Vermögensbildung

Viele Sparer, wenig Aktionäre

Die Deutschen lieben die Liquidität: Sie sparen im Durchschnitt nach wie vor 9 bis 10 % ihrer verfügbaren Einkommen. Im vergangenen Jahr legten sie rund 180 Mrd. € auf die hohe Kante. Insgesamt summieren sich inzwischen die privaten Geldvermögen, die auf Bargeld und Einlagen auf Konten entfallen, auf über 2.280 Mrd. €. Obwohl die Europäische Zentralbank die Basiszinssätze auf unter Null gebracht hat und für das private Spargeld von Banken und Sparkassen selbst bei mehrjährigen Geldanlagen kaum mehr als etwa 1 % an Zinsen gezahlt wurden, bleiben die Anleger bei ihrem Anlageverhalten nach wie vor allzu passiv.

Magere Zinsen für Spargeld

Gewiss, auch die Renditen der Staatsanleihen, die vor 10 Jahren noch bei gut 4 % lagen, bringen seit 2015 gerade noch etwa 0,4 %. Ebenso sind die Erträge aus Lebensversicherungen in den letzten Jahren kräftig gesunken: Die Garantiezinsen und Überschüsse befinden sich auf Talfahrt: Immerhin belaufen sich die privaten Anlagen in Lebensversicherungen auf fast 1.000 Mrd. €. Hinzu kommen Ansprüche von Privaten an andere Alterssicherungssysteme wie etwa Pensionskassen in Höhe von 830 Mrd. €.

Gute Gewinne mit Aktien

Nach wie vor sind die Deutschen ausgesprochene Aktien-Muffel. Mit Beteiligungen am Produktiv-Kapital der Wirtschaft halten sie sich seit Jahrzehnten zurück – auch in der letzten Zeit, da immer mehr mit ihren Geldanlagen unzufrieden sind. Gerade einmal 250 Mrd. € von ihrem gesamten Geldvermögen in Höhe von über 5.800 Mrd. € sind in börsennotierte Aktien inländischer Unternehmen investiert, nur etwa 100 Mrd. € in ausländische Aktien. Dagegen hat das Sparen in Investmentfonds peu à peu mehr Anleger gefunden.

Aktien haben vor allem langfristig orientierten Sparern in den letzten Jahrzehnten gute Gewinne beschert. Wer zum Beispiel seit 1988 Jahr für Jahr etwa 600 € in solide deutsche Aktien investiert hat, dürfte daraus bis heute über 80.000 € an Anlagewert erreicht haben. Das entspricht mehr als dem Vierfachen des Sparkapitals. Allein seit 2008 ist der DAX, der wichtigste Index für deutsche Aktien, von 4.800 bis heute auf rund 12.500 gestiegen. Die Kurse von Siemens, Linde, BASF, Bayer, VW und anderer „blue chips“ sind kräftig nach oben gegangen. Die Jahr für Jahr ausgeschüttete Dividende erfreute zudem den Aktionär, der damit eine Rendite mit seiner Geldanlage erzielte, die zum Teil deutlich über der anderer Sparformen lag.

Angst vor Aktien

 Allerdings haben gerade einmal rund 30 % aller deutschen Anleger ihr Geld in Aktien, Aktien-Investmentfonds, Wertpapier-Sparpläne und Indexfonds ETF investiert. Die jüngere Generation im Alter von 25 bis 34 Jahren ist dabei etwas mutiger. Die starke Zurückhaltung der meisten Sparer gegenüber Aktien ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie diese Wertpapiere eher als Spekulationsanlagen bewerten. Viele fürchten dabei um die Sicherheit ihres Geldes, haben Angst vor dem Kauf falscher Aktien oder trauen sich nicht an den Aktienmarkt, weil ihnen Wissen und Erfahrungen fehlen. Dabei stehen viele seriöse und kundige Berater bereit, den Einzelnen gut zu informieren, solide Aktien zu empfehlen oder Wertpapier-Sparpläne anzubieten, bei denen bereits mit monatlichen Sparraten von 50 oder 100 € mittel- und langfristig eine rentierliche Beteiligung am Produktionsvermögen möglich ist.

Mehr Zeit für’s Geld nehmen!

Das Auf und Ab an den Wertpapierbörsen mag für viele Millionen Anleger schwerer kalkulierbar sein. Selbst Börsenprofis sind vor Baisse – oder Hausse – Überraschungen nicht vollends gefeit. Wer Aktionär wird, der ist Anteilseigner eines Unternehmens – in guten wie in schlechten Zeiten der Geschäfte. Der nüchterne Blick auf die Börsenentwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt jedoch, dass Anleger mit langem Atem hier viel Geld verdienen konnten. Die meisten von ihnen arbeiten 40 Stunden und mehr in der Woche, um ihr Einkommen zu erzielen, doch widmen nicht einmal 1 Stunde der Anlage ihres Ersparten. So werden durchaus beachtliche Erträge einfach verschenkt, die für die private Vorsorge, für größere Anschaffungen oder für die Aufbesserung der späteren Rente durchaus möglich wären.

Bildquelle: pixabay, user kalhh, CC0 Creative Commons 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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