information Industry Development, Wissenschaftler und Unternehmer teilnehmen.

Diese Meetings sind ohne Zweifel attraktiv für deutsche Firmen, insbesondere aus den Bereichen Maschinen – und Anlagenbau sowie intelligente Produktion. Die Berliner PKS GmbH wird als Foshan-Partner diese Konferenz aktiv begleiten.

Reich der Mitte hat aufgeholt

Für viele Branchen tun sich positive Möglichkeiten auf. Was Chinesen zu leisten imstande sind, das ist schon heute in dem VW-Audi-Werk in Foshan zu sehen. Gut qualifizierte Arbeitnehmer produzieren dort Fahrzeuge höchster Qualität. Beim Firmenrundgang fallen die vielen Kuka-Robotoren, die perfekte Produktionsorganisation und die Einhaltung wichtiger Öko-Standards auf. Chinas Industrie hat in den letzten Jahren enorm aufgeholt und braucht in vielen Sektoren den Wettbewerb mit anderen Konkurrenten aus Europa, Japan oder den USA nicht mehr zu scheuen.

Das enorme Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte ist jedoch zu Lasten der Umwelt gegangen. Die riesigen Verkehrsstaus, der Smog infolge gravierender Luftbelastungen, verunreinigte Gewässer, Kraftwerke mit relativ geringen Wirkungsgraden, Probleme bei der Bewältigung steigender Müllberge, Energieverschwendung in Industrie-, Wohn- und Verwaltungsgebäuden stellen gerade die hochentwickelten und dichtbevölkerten Regionen vor große Herausforderungen. Die verantwortlichen Politiker Chinas gehen diese Probleme engagiert an. Sie sehen, wie es der Oberbürgermeister Lu Yi von Foshan fast übereinstimmend mit seinen Kollegen aus anderen Städten feststellte, für die Lösungen Deutschland als geradezu idealen Partner.

So hat jüngst auch eine chinesische Delegation die “Innovation City“ in Bottrop besucht, um den Strukturwandel im Ruhrgebiet zu studieren. Auch in den Kohle- und Stahlregionen Chinas wird es in den nächsten Jahren um Prozesse des regionalen Wandels, um die Aufbereitung von Industriebrachen sowie um die ökonomische und ökologische Neuorientierung gehen. Die Chinesen zollen vor allem deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten große Anerkennung, die sich mit dem regionalen Strukturwandel beschäftigen.

Gartenstädte der Zukunft

Moderner Städtebau und zukunftsorientierte Bauzeitplanung, kommunale Klimabündnisse, Verwandlung von alten Industriezonen in “Gartenstädte der Zukunft“ und Schaffung von Quartieren mit guter Lebensqualität stehen auf der Zukunftsagenda der chinesischen Kommunalpolitiker, die mit hohem Interesse die positiven Projekte in manchen deutschen Regionen betrachten und das hierzulande vorhandene Know How gern nutzen wollen. Urbanisierung wird so zu einem wichtigen Feld für Politik und Wirtschaft, denn China hat sich aufgemacht, um aus der Werkbank der Welt zu einer modernen Volkswirtschaft zu werden, um ein Hightech-Reich mit digitalen Technologien, Internet, Sensoren usw. zu gestalten und im globalen Wettbewerb zukunftsfähig zu machen. Mit diesem fundamentalen Wandel befindet sich das Land auf dem Wege zu einer “lebendigen Wirtschaft mit einer lebenswerten Umwelt“.

Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, wird dies bei seinem China-Besuch erfahren und gewiss deutsche Firmen ermuntern, sich auf diese Veränderungen einzustellen. Neben dem Außenhandel werden Investitionen und Kooperationen immer wichtiger. Vor allem sind immer mehr chinesische Firmen daran interessiert, sich an deutschen Hightech-Unternehmen, auch an Start ups zu beteiligen oder sie zu übernehmen. Ebenso wird die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Hochschulen gesucht. Auch dafür bieten sich etwa in Foshan fast ideale Bedingungen, um vom Sino-German-Center aus in den großen chinesischen Markt vorzudringen oder um von dort aus Wissen – und Technologie – sowie Ausbildungstransfer anzubieten.

 

Bildquelle: Wikipedia, Hawyih, gemeinfrei

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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