Altes deutsches Haus
Ein altes deutsches Haus

Vom Märchen über die sauberen Deutschen

Irgendwie ist es doch gar nicht so schlecht, wenn wir mal wieder heruntergeholt werden von den Sternen und nicht nur noch von der übrigen Welt bestaunt werden wegen unserer Willkommenskultur und der anderen gewohnten Weltleistungen. Wir Deutschen sind eben nicht besser oder schlechter als die anderen, oder?

Oder hatte wirklich jemand geglaubt, wir seien von Haus lauter Gutmenschen? Hatte irgendwer geglaubt, bei uns würde nicht gedopt? Jan Ullrich, der eigentlich gute Radrennfahrer, ist unser Zeuge. Er hat gedopt, um gleichzuziehen mit all den anderen Radlern auf den Rennrädern, die auch dopten. Das musste er doch tun, damit er nicht schlechter dastand beim Start.

Hatte man wirklich gedacht, bei uns würde nicht gemogelt? Der Baron aus Franken, Herr von und zu Guttenberg, hat zwar behauptet, er habe das nicht mit Absicht getan, aber der Jura-Professor, der sich seine Arbeit noch einmal genau vorgeknöpft hatte, kam zu dem Schluss: „Wir sind einem Betrüger aufgesessen.“ Wir könnten auch Annette Schavan nennen, die es früher so gut konnte mit der mächtigen Bundeskanzlerin, was ihr aber auch nicht weiterhalf, als die Uni Zweifel an ihrer Doktorarbeit und dem redlichen Zustandekommen des Werks belegte.

Die ganze Wahrheit über den Diesel

Oder nehmen wir die Mogeleien beim Weltkonzern VW. Wie heißt noch die Werbung, die ich aber seit Tagen vermisse: Volkswagen, das Auto. Man hatte der Welt nicht die ganze Wahrheit über die angeblich so sauberen Dieselfahrzeuge gesagt, die Sache flog auf, Winterkorn flog ab und nun haben sie ein Problem, das teuer werden könnte.

Oder haben wir wirklich geglaubt, bei uns würde nicht bestochen? Schon vergessen, dass wir sogar mal ein Gesetz hatten, das Schmiergeld ausdrücklich zuließ, weil in bestimmten Ländern-so die Begründung-ohne Bakschisch kein Geld zu verdienen sei? Man frage Siemens, die sollen sich da besonders gut ausgekannt haben.

Und nun die Sache mit dem Fußball, der angeblich schönsten Nebensache der Welt. Fußball, der den Deutschen besonders lieb und vor allem teuer ist. Gut, das Sommermärchen war eine schöne Sache, die Stimmung im Lande besser als sonst, es wurde gesungen, getanzt, man feierte ein paar Wochen, die Welt staunte über die lustigen und lockeren Deutschen. Schade, dass es dann im Halbfinale Schluss war, weil man gegen Italien verlor. Aber wir waren schließlich die Weltmeister der Herzen. Dafür kann man sich zwar nichts kaufen, man frage die Schalker, die waren so was auf nationaler Ebene auch schon mal.

Fußball und das Geld

Und jetzt, Jahre danach, soll dieses Märchen nicht wahr gewesen sein, genauer, wir sollen uns das erkauft haben, nicht wir, aber die Herren Niersbach und Beckenbauer werden genannt, es sollen Stimmen gekauft worden sein, damit die Abstimmung pro Deutschland ein wenig berechenbarer wurde. Hat auch geklappt, Deutschland gewann mit einer Stimme. Mehrheit ist Mehrheit, hat schon Konrad Adenauer gesagt und viele Jahre erfolgreiche regiert.

Belegen kann es der „Spiegel“ zwar nicht, aber die Indizienkette ist schon ziemlich schlüssig. Und wie war das eigentlich mit Sepp Blatter? Gibt es da nicht Vorwürfe gegen ihn und die FIFA-Zentrale wegen einer möglichen Korruption? Hatte der nicht mal Bemerkungen über die Vergabe der WM gemacht und Richtung Frankfurt gezeigt, der DFB-Zentrale? Und warum ist denn der DFB bisher so zurückhaltend gegenüber der FIFA und Blatter, im Grunde pflaumenweich? Warum eiert Herr Niersbach in der Causa Blatter so rum? Weil der Blatter was in der Hand hat gegen Deutschland, kann man Blatter wegen der Vorwürfe gegen ihn nicht so richtig am Schlawittchen packen? Immerhin ist der DFB der mächtigste Verband in der Welt. Haltlos, rufen sie in Frankfurt, und weisen die Anwürfe zurück. Aber der Gegenprotest wirkt nicht so kräftig wie die Attacken des „Spiegel“. Die Herren beim DFB sollten ein wenig aufpassen, wer den „Spiegel“ kennt, geht davon aus, dass die in Hamburg nachlegen können- in der nächsten Ausgabe.

Dass der Beckenbauer nichts gesagt hat bisher, verwundert mich. Der Franz redet doch sonst immer viel, ohne was zu sagen zu haben. Aber ich gehe davon aus, dass der nichts gewusst hat. Wie vor Monaten, als er in Katar war und natürlich nichts von schlechten Behandlungen der Bauarbeiter mitgekriegt hatte. Und der Beckenbauer hat bestimmt genau hingeschaut. Und im Übrigen hörte ich gerade von einem Schweizer Experten: Mit einem warmen Händedruck sei eine WM nicht zu bekommen. Also muss man sogar in die Tasche greifen, wie einst der Radfahrer Jan Ullrich, um keine Wettbewerbsnachteile zu riskieren. Das ist es, zumal die deutsche Bewerbung Spitze gewesen sein soll. Heißt es.

Merkwürdige Gelbsuchtfälle nach dem Finale 1954

Da fällt mir im Zusammenhang mit dem Fußball eine andere Geschichte auf, die nie aufgeklärt worden ist. Wie war das noch mit dem Endspiel bei der WM 1954, als die Deutschen überraschend 3:2 gegen Ungarn gewannen, dank des Tores von Helmut Rahn, dem Boss aus Essen. Na ja, wenn das wirklich alles war? Gab es nicht danach merkwürdige Gelbsucht-Erkrankungen, die fast die ganze Mannschaft befielen? Und hatte nicht jemand auch von irgendwelchen Ampullen gesprochen, die irgendwo rumgelegen hätten? Die Sache ist nie weiterverfolgt worden. Wahrscheinlich üble Nachrede von Leuten, die uns den Titel nie gegönnt haben.

Im Zweifel für den Angeklagten. Aber ich klage doch gar nicht an, ich schreibe nur mal so auf, was mir im Zusammenhang mit Fußball so eingefallen ist. Ach so, Schalke sollte ich noch erwähnen, Bielefeld, Offenbach, den Gemüsehändler Canellas, ich glaube so hieß der Mann, der damals den Fußballskandal in der Bundesliga auffliegen ließ. Spieler waren bestochen worden, damit sie Spiele absichtlich verlören. Es kam zu Sperren, Meineid. Aber das alles ist so lange her und die Jüngeren winken wohl längst ab, weil sie meinen, Opa erzähle vom Krieg.

Dabei ist Fußball wirklich eine herrliche Nebensache.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Vom Märchen über die sauberen Deutschen' hat einen Kommentar

  1. 18. Oktober 2015 @ 18:46 Vom Märchen über die sauberen Deutschen - Der Blogpusher

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