Sattelschützer - SPD-Shop

Wahlkampf mit Grillzange, Warnweste und Fliegenklatsche

Manchmal kann es auch schiefgehen. Werbekampagnen und -artikel sollen pfiffig sein und einen Aha-Effekt auslösen. Abgesehen von Broschüren und Plakaten versuchen politische Parteien in Zeiten von Wahlen mittels Fan- und Streu-Artikeln vor allem an Info-Ständen neben Kugelschreibern, Luftballons und Einkaufswagen-Chips immer mal wieder etwas Neues zu finden, dass besondere Aufmerksamkeit erregt und gerne mitgenomnen wird, weil es nützlich ist oder einfach, wie Süßigkeiten, lecker schmeckt. Was sich aber zur Bundestagswahl 2017 im SPD-Shop findet, lädt schon, um es freundlich zu sagen, zum Schmunzeln ein.

Die hölzerne Grillzange – „Damit es nicht zu schwarz wird“ – ist ja noch einigermaßen witzig, aber die SPD-Fahrradsattelabdeckung – „Auf das Richtige setzen“ – womit wohl? -, die SPD-Warnweste, die SPD-Fliegenklatsche, das SPD-Windlicht, der „Ehe für Alle“-Luftballon „SPDqueer“ – besonders für unsere Kleinen? – da hat sich in das Kleinartikel-Sortiment doch Einiges eingeschlichen, das zu Ironie oder Spott geradezu einlädt. Und die Buttons, Fahrrad-Aufkleber und Fruchtgummitüten mit der Aufschrift „Schulz 2017“ wären ja vollkommen ok, wenn nicht ausgerechnet die Null in der Zahl 2017 durch den stilisierten Kopf des Kanzlerkandidaten ersetzt würde. Honi soit qui mal y pense!

Die Shops der anderen Parteien bieten für ihre Fans und Anhänger sicherlich auch so Manches, das mit politischen Inhalten nichts zu tun hat, das ist keine Frage. Aber der Versuch, mit Werbeartikeln Inhalte zu transportieren, sollte sehr gut überlegt sein. Das kann wie gesagt schiefgehen. Wenn es Heiterkeit erzeugt, ist ja noch etwas Gutes erreicht. Bei der ohnehin gebeutelten SPD hat man den Eindruck, dass sich der Satz mit dem „Schaden“ und dem „Spott“ wieder einmal bewahrheitet. Da kann man nur darauf vertrauen, dass der Wähler sehr wohl weiß, das es um Wichtigeres geht, „Heute-Show“ hin oder her.

 

Bildquelle: Screenshot SPD-Shop

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Jürgen Brautmeier

Der Historiker war bis 2016 Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt und von 2013 bis 2015 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft aller deutschen Landesmedienanstalten. Heute lehrt er als Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Geschichte sowie Kommunikations-und Medienwissenschaft.


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